"Gebt uns Lippi zurück"

SID
Dienstag, 10.06.2008 | 12:22 Uhr
em 2008, italien, camoranesi, gattuso
© Getty
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Bern - Mamma mia, was für ein Disastro! Nach der höchsten italienischen EM-Niederlage der Historie droht dem Titelfavoriten bereits der frühe K.o. - und Trainer Roberto Donadoni der Rauswurf.

Vor dem "Schicksalsspiel" gegen Rumänien am Freitag (18.00 Uhr im SPOX-Ticker) in Zürich wird der unglückliche Nachfolger von Weltmeister-Trainer Marcello Lippi bereits als Totengräber der "Squadra Azzurra" beschimpft:

"Gebt uns Lippi zurück!", forderte "Tuttosport" nach dem 0:3-Desaster gegen die Niederlande. "Scusi - das war das schlimmste Spiel seit zwölf Jahren", entschuldigte sich Torwart Gianluigi Buffon in Namen des Teams bei den Fans.

Klare Worte, die die "Tifosi" vermissten. Stattdessen versuchte der Coach, die Pleite schönzureden. "Holland hat uns nicht beherrscht", meinte er.

Donadoni widersprach damit den eigenen Spielern und brachte seine Kritiker noch mehr in Rage. Dass er eine "schmerzliche Niederlage" einräumte, von einer "schlimmen Nacht" sprach und ein "Aufbäumen" in Aussicht stellte, konnte die Wut nicht mildern. "Disastro Donadoni", titelte der "Corriere dello Sport". Italien habe "eines Weltmeisters unwürdig" gespielt, klagte "La Gazzetta dello Sport". Donadoni sei "konfus" und habe "viel zu spät reagiert".

Kritik aus den eigenen Reihen

Die Jagd auf den 44 Jahre alten Coach ist eröffnet, und sogar aus dem Team kommt Kritik: "Die Wechsel hätten früher kommen müssen", zitierte "La Gazzetta" Mittelfeldspieler Andrea Pirlo.

Donadoni brachte Serie-A-Torschützenkönig Alessandro Del Piero und Stürmer Antonio Cassano erst spät in der zweiten Halbzeit. So offene Kritik des sonst eher zurückhaltenden Mailänders beweist: Es brennt lichterloh bei den "Azzurri".

Cannavaro schmerzlich vermisst

Den Fans im Stadion waren schon nach wenigen Minuten ihre "Campioni del Mondo"-Sprechchöre im Halse stecken geblieben. Ohne den mit einem frisch operierten Bänderriss auf der Bank sitzenden Abwehrchef Fabio Cannavaro war Italiens einst unüberwindbares Bollwerk löchrig wie nie.

Marco Materazzi konnte den Weltfußballer des Jahres 2006 ebensowenig ersetzen wie Christian Panucci nach dem Wechsel. Innerhalb von 53 Minuten kassierten die "Azzurri" mehr Tore als während der gesamten WM vor zwei Jahren. Cannavaro hätte am liebsten seine Krücken weggeworfen, um selbst zu verteidigen.

Der Real-Star ist offenbar nicht zu ersetzen. Deshalb hegt "La Gazzetta" kaum Hoffnungen: "Buona notte, Little Italy".

Donadoni verspricht Comeback

"Mit einem Sieg gegen Rumänien ist wieder alles offen", sagte dagegen Bayern Münchens Stürmerstar Luca Toni nach der "wirklich hässlichen Niederlage" kämpferisch.

Das Team müsse nun zusammenstehen, meinte auch Del Piero: "Wir sind bei Siegen vereint, dann müssen wir es auch nach Niederlagen sein."

Donadoni versprach Italiens Comeback: "Wir werden aus unseren Fehlern lernen und an unseren Schwächen arbeiten. Dann zeigen wir, was wir können." Das 0:0 zwischen Frankreich und Rumänien komme seinem Team gelegen, sagte der Coach.

"Im Nachhinein bin ich froh, dass sie unentschieden gespielt haben. Wir müssen jetzt nach vorne schauen und uns optimal auf das Spiel gegen Rumänien vorbereiten."

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