Montag, 30.06.2008

EM 2008

Ballack bleibt der Unvollendete

Wien - Im Licht der Welt-Öffentlichkeit bewahrte Michael Ballack lange Haltung, doch abseits der jubelnden Spanier brach es dann aus dem ewigen Zweiten heraus.

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© DPA

In einem Disput mit Oliver Bierhoff entlud sich der ganze Frust des 31-Jährigen, der wieder einmal zur tragischen Figur wurde.

Als Ballack nach seiner erneuten Final-Pleite einfach nur in die Kabine verschwinden wollte, schickte der DFB-Manager die Spieler mit zwei "Danke"-Transparenten in die Fankurve und bekam dafür einen harschen Rüffel vom Kapitän. Der bedankte sich danach ohne Banner mit zahlreichen Handschlägen direkt bei den mitleidenden Anhängern.

Bis zum "kleinen Disput" (Bierhoff) mit dem Funktionär hatte Ballack im Moment einer neuerlichen schweren Niederlage Größe bewiesen. Durch das Spalier der Spanier war er zur Ehrung des EM-Zweiten mit Haltung marschiert, hatte auch deren Trainer Luis Aragones zum EM-Titel gratuliert.

Ballack läuft die Zeit davon

Und als er dann, gezeichnet wie ein Boxer, am silbern glänzenden Pokal vorbeischritt, fühlten auch die Fußball- und Staatsgrößen mit. Kanzlerin Angela Merkel legte dem deutschen Kapitän fast schon liebevoll die Hand auf die Schulter, Präsident Horst Köhler gab dem Mittelfeldspieler einen aufmunternden Klaps und UEFA-Chef Michel Platini nahm den Kopf des 31-Jährigen wie den eines kleinen Jungen in seine Hände - allen tat er leid.

Wieder einmal nur Zweiter, und das zum zehnten Mal in seiner trotzdem erfolgreichen Karriere. Ballack bleibt der Unvollendete. Nach dem 0:1 in Wien fügte sich der 87-malige Nationalspieler in sein Schicksal.

Mit den Händen an der Hüfte starrte der DFB-Leader gebannt auf die Siegerehrung der spanischen Europameister und wusste: Auf dem Weg zum großen internationalen Titel läuft ihm die Zeit davon.

Diesmal keine Tränen

Die Niederlage traf ihn aber nicht so hart wie die im Champions-League-Finale vor 39 Tagen, als er nach dem Elfmeter-K.o. mit dem FC Chelsea noch schluchzend auf dem Spielfeld zusammengesunken war.

Tränen flossen diesmal auf dem Platz keine. Dafür aber Blut. Nicht nur die rätselhafte Wadenblessur, die einen Einsatz des Kapitäns lange gefährdet hatte, musste er verkraften.

Nach einem Zusammenstoß mit Marcos Senna zog er sich auch eine Platzwunde am rechten Auge zu. Auf der Tribüne litten Ballacks Freundin Simone und Vater Stephan mit und mussten mit ansehen, wie sich ihr Michael vergeblich aufbäumte.

"Das lässt sich nicht mehr gutmachen"

Mit Fassung trug Ballack dennoch den erneuten Tiefschlag. "Wenn man ins Finale kommt, kann man stolz sein. Die Mannschaft hat Großartiges geleistet, da kann man auch einen ordentlichen Abschied feiern", betonte Ballack.

Doch die Mitspieler wussten, wie es wirklich in ihrem Anführer aussah. "Für ihn ist es noch schlimmer, wenn man schon einige Finals gespielt hat", berichtete Verteidiger Arne Friedrich aus der Kabine.

Und Oldie Jens Lehmann stellte fest: "Wenn man so ein Finale verliert, dann bleibt die Enttäuschung ein Leben lang bestehen. Das lässt sich nicht mehr gutmachen."

Aufmunterung von Angie

Wegstecken konnte Ballack die großen Niederlagen bislang gut - nur irgendwann würde er für die Nehmerqualitäten auch gerne einmal den Lohn einstreichen. Zur DFB-Kapitäns-Elite mit Fritz Walter, Lothar Matthäus oder Franz Beckenbauer zählt er schon lange, aber einen Titel kann er im Gegensatz zu den anderen Größen nicht vorweisen.

"Ich habe Michael Ballack gesagt, dass wir wohl noch ein wenig warten müssen, bis wir ganz doll feiern können", verriet Angela Merkel den Inhalt der kurzen Ansprache an den ersten Nationalmannschafts- Repräsentanten. 2010 wird wohl die letzte Chance sein.

Ballack selbst wird das tiefe Verlangen nach dem WM-Titel jedenfalls noch mehr antreiben. Schon bei der EM rannte er so viele Kilometer wie kein anderer Spieler: 67,77.

Eine Pause hat er sich redlich verdient. "Jetzt sind wir erstmal enttäuscht, fahren in den Urlaub und konzentrieren uns auf nächstes Jahr."


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