Mittwoch, 25.06.2008

Entlassungswelle bei der EM

Die Hälfte der Trainer geht

Wien - Raymond Domenech ist angezählt, Roberto Donadoni so gut wie k.o., Luis Aragones will mit dem Titel aus dem Ring steigen, fünf andere EM-Trainer haben bereits das Handtuch geworfen.

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© DPA

Die Hälfte der 16 EM-Teilnehmer werden mit neuen Trainern ihr Glück in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika versuchen. Deutschland zählt nicht dazu: Bundestrainer Joachim Löw steht nach dem vermiedenen Vorrunden-Aus und dem Halbfinal-Einzug nicht zur Diskussion.

Für Gesprächsstoff sorgen andere Kollegen. Allen voran die Trainer von Weltmeister Italien und Vizeweltmeister Frankreich. Durch eine Klausel im Vertrag soll es dem italienischen Verband ein Leichtes sein, Donadoni loszuwerden.

Donadoni so gut wie weg 

Das Flehen der Tifosi wurde laut italienischen Zeitungen bereits erhört: Schon am 30. Juni soll Weltmeister-Coach Marcello Lippi als Nachfolger seines Nachfolgers vorgestellt werden.

Dabei hatte Donadoni sich nach dem Viertelfinal-Aus gegen Spanien dickköpfig gezeigt: "Ich habe nie an Rücktritt gedacht und habe mir nichts vorzuwerfen."

Ribery stärkt Domenech den Rücken

So denkt offenbar auch Kollege Domenech, dem der aktuelle Bayern-Profi Franck Ribery den Rücken stärkte. Der ehemalige Münchner und einstige Nationalspieler Bixente Lizarazu schlug sich indes auf die Seite der zahlreichen Domenech-Kritiker.

"Das Team hat die Erwartungen nicht erfüllt, also sollte der Trainer zurücktreten", sagte Lizarazu und sprach sich wie einige andere für seinen ehemaligen Auswahlkollegen Didier Deschamps als Nachfolger aus.

Österreich, Tschechien und Portugal auf der Suche

Andere Trainer hatten bereits vor dem EM-Turnier ihren Rückzug angekündigt. Während bei den Niederlanden nach dem überraschenden Viertelfinal-Aus gegen Russland Ex-Dortmund-Coach Bert van Marwijk den zu Ajax Amsterdam wechselnden Marco van Basten ersetzt und Bayern Münchens ehemaliger Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld das Zepter von Jakob "Köbi" Kuhn beim Co-Gastgeber Schweiz übernimmt, befinden sich Österreich, Tschechien und Portugal in der Trainerfindungs-Phase.

Aragones Abgang steht fest

Auf Spanien kommt dies noch zu: Aragones, mit 69 Jahren der älteste Trainer der EM, nimmt seinen Hut nach den Titelkämpfen. Selbst im Falle des ersten EM-Gewinns der Iberer nach 44 Jahren: "Wie immer die EM ausgehen wird, für mich läuft die Zeit als Nationaltrainer ab. Es ist aus und vorbei. Punktum."

In den Ruhestand will sich Aragones aber noch nicht verabschieden: Er wird Trainer bei Fenerbahce Istanbul. Vorvertrag für zwei Jahre sei bereits unterschrieben, gab der türkische Klub auf seiner Internetseite bekannt.

Rehhagel weiter fest im Sattel

Bereits geregelt ist dagegen die sportliche Zukunft von Felipe Scolari. Der 59-jährige Brasilianer, im Viertelfinale mit Portugal an Deutschland gescheitert, coacht in der neuen Saison den FC Chelsea mit dem deutschen Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack.

Offen ist indes, wer dem 68-jährigen Karel Brückner bei Tschechien nachfolgt. DFB-Sportdirektor Matthias Sammer sagte bereits ab, nun wird in Klaus Toppmöller der nächste Deutsche gehandelt.

Trotz des schwachen Abschneidens ihrer Mannschaften stehen Otto Rehhagel und Leo Beenhakker nicht zur Disposition. Rehhagel soll den sang- und klanglos gescheiterten EM-Titelverteidiger Griechenland ebenso zur WM 2010 führen wie der Niederländer Beenhakker den deutschen Vorrunden-Gegner Polen.


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