Freitag, 13.06.2008

Ballack im Interview

"Zurück zur Disziplin"

Klagenfurt - Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, Michael Ballack, sprach nach dem 1:2 im zweiten EM-Gruppenspiel gegen Kroatien Klartext.

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© Getty

Frage: War das ein schlechter Tag, oder muss man sich ernsthaft Sorgen machen um das Weiterkommen der deutschen Mannschaft?

Ballack: Sorgen muss man sich immer machen, wenn man schlecht spielt und vor allem verliert. Das kann man nicht einfach so wegstecken und übergehen. Da muss man schon klar analysieren. Ich denke, es lag ganz deutlich auf der Hand, dass wir von Anfang an nicht so ins Spiel gefunden haben, weil wir einfach ein paar Prozent nachgelassen haben in allen Dingen. Die Kroaten haben clever gespielt, waren taktisch gut aufgestellt, haben das Spiel eng gemacht. Trotzdem muss man mal mit Wucht nach vorne agieren. Wir haben die Mittel nicht gefunden und Fehler gemacht im Defensivbereich. Wir haben verdient verloren.

Frage: Beginnt jetzt das große Zittern?

Ballack: Was heißt Zittern? Wir haben es selbst in der Hand. Wir sind zu stark, um hier in der Vorrunde auszuscheiden. Dessen müssen wir uns einfach bewusst sein. Aber wir müssen es auch zeigen und nicht nur darüber reden, dass wir gut Fußball spielen können.

Frage: Erwarten Sie ein ähnliches Spiel gegen Österreich wie beim 3:0-Sieg Anfang Februar ebenfalls in Wien?

Ballack: Ich denke nicht, dass das Spiel mit dem vergleichbar ist, was uns am Montag erwartet. Die Österreicher werden noch einmal Luft wittern. Das wird ein ganz heißer Tanz. Das wollten wir vermeiden. Wir müssen wieder da anknüpfen, wo wir gegen Polen angefangen haben.

Frage: Ist die Mannschaft vielleicht zu selbstsicher in das Spiel gegangen?

Ballack: Ja, ich denke schon. Ich war schon überzeugt, dass wir gedanklich überzeugter und gefestigter sind. Aber anscheinend haben wir doch Probleme, mit dem Lob umzugehen. Das sollte uns eigentlich nicht passieren.

Frage: Was können Sie in dieser Situation als Kapitän tun?

Ballack: Ich denke, Positivität ist das Wichtigste. Wir dürfen jetzt nicht alles schlecht machen. Wir müssen wieder zu dem hin, was ich schon vor dem Turnier gesagt habe: Unsere Stärke ist die Disziplin. Die deutschen Tugenden sind das allererste, was wir zeigen müssen. Wir dürfen uns nicht blenden lassen von schönem Spiel, das ist nicht unser Spiel. Wir müssen über die Kraft und den Einsatz kommen.

Frage: Sind Sie als Kapitän sauer auf Bastian Schweinsteiger wegen seiner Roten Karte?

Ballack: Natürlich, und nicht nur ich als Kapitän. Es ist immer unnötig, wenn man sich provozieren lässt und Rote Karten kassiert, die vermeidbar sind. Er ist ein junger Spieler, aber er ist mit über 50 Länderspielen auch erfahren genug, dass ihm das nicht passieren sollte. Da haben wir jetzt eine Option weniger in den nächsten Spielen. Das trifft uns, weil er ein guter und wichtiger Spieler ist.

Frage: Glauben Sie, dass die Niederlage der Mannschaft einen Knacks versetzen könnte?

Ballack: Ich hoffe, dass es ein Warnschuss war und wir noch einmal zulegen.

Frage: Muss man die Mannschaft jetzt umbauen? Beginnen jetzt neue Grundsatzdebatten?

Ballack: Man muss schon sehen, wie die Mannschaft aktuell spielt. Man muss schauen, wer gut drauf ist, welche Spieler harmonieren, wie der Gegner eingestellt ist. Die Kroaten haben auch umgestellt, haben einen Stürmer herausgenommen und das Mittelfeld kompakter gemacht. Die werden sich auch etwas dabei gedacht haben. Wir müssen auch schauen, wie der Gegner eingestellt ist. Natürlich wollen wir unser Spiel durchsetzen, aber man muss schon auf die aktuelle Form von Spielern schauen. Darüber darf man nicht hinweggehen.

Frage: Auch Sie waren nicht so gut, wie man sie kennt. Sie wirkten unheimlich locker, begannen gleich mit einem Lupfer-Pass. Haben auch Sie nicht richtig in dieses Spiel gefunden?

Ballack: Weil ich mit einem Lupfer-Pass angefangen habe? Nein, okay, ich habe nicht mein bestes Spiel gemacht wie viele bei uns. Das ist wie eine Kettenreaktion.


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