Freitag, 06.06.2008

EM 2008

Schiedsrichter Fandel: "Packe es an wie immer"

Regensdorf - Bei der Aufstellung zum offiziellen Gruppenfoto der zwölf EM-Schiedsrichter saß Herbert Fandel endlich in der ersten Reihe.

"Ich war lange die Nummer zwei in Deutschland. Das ist ein Markenzeichen meiner Karriere", meinte der 44 Jahre alte Kyllburger vor seiner EM-Premiere in der Vorrunden-Partie Portugal gegen die Türkei in Genf.

Obwohl er lange im Schatten des einstigen Primus Markus Merk stand, geht er selbstbewusst in sein erstes großen Turnier. "Es gibt keinen Grund etwas zu ändern. Ich packe es an wie in den vergangenen Jahren", sagte er nach dem letzten Training in Zürich-Regensdorf.

"Ich kenne alle Spieler"

Obwohl es Fandels EM-Debüt ist, hat es keinen besonderen Stellenwert für ihn: "Für mich ist die EM auf Augenhöhe mit den Finals im UEFA-Cup 2006 und der Champions League 2007 sowie den beiden DFB-Pokal-Endspielen."

Die erste von mindestens zwei Vorrunden-Spielen, die jeder der zwölf Unparteiischen leitet, ist für Fandel eine reizvolle Aufgabe. "Das ist nicht ein Spiel wie jedes andere, es ist eines im Mittelpunkt der Gruppe A", so der Direktor einer Musikschule. Auf TV-Aufzeichnung von den beiden Teams zur Vorbereitung hat er verzichtet. "Ich brauche keine Videos, ich kenne alle Spieler", sagte Fandel.

"Im Mittelpunkt steht der Fußball"

Auch mit seinen beiden Assistenten an den Außenlinien, Carsten Kadach und Volker Wezel, musste er vorher nicht speziell trainieren. "Wir sind seit ewigen Zeiten zusammen, da entwickelt man ein blindes Verständnis", meinte Fandel, der von der Kommunikation auf dem Platz per Funk und Headset nichts wissen will: "Ich suche lieber den Sichtkontakt mit meinen Assistenten und habe so etwas mehr Zeit, um mit Gelassenheit über eine Entscheidung nachzudenken."

Zusammen mit seinem italienischen Kollegen Roberto Rosetti, der das Eröffnungsspiel Schweiz gegen Tschechien in Basel (18 Uhr) pfeift, kann Fandel am ersten EM-Spieltag den Standard für das Turnier setzen. "Wir müssen auf einiges achten, aber wir müssen es moderat und mit Ruhe tun", sagte er. "Im Mittelpunkt des Turniers steht der Fußball, nicht die Schiedsrichter."

Fandel fiebert mit deutschem Team

Dennoch wird er besonders auf "Schauspielerei" oder gefährlichen Ellenbogen-Einsatz ein Auge haben und protestierende Spieler "ein Stoppschild" zeigen. "Er ist eine Persönlichkeit, genießt Akzeptanz und hat tolle Spiele gepfiffen. Sicher wird er es gut meistern", erwartet Volker Roth, Mitglied der Schiedsrichterkommission der Europäischen Fußball-Union (UEFA).

Gezeigt hat Fandel seine Stärken in der WM-Qualifikation zwischen Dänemark und Schweden im Juni 2007. Nach einem Elfmeter-Pfiff für die Gäste stürmte ein Mann aufs Spielfeld und attackierte ihn. "Ich hatte keine Zeit geschockt zu sein", erinnerte sich Fandel. "Besser einem alten Pferd passiert so etwas als einem jungen Kollegen."

Die Vorrunde könnte für Fandel schon die EM-Endstation sein, wenn die deutsche Mannschaft erfolgreich diese Hürde nimmt. "Ich bin Fußball-Fan. Und wenn das deutsche Team durchmarschiert, werde ich auch jubeln", sagte er. Ohnehin hätte er kaum eine Chance, das Finale am 29. Juni zu pfeifen, da 2004 in Portugal Markus Merk das Endspiel leitete. "Dass erneut ein deutscher Schiedsrichter dafür nominiert würde, ist eher unwahrscheinlich", bestätigte Roth.


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