Rumänien mehr als nur Kanonenfutter

SID
Sonntag, 15.06.2008 | 11:38 Uhr
EM 2008, Rumänien, Cristian Chivu
© DPA
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Zürich - Favoritenschreck statt Kanonenfutter: EM-Außenseiter Rumänien könnte mit einem Sieg gegen die Niederlande am Dienstag (20.30 Uhr im SPOX-Ticker) in Bern die WM-Finalisten Italien und Frankreich im Doppelpack aus dem Turnier werfen.

"Wir werden von Spiel zu Spiel besser", meinte Kapitän Cristian Chivu nach dem 1:1 gegen Italien. "Vielleicht wird man gegen die Niederlande ein noch besseres Rumänien sehen. Bei uns gibt es nur ein Wort: Sieg!"

Ähnlich wie der Profi von Inter Mailand sieht es sein Mitspieler Razvan Cocis: "Das wäre ja ein Ding, wenn wir ungeschlagen bleiben, aber nach der Gruppenphase nach Hause müssten." Im ersten Spiel gab es gegen Frankreich ein 0:0.

Hagi lobt Team

Erstmals seit die "Goldene Generation" um Georghe Hagi nach der EM 2000 abgetreten ist, gibt es nach achtjähriger EURO-Abstinenz wieder einen Silberstreif für den rumänischen Fußball.

"Wir haben ein starkes Team, das bei dieser EM seinen Wert zeigt", lobte der einstige "Karpaten-Maradona" Hagi seine Nachfolger.

Chefcoach Victor Piturca, kein Mann der großen Worte, stellte nüchtern fest: "Wenn man gegen den Weltmeister und den Vize-Weltmeister spielt und noch Chancen aufs Weiterkommen hat, ist das eine sehr gute Sache."

"Wir haben überrascht" 

Sein Ausnahmestürmer Adrian Mutu sprach aus, was viele dachten: "Ich glaube, wir haben viele Leute mit unseren Ergebnissen überrascht. Jetzt müssen wir weiter an uns glauben."

Der exzentrische Star vom AC Florenz hatte der 22-Millionen-Einwohner-Nation gegen Italien eine Achterbahnfahrt der Gefühle beschert. Erst nutzte der 29-Jährige eine missratene Kopfball-Rückgabe von Gianluca Zambrotta eiskalt zum 1:0, dann scheiterte er per Strafstoß an Italiens Torwart Gianluigi Buffon.

"Kompliment an Buffon, das war kein Glück, es war Können", meinte Mutu. "Schade, mein Elfmeter hätte das Viertelfinale bedeuten können."

Tiefpunkt bei Chelsea

Beide kennen sich gut aus der italienischen Serie A, in der Mutu in der letzten Spielzeit 17 Treffer erzielte. "Ich wusste, dass Buffon eine Ecke auswählt und sich hineinwirft. Dies war diesmal nicht der Fall", ärgerte er sich.

Verschätzt hat sich der in der Heimat "Briliantul" (Diamant) genannte Torjäger und Liebling des rumänischen Boulevards häufig. Seine erste Hochzeit mit der TV- Moderatorin Alexandra Dinu wurde live im Staatsfernsehen übertragen, der hässliche Scheidungskrieg war nicht weniger spektakulär.

Tiefpunkt seiner sportlichen Karriere war aber der Rauswurf beim FC Chelsea, der ihn für 22,4 Millionen Euro vom AC Parma kaufte und nach nachgewiesenem Kokain-Konsum vor die Tür setzte.

Die Nachricht, dass der Weltverband FIFA eine Entschädigungsforderung des Ballack-Klubs an Mutu von zwölf Millionen Euro wohl für rechtens erachtet, erreichte den Rumänen im EM-Quartier. Mit dem Weiterkommen will Mutu sein seelisches Gleichgewicht wiederherstellen.

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