Montag, 23.06.2008

EM 2008

Frei fürs Halbfinale? - Unternehmen flexibel

Hamburg - Viele Unternehmen in Deutschland haben ein Herz für Fußball. Zum Halbfinale Deutschland - Türkei am Mittwoch (20.45 Uhr) reagieren die Arbeitgeber - so weit es geht - flexibel.

Entweder wird die Spätschicht verkürzt oder es wird Arbeitnehmern ermöglicht, sich in Aufenthaltsräumen vor dem Fernseher zu versammeln. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Bei ThyssenKrupp Steel in Duisburg oder ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt (Brandenburg) gibt es allerdings keine Pause in der Stahlproduktion. "Man kann ja nicht einfach einen Hochofen abstellen", sagte ein Mittal-Sprecher.

Beim Autobauer BMW endet die Spätschicht am Mittwoch in den deutschen Werken schon um 19.00 statt um 24.00 Uhr. Hier wie bei allen anderen Unternehmen muss die Fehlzeit vor- oder nachgearbeitet werden. Am Band im Münchner Stammwerk haben rund 1700 der insgesamt 9000 Mitarbeiter einen türkischen Pass.

Auch Porsche verkürzt Spätschicht

Für die Opelaner im Werk Bochum heißt es: "Die Spätschicht hört früher auf, die Nachschicht fängt später an." Und in Rüsselsheim stehen wegen der Werksferien die Bänder bei Opel ohnehin still.

Bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen wird die Spätschicht ebenfalls auf 20.15 Uhr verkürzt. Die betreffenden rund 1300 Beschäftigten müssen die ausgefallene Zeit in der nächsten Woche nacharbeiten.

Wo welche Schichten bei Daimler verkürzt werden, werde von Standort zu Standort geregelt, sagte eine Sprecherin. Im Werk in Sindelfingen (Kreis Böblingen) werde die Spätschicht um 19.30 Uhr statt normalerweise um 22.30 Uhr enden. Die Nachschicht soll erst um 1.00 Uhr beginnen.

"Da hat die Arbeit Priorität"

Der Vorsitzende der IG Metall in Bayern, Werner Neugebauer, forderte in der "Bild"-Zeitung alle Unternehmen mit Spätschichten auf, den Mitarbeitern vor dem Halbfinalspiel rechtzeitig frei zu geben.

"Ich empfehle jedem Arbeitgeber dringend, den Mitarbeitern zu erlauben, während des Spiels die Arbeit ruhen zu lassen. Daran geht Deutschland ökonomisch nicht kaputt. Es gibt genügend Wege, die Stunden nachzuholen."

Am größten deutschen Flughafen Frankfurt hängt es von der Art des Jobs ab, wer das Spiel sehen kann und wer nicht. Für unverzichtbare Tätigkeiten wie Gepäckabfertigung oder Sicherheitskontrollen gilt: "Wer im Schichtdienst ist, ist im Schichtdienst, da hat die Arbeit Priorität", sagte ein Sprecher.

Ergebnisse als Durchsage

Wer seine Arbeitszeiten individuell planen könne, kann sich das Spiel mit den Passagieren auf einer Großbildleinwand zwischen den Terminals ansehen.

Bei der Deutschen Bahn mit ihren täglich 27.000 Zügen und S-Bahnen gibt es keine Sonderfreizeit zum Fußballgucken für die Beschäftigten.

"Wir können leider nicht freigeben", sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn in Berlin. In Zügen des Fern- und Regionalverkehrs würden aber die Ergebnisse durchgesagt.

Wenig Spielraum bei chemischer Industrie

Die Siemens-Beschäftigten können dank flexibler Arbeitszeiten beim Halbfinale mitfiebern. Dort, wo im Schichtsystem in der Fertigung gearbeitet werde, gebe es meist Aufenthaltsräume mit Fernsehern.

Nur müssten sich die Beschäftigten absprechen, wer zwischendurch vor den Fernseher gehe. Etwaige Fehlzeiten könnten anschließend nachgearbeitet werden.

Die chemische Industrie sieht da weniger Spielraum. "Wir sind nicht mit der Automobilindustrie vergleichbar", sagte eine Sprecherin des Chemiekonzerns Bayer.

Tausch von Schichten möglich

 "Das muss kontinuierlich laufen", fügte sie hinzu. Anlagen des Leverkusener Konzerns seien auch Weihnachten durchgehend in Betrieb.

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Düsseldorfer Waschmittel- und Klebstoffhersteller Henkel, bei dem Chemikalien ebenfalls eine große Rolle spielen.

"Es gibt Anlagen, die 24 Stunden am Tag gefahren oder überwacht werden", sagte ein Henkel-Sprecher. Auch er verwies auf die grundsätzliche Möglichkeit für Mitarbeiter, Schichten zu tauschen.

Urlaub oder Gleitzeit

Beim weltweit drittgrößten Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer in Würzburg muss die Spätschicht während der Halbfinalpartie nicht arbeiten.

"Die Mitarbeiter haben die Möglichkeit, in der Kantine auf einer Leinwand das Spiel zu verfolgen", sagte ein Sprecher. Allerdings müsse diese Zeit vor- oder nachgearbeitet werden.

Beim Konkurrenten manroland, der Nummer zwei in der Welt, am Standort Offenbach haben fußballbegeisterte Mitarbeiter die Möglichkeit, Urlaub oder Gleitzeit zu nehmen. "Die Schicht fällt aber nicht aus", sagte ein Sprecher, es gebe ja auch den einen oder anderen, der sich nicht für Fußball interessiere.


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