DFB-Elf gegen Österreich

Zwei Neue fürs Endspiel

Von Für SPOX.com bei der EM: Stefan Rommel
Sonntag, 15.06.2008 | 11:13 Uhr
Löw, Hitzlsperger, Westermann, Training, DFB, Deutschland, Österreich, Europameisterschaft, EM, EURO
© Getty
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Ascona - "Viele Dinge entstehen erst unter Druck. Öl oder Diamanten zum Beispiel."

Oliver Bierhoffs Ausflug in die Welt der Naturwissenschaften war kurz, aber prägnant. Für die Beschreibung des Gemütszustands bei der deutschen Nationalmannschaft bemühte der Teammanager sein brauchbares Fachwissen aus Physik und Chemie.

"Die Mannschaft braucht den Druck. Was passiert, wenn kein Druck da ist, hat man gegen Kroatien gesehen. Ich mache mir keine Sorgen, dass wir dem Druck nicht standhalten können, weil ich weiß, dass Deutschland diesen Druck auch nötig hat."

Druck, überall Druck

Druck. Immer wieder Druck. Ein Wort, fünf Buchstaben. Vor dem Spiel gegen Österreich (Mo., 20.30 Uhr im SPOX-TICKER), dem bisher wichtigsten der Ära Joachim Löw, gerät das Wörtlein entweder zum Allheilmittel oder aber zur bösen Vorahnung.

Der Gegner sieht den Druck auf die Deutschen als Ballast, schließlich "haben die ja viel mehr zu verlieren als wir. Das kann einen schon sehr hemmen", kramt Andreas Herzog ganz tief in der psychologischen Mottenkiste.

Glaubt man den Beteiligten auf der anderen Seite, ist aber genau jener Druck der entscheidende Antrieb im Spiel um Sein oder Nichtsein am Montagabend in Wien.

"Was gibt es Schöneres?"

"Natürlich geht es um viel, aber was gibt es Schöneres, als vor 50.000 Fans in Wien gegen den Gastgeber aufzulaufen?", stellte Christoph Metzelder bei der Pressekonferenz am Samstag die Frage in den Raum - und beantwortete sie quasi selbst.

"Wir haben oft genug gezeigt, dass wir mit Druck umgehen können. In diesen Momenten muss man zeigen, dass man als Mannschaft funktioniert. Und das werden wir!"

Selbstsicherheit ist wieder da

Die Selbstsicherheit, die beim trostlosen Auftritt gegen die Kroaten einen Knacks abbekommen zu haben schien, ist wieder da. Vielleicht sogar noch stärker, als zuvor. Auf jeden Fall aber energischer zur Schau gestellt.

"Mir ist es dabei auch völlig wurscht, wer bei den Österreichern spielen wird. Wir schauen nur auf uns und wir werden eine Mannschaft auf dem Platz haben, die heiß ist", versprach Torsten Frings.

Jansen fällt wohl aus

Auch Marcell Jansen wird am Montag heiß sein, seine Energie aber wohl nur auf der Bank versprühen können. Der Linksverteidiger droht aller Voraussicht nach wegen einer Zerrung in der Schultermuskulatur auszufallen.

Bundestrainer Löw hatte ja bereits nach dem Kroatien-Spiel personelle Veränderungen angekündigt, Jansen zwingt ihn jetzt zumindest zu einer. Vieles spricht dafür, dass Philipp Lahm auf die linke Abwehrseite rücken wird.

Auf dessen angestammter Position winkt Arne Friedrich ein erster Einsatz bei dieser Endrunde.

Lahm gegen Harnik

Lahm könnte die gegen Kroatien schmerzlich vermisste Stabilität auf dem Flügel und demzufolge auch wieder im Mittelfeldzentrum herstellen, da weder Michael Ballack noch Torsten Frings ständig auf die Außen rücken müssten, um Unterzahlsituationen zu begradigen oder Löcher zu stopfen.

Außerdem erscheint Lahm für den quirligen und wendigen Martin Harnik als geeigneter Gegenspieler. Und dass Friedrich zumindest solide verteidigen kann, hat er bei der WM vor zwei Jahren gezeigt.

Ballsicherheit und Übersicht

Im Angriff kann die Devise nur Dauerdruck heißen. Die Österreicher haben nun schon zweimal bewiesen, dass sie mithalten können. Dies aber immer nur phasenweise. Mindestens 30 Minuten pro Spiel durchlaufen die Gastgeber ein Tal. Dies gilt es konsequent auszunutzen.

Allerdings müssen dazu Laufbereitschaft und vor allen Dingen auch Passgenauigkeit wieder stimmen. Gegen die Kroaten konnte sich die deutsche Elf zu keinem Zeitpunkt in der gegnerischen Hälfte festbeißen und so zermürbenden Druck erzeugen.

Am Montag wird deshalb aller Voraussicht nach wieder der bewährte WM-Sturm auflaufen. Lukas Podolski soll neben Miroslav Klose in der Spitze spielen, Mario Gomez, der nach zwei durchwachsenen Auftritten und dem Wirbel um einen möglichen Wechsel zu den Bayern in der Kritik steht, muss auf die Bank.

Damit wird der Platz im linken Mittelfeld frei. Nach Lage der Dinge wird der Stuttgarter Thomas Hitzlsperger in die Startformation rücken. Der 26-Jährige soll die zuletzt anfällige linke Seite stabilisieren und mit Ruhe und Übersicht im Aufbau für Impulse sorgen.

Auf rechts wird zunächst wohl wieder Clemens Fritz im Mittelfeld beginnen. Die erste Option für einen Wechsel wäre dort Tim Borowski. Der Bremer verpasste weite Teile Vorbereitung aufgrund eines grippalen Infekts, ist laut Aussage von Co-Trainer Hansi Flick aber wieder voll belastbar.

Ösi-Probleme bei Gegenstößen

Durch die Mitte erwartet Deutschland in Andreas Ivanschitz und Rene Aufhauser weniger Gefahr, also werden Frings und Ballack deutlich mehr für die Offensive tun können als zuletzt.

Besonders nach Ballgewinnen muss die DFB-Elf wieder zu ihrem schnellen Konterspiel finden. Die Österreicher offenbarten da in beiden Partien bisher eklatante Mängel und liefen gegen Polen und Kroaten schon in gefährliche Gegenstöße.

Krankl flunkert

Die Sache mit dem positiven Druck haben mittlerweile übrigens auch die Österreicher für sich entdeckt. "Es gibt nichts Schöneres, als am Montag zu spielen. Diese 15, 16 Spieler können Geschichte schreiben. Sie sollen Cordoba auslöschen", sagt Hans Krankl.

Allein, so ganz abnehmen will man es dem Schützen des entscheidenden Treffers zum 3:2 der Österreicher in Cordoba nicht. Sein Heldenstatus wäre nach 30 Jahren von einem Tag auf den anderen dahin.

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