Mittwoch, 02.07.2008

Perspektive für 2010

Kronprinz des deutschen Fußballs

München - Wer sind potentielle Kandidaten, wer sind die Hoffnungsträger für die Zukunft? SPOX.com sichtet deutsche Talente und stellt einen 23-köpfigen Kader vor, aus dem einige Spieler den Sprung zur WM 2010 schaffen könnten.

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Im zweiten Teil stehen die Mittelfeldspieler und die Angreifer im Fokus.

Mittelfeld

Toni Kroos, 18 Jahre, Bayern München (Steckbrief): Zweifellos der Kronprinz des deutschen Fußballs. Durchlief alle DFB-Jugendnationalmannschaften, wurde 2007 zum besten Spieler der U-17-WM gewählt. Mit 17 Jahren und 265 Tagen jüngster Bundesliga-Spieler aller Zeiten bei den Bayern. Durfte sein Talent unter Hitzfeld bislang aber nur in 353 Bundesligaminuten unter Beweis stellen. Sollte Klinsmann sein überragendes Talent mehr fördern, ist Kroos sicher einer der Hoffnungsträger für die Zukunft.

Marko Marin, 19, Mönchengladbach (Steckbrief): Gab in der EM-Vorbereitung überraschend sein A-Länderspiel-Debüt und wurde anschließend ebenso überraschend wieder aus dem Kader gestrichen. Muss sich vor allem körperlich weiterentwickeln. Dass der wuselige Dribbelkünstler mit Mönchengladbach ab dieser Saison Bundesliga spielt, kann dabei nur dienlich sein. Mit seiner Technik und seiner Risikobereitschaft weiter ein gefragter Spielertyp.

Jermaine Jones, 26, Schalke (Steckbrief): Machte seit dem Wechsel zu Schalke einen deutlichen Sprung in seiner Entwicklung. Sein Plus: Dynamik, Aggressivität, Leidenschaft. Sein Manko: Macht das Spiel häufig langsam, läuft zu lange mit dem Ball. Nicht zuletzt deshalb gab Löw kurz vor dem Turnier Simon Rolfes den Vorzug.

Aaron Hunt
Aaron Hunt
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Weil der Bundestrainer seine Philosophie vom schnellen vertikalen Spiel kaum ändern wird, muss Jones genau daran arbeiten.

Mesut Özil, 19, Bremen (Steckbrief): Wechselte im Winter an die Weser, wartet aber auf den Durchbruch. Aber: Gute Technik, gutes Auge, hohes Tempo, präzises Passspiel, Torgefahr - damit überzeugte er bereits U-21-Trainer Dieter Eilts. Özil bringt alles mit, um sich im offensiven Bremer System zu etablieren. Damit auch ein Typ für Jogi Löw.

Martin Lanig, 23, Stuttgart (Steckbrief): Sein Vorbild heißt Michael Ballack. Tatsächlich spielte Lanig in Fürth eine vergleichbare Rolle und war damit einer der besten Zweitliga-Spieler der abgelaufenen Saison: kopfballstark, beidfüßig, torgefährlich. Sein Wechsel in die Bundesliga war der konsequente Schritt in seiner Entwicklung, muss sich in Stuttgart aber zunächst gegen starke Konkurrenz im zentralen Mittelfeld behaupten.

Christian Gentner, 22, Wolfsburg (Steckbrief): Das Leihgeschäft von Stuttgart nach Wolfsburg entpuppte sich für Gentner als Glücksfall. Wurde unter Felix Magath zur Stammkraft im zentralen Mittelfeld (3 Tore, 7 Vorlagen). Intelligenter und körperlich robuster Spieler. Für Löw möglicherweise noch etwas zu behäbig. Aber wenn ihm einer Beine machen kann, dann bestimmt Magath.

Lars Bender, 19, 1860 München (Steckbrief): 2006 vom DFB zum besten U-17-Spieler des Jahres gewählt - noch vor Marko Marin. Gutes Passspiel, spielintelligent, schnell, risikobereit und mannschaftsdienlich. Auch ein Typ, der gut in Löws Anforderungsprofil passt. Sein Nachteil: Kann sich in der Zweiten Liga bei den Löwen nicht auf allerhöchstem Niveau messen.

Roberto Hilbert, 23, Stuttgart (Steckbrief): Nach seinem überragenden Jahr 2007 (Bester Spieler "Außenbahn offensiv" in der "Kicker"-Rangliste, Länderspiel-Debüt) folgte ein Durchhänger in der abgelaufenen Saison. Ähnlicher Typ wie Clemens Fritz, in Topform aber noch dynamischer und torgefährlicher. Findet er zur alten Form zurück, bleibt er ein Kandidat für Löw.

Albert Streit, 28, Schalke (Steckbrief): Passt als Spielmacher-Typ über die Außen eigentlich gut in Löws System. Mit 28 aber droht er mittlerweile zum ewigen Talent zu verkommen. Der Knoten muss bald platzen, sonst beendet er seine Karriere ohne A-Länderspiel. Zumal er mit der öffentlichen Kritik wegen seiner Nicht-Nominierung gegen England kaum Pluspunkte bei Löw gesammelt haben dürfte.

Sami Khedira, 21, Stuttgart (Steckbrief): War im August 2007 bereits einmal im Aufgebot für das Länderspiel gegen England. Riss sich aber wenige Tage zuvor gegen Berlin das Außenband und musste todunglücklich passen. Physisch schon sehr weit, spielerisch noch zu unkonstant. Muss sich in der kommenden Saison erstmal in Stuttgart durchsetzen, ehe er von der WM 2010 träumen darf.

Angriff

Patrick Helmes, 24, Leverkusen (Steckbrief): Zog kurz vor der EM noch den Kürzeren gegen Odonkor und Neuville. Diese beiden jedenfalls werden ihm vor der WM 2010 wohl nicht mehr im Weg stehen.

Marko Marin (l.) und Jermaine Jones
Marko Marin (l.) und Jermaine Jones
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Löw mag seine schnörkellose Art, allerdings muss Helmes als Persönlichkeit noch reifen. Leverkusen könnte wenigstens mittelfristig das richtige Pflaster für ihn sein: Viele gute Fußballer um ihn herum, wenig Druck von Außen.

Jan Schlaudraff, 24, Hannover (Steckbrief): Sportlich war das Intermezzo in München ein verlorenes Jahr, charakterlich aber womöglich ein wichtiger Mosaik-Stein im Reifeprozess von Jan Schlaudraff. Mit seiner Schnelligkeit und Ballsicherheit passt er sowohl ins System von Dieter Hecking in Hannover als auch in das der DFB-Elf. Muss allerdings robuster und konstanter werden. Abwarten, wie er das Jahr bei den Bayern verkraftet hat.

Stefan Kießling, 24, Leverkusen (Steckbrief): Trat zuletzt in seiner Entwicklung etwas auf der Stelle. Wirkt manchmal zu unentschlossen, bisweilen sogar etwas schlampig. Ist schnell und lauffreudig, es fehlt ihm aber das gewisse Etwas, ein Markenzeichen oder eine Schlüsselqualifikation. Kießling ist weder eiskalter Vollstrecker noch gewiefter Vorbereiter, er ist kein Kopfballungeheuer, aber auch kein Edeltechniker. Kann irgendwie alles, aber nichts so richtig. Mindestens eine seiner Anlagen jedoch muss er kultivieren, um zu den besten deutschen Stürmern zu zählen.  

Aaron Hunt, 21, Bremen (Steckbrief): War mit 18 Jahren und 161 Tagen jüngster Werder-Torschütze aller Zeiten und hat mit 59 Bundesliga-Spielen schon einige Erfahrung. Wurde in den letzten zwei Jahren aber immer wieder durch langwierige und teils rätselhafte Verletzungen zurückgeworfen. War ab der U16 regelmäßig Gast in den Jugendnationalmannschaften und könnte mit seiner Flexibilität und seinem Spielwitz noch ein Kandidat für Löw werden. Wenn er gesund bleibt.

Hier geht's zurück zum ersten Teil: Torhüter und Angriff!

Stefan Moser

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