DFB-Team mit drei Polen gegen Polen

SID
Freitag, 06.06.2008 | 12:48 Uhr
podolski, lukas, poldi, training
© DPA
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Tenero (dpa) - Auf ihre polnischen Kommandos müssen Lukas Podolski und Miroslav Klose dieses Mal verzichten. Denn beim EM-Auftaktspiel werden Zurufe wie "lewo" (links), "prawo" (rechts) oder "dawaj" (spiel' ab) verstanden.

"Ich habe ein polnisches Herz", gestand Lukas Podolski, der wie Miroslav Klose immer wieder die Verwandten in Osteuropa besucht. Beide Angreifer wurden wie auch Mittelfeldmann Piotr Trochowski östlich der deutschen Grenze geboren - für sie ist die Partie im Klagenfurter Wörtherseestadion gleich mehrfach ein ganz besonderes.

Doch so sehr die drei noch an ihrer Heimat hängen: Während der 90 Minuten von Klagenfurt wird die Vergangenheit keine Rolle spielen. "Wenn das Spiel losgeht, will ich gewinnen", sagte Podolski, der in anderen Länderspielen gern Klose auf Polnisch anspricht.

Polnische Fans sind noch sauer

Die Begegnung mit der Nationalmannschaft seines Mutterlandes hat für das Trio auch eine gewisse Brisanz. Nicht jeder polnische Fan ist erfreut darüber, dass die derzeit wohl besten polnischen Fußballer für Deutschland spielen. Auf seiner Internetseite musste sich Klose noch im Gästebuch Einträge wie "Verräter" gefallen lassen - die entsprechenden positiven Bekundungen folgten jedoch auf dem Fuß: "Lass' dich nicht runterziehen und kämpfe mit breiter Brust."

Verbittert sind einige polnische Fans noch immer, dass sich die in Oppeln (Klose), Gleiwitz (Podolski) und Tczew (Trochowski) geborenen DFB-Profis gegen ihre Wurzeln und für den Rivalen im Westen entschieden haben.

Beenhakker weint Sturm-Duo nach 

Auch Polens Nationalcoach Leo Beenhakker bedauert die vor langer Zeit in der Kindheit der Kicker getroffene Entscheidung, vor allem der Sturm "Polen 1" fehlt ihm. "Beide in der polnischen Nationalelf zu haben, wäre natürlich schön. Aber man muss das akzeptieren", sagte Beenhakker. Schon lange vor dem aktuellen aktuellen EM-Trio zogen gute Fußballer von Polen nach Deutschland. So hatten auch die Begründer des "Schalker Kreisels", Ernst Kuzorra und Fritz Szepan, ihre Wurzeln in Polen.

Während der Hamburger Trochowski bei der EM-Premiere wahrscheinlich nur auf der Ersatzbank Platz nehmen wird, dürften die beiden Münchner als Stammkräfte gesetzt sein.

Noch kein Tor gegen das Geburtsland

Gegen ihr Geburtsland wartet das so erfolgreiche Duo - Klose traf in 75 Spielen 39-mal, Podolski erzielte in 48 Partien 25 Treffer - allerdings noch auf sein erstes Tor.

Beim 1:0 im WM-Sommermärchen 2006 half den beiden beim Spiel der Emotionen mit Oliver Neuville ein gebürtiger Schweizer aus der Klemme; vorher gab es das brisante Duell für sie noch nicht.

Zu seinem 23. Geburtstag in dieser Woche wünschte sich Poldi, der im heimischen Fernseher viele polnische Spiele sieht und als Experte fast schon Urs Siegenthaler Konkurrenz macht, einen Erfolg.

Und auch Klose will sich mit drei Punkten auf seine Party einstimmen: An Bord das Charter-Fliegers von Klagenfurt zurück Richtung Ascona möchte er in der Nacht am liebsten als Torschütze und Gewinner in seinen 30. Geburtstag reinfeiern. Beim WM-Eröffnungsspiel vor zwei Jahren gelangen ihm zum Ehrentag gleich zwei Treffer - ein gutes Omen.

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