Freitag, 30.05.2008

Italien

Baden freut sich auf "Azzurri"

Baden - Eigentlich bestellen Besucher des Kurortes Baden lieber Gutbürgerliches als Pasta und ziehen die Ruhe im Rosengarten großem Rummel vor. Doch mit dem Einzug der italienischen Fußballer und ihrem Tross soll alles anders werden.

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© Getty

"Wir werden die Erwartungen übertreffen, das ist das wichtigste für uns", sagt der Direktor des Schlosshotels Weikersdorf, Michael Pohn. In dem Vier-Sterne-Haus wird die italienische Nationalmannschaft während der Europameisterschaft in Österreich wohnen.

Bürgermeisterin Erika Adensauer sieht darin eine "Jahrhundertchance" für ihr 25.000- Einwohner-Städtchen im Wienerwald, das plötzlich im Mittelpunkt des internationalen Interesses steht.

Fanmeile und Italien-Länderwochen

Eine Fanmeile, Italien-Länderwochen im Kasino und die kurzfristige Umbenennung des Hauptplatzes in "Platz der Europameisterschaft" haben sich die Badener für ihre Gäste aus dem Süden unter anderem einfallen lassen.

"Ich glaube schon, dass die Spieler mal bei mir vorbeischauen", hofft Hanin Mahsen, Besitzer von "Pizza Baden". Er habe für die EM Extra-Angebote erstellt und sich einen neuen Flachbild-Fernseher für die Spiele zugelegt.

Auch die junge Verkäuferin in der Eisdiele in der Fußgängerzone hofft sehr, einem Italien-Spieler ein "Gelato" in die Hand drücken zu können.

Azzurri im Haupthaus

Doch der Hoteldirektor zerstört solche Hoffnungen: "Die Italiener bringen ihre eigenen Köche mit." Selbst die Mitarbeiter seiner Gourmetküche dürften da nur helfen.

Für die "Azzurri" habe er die Zimmer im Haupthaus reserviert. "Normale" Gäste könnten aber auch im Hotel wohnen, das ein wenig an den Charme der Schwarzwaldklinik erinnert.

Ein Renaissance-Schloss wurde durch einen Siebziger-Jahre-Bau erweitert. Die Gänge schmücken Plastik-Hirschgeweihe im Wechsel mit abstrakten Ölbildern. Rund um das Haus zieht sich ein weitläufiger Park mit weißen Bänken und Rosenbeeten.

Kaum Extrawürste für die Spieler

"Das wichtigste für uns ist, dass sie sich wie zu Hause fühlen", sagt Pohn. Außer einem Moskitonetz über dem Bett jedes Spielers hätten die Italiener kaum Sonderwünsche geäußert.

"Bei uns bekommen die Spieler ein extrakleines Handtuch", scherzt eine Mitarbeiterin im Sauna- und Spa-Bereich. Sie habe sich sehr über die Nachricht gefreut, da sie seit langem Italien-Fan sei und öfter zu Spielen dorthin fahre.

Torwart Gianluigi Buffon sei ihr Favorit - doch selbst wenn er ihr live gegenüber steht, will sie professionell bleiben: "Die sind ja froh, wenn sie mal ihre Ruhe haben."

Einfachen Small-Talk könne sie auf Italienisch führen, das Hotel hat seine Mitarbeiter mit Sprachkursen auf den Besuch vorbereitet.

Trikots bereits ausverkauft 

Im ortsansässigen Sportartikelladen ist die erste Lieferung an Italien-Trikots bereits ausverkauft. "Italien geht mit Österreich und Deutschland mit Abstand am besten", sagt der 22-jährige Verkäufer Manuel Gogl.

Von Kindern bis zu 60-jährigen russischen Touristen hätten bisher alle Altersstufen zu dem blauen Shirt gegriffen. "Das wird noch mehr werden", prognostiziert er.

Über das ungewohnte Treiben in der Stadt freut sich der junge Mann: "Für eine Kurstadt machen die eh viel." Was jedoch die Ruhe suchenden Kurgäste zu der Fußball-Party sagen werden, will er sich lieber nicht vorstellen.


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