UEFA entschuldigt sich für Bildausfall

SID
Donnerstag, 26.06.2008 | 17:45 Uhr
Bela Rethy, ZDF, Bildausfall, Störung, EM, Euro 2008
© Getty
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Wien - Die Europäische Fußball-Union UEFA hat sich für die Bildausfälle beim EM-Halbfinale zwischen Deutschland und der Türkei öffentlich entschuldigt und erneute TV-Störungen beim Endspiel am Sonntag ausgeschlossen.

"Wir bedauern dies zutiefst. Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände. Es tut uns leid für alle, die einige Minuten des Spiels verpasst haben", sagte der UEFA-Geschäftsführer für Medientechnologie, Alexandre Fourtoy, am Donnerstag in Wien.

Verantwortlich für die Panne seien drei durch ein heftiges Gewitter über Wien ausgelöste Mikroausfälle von weniger als einer Millisekunde im Stromversorgungssystem gewesen. "Diese reichten aus, um das System neu starten zu müssen", sagte Fourtoy.

Neue Sicherheitsmaßnahmen

In vielen Ländern - darunter auch in Deutschland - waren während der zweiten Halbzeit phasenweise keine Fernsehbilder der Partie in Basel zu sehen gewesen. Fourtoy sprach von Ausfällen von "dreimal sechs Minuten".

Für die verbliebenen zwei Spiele - inklusive des Finales am Sonntag - kündigte Fourtoy neue, besondere Sicherheitsmaßnahmen an.

Im International Broadcasting Center (IBC) in Wien, wo das weltweite Fernsehsignal durch die UEFA und ihre Partner produziert wird, soll ein nun parallel laufender Dieselgenerator verhindern, dass bei Stromausfällen das gesamte System neu gestartet werden muss.

"Wir haben den bestmöglichen Stromversorger gewählt, der auch bei der WM 2006 verantwortlich gewesen ist", wies Fourtoy Vorwürfe einer schlechten Planung für das Milliarden-Event zurück.

Die UEFA setzt in den TV-Angelegenheiten auf die Firma Host Broadcast Services (HBS), die auch mit dem Weltverband FIFA zusammenarbeitet.

Ersatzregie fürs Finale

Zu möglichen Regressansprüchen durch die internationalen TV-Sender wollte der UEFA-Mann keine Stellungnahme abgeben. 800 Millionen Euro des EM-Etats von insgesamt 1,3 Milliarden Euro generiert die UEFA durch TV-Gelder.

"Unsere Hauptaufgabe ist es nun, die Sicherheit für die noch kommenden Spiele zu gewährleisten", sagte er. Wie viele Länder von dem Ausfall betroffen waren, konnte Fourtoy nicht sagen.

Viele Fernsehzuschauer schalteten beim Bildausfall ihre Radios ein. Doch auch die ARD-Hörfunk-Übertragungen waren vom Stromausfall betroffen. Statt Fußball gab es für einige Minuten Verkehrsnachrichten und Musik.

ARD-Teamchef Werner Rabe kündigte für das Finale eine Ersatzregie in München an. Sie soll im Notfall mit den Kollegen in den Stadien telefonisch in Verbindung treten.

"In unserer jahrzehntelangen Erfahrung mit Großveranstaltungen aller Art hat es einen Ausfall des unterbrechungsfreien Stromnetzes noch nicht gegeben", erklärte der Technische Leiter Helmut Kormann vom Bayerischen Rundfunk.

Schweizer Fernsehen springt ein

Auch in Deutschland war durch die UEFA-Panne über mehrere Minuten das ZDF-Bild ausgefallen. Der deutsche Sender behalf sich mit dem Signal des Schweizer Fernsehens. Die Eidgenossen konnten auf eine Glasfieberkabel im vom Gewitter verschonten Basel zurückgreifen.

Ein eigenes Back-up-System stand anderen Sendern nicht zur Verfügung, da die UEFA die TV-Bilder erstmals in Eigenregie produzieren lässt. Streng genommen beging das ZDF einen Vertragsbruch, da sich der Sender verpflichten musste, das UEFA-Signal zu übernehmen.

"Das war ein guter Akt der Solidarität", sagte Fourtoy allerdings zur spontanen TV-Koalition.

Rekord-Quote knapp verpasst

Das ZDF überprüft derzeit, ob Ansprüche gegen die Europäische Fußball Union (UEFA) geltend gemacht werden können. Die Panne könnte laut ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz einen deutschen TV-Rekord verhindert haben. Im Schnitt sahen 29,43 Millionen (81,5 Prozent Marktanteil) die dramatische Partie.

Das bedeutet EM-Rekord und Platz zwei in der ewigen TV-Hitliste hinter dem Halbfinale Deutschland - Italien (29,66 Millionen) bei der Heim- Weltmeisterschaft 2006.

Insgesamt dürften nach Schätzungen mindestens 40 Millionen Zuschauer die Fußball-Partie verfolgt haben, da bei der Quotenmessung keine Public Viewings, Kneipenbesucher oder türkische Haushalte erfasst werden.

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