EM-Test gegen Serbien

Deutsche EM-Elf steht noch nicht - Ballack stark

SID
Sonntag, 01.06.2008 | 16:23 Uhr
EM 2008, Ballack, Deutschland, Serbien, Rolfes
© DPA
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Gelsenkirchen - Die beschwingte Kanzlerin entsandte die Nationalspieler bei ihrem Kabinenbesuch mit einem beherzten "Good luck" ins EM-Unternehmen - Joachim Löw muss daheim im Schwarzwald nun aber noch heftig über einige Großbaustellen und seine Wunschelf grübeln.

Der energische und erfolgreiche Endspurt der vom überragenden Michael Ballack angetriebenen deutschen Mannschaft bei der 2:1 (0:1)-Generalprobe gegen Serbien machte den Fans zwar Mut für den erhofften Gipfelsturm bei der Europameisterschaft, aber bis zum Ernstfall gegen Polen am kommenden Sonntag bleiben Zweifel ein ständiger Begleiter.

Die Abwehr wackelt, die Flügel schwächeln und die EM-Elf steht noch nicht, wie der Bundestrainer bestätigte: "Es gibt schon noch das eine oder andere Fragezeichen."

Voll im Soll

Im Kurzurlaub bis zur Abreise ins noble DFB-Quartier am Lago Maggiore am 3. Juni kann Löw nicht nur die Beine hochlegen, auch wenn er Gelassenheit ausstrahlte, sein Team "im Plan" sieht und einen weiteren "Schub" bis zum Turnierstart versprach.

"Ich werde die beiden Spiele gegen Weißrussland und Serbien noch einmal aufarbeiten", kündigte der 48-Jährige an. Immerhin kann er die Mängel-Analyse nach dem späten Doppelschlag von "Joker" Oliver Neuville (74. Minute) und Freistoßschütze Ballack (82.) in Ruhe vornehmen.

Sieg gut fürs Selbstvertrauen

"Es wäre nicht so toll gewesen, mit einer Niederlage oder einem Remis in die Schweiz zu gehen", bemerkte Kapitän Ballack.

Hysterische Debatten wären wohl im Lande des selbsternannten Titelkandidaten ausgebrochen, wenn es bis zum Abpfiff beim 0:1 von Bosko Jankovic (18.) geblieben wäre und die DFB-Auswahl erstmals seit 20 Jahren ohne einen Sieg in der Vorbereitung in ein Turnier gezogen wäre.

"Der Sieg ist gut für das Gefühl und das Selbstvertrauen", sagte Löw.

Merkel mit Glückwünschen für die EM

Das Happy End hatte auch Edelfan Angela Merkel unter den 53.951 Zuschauern in uneingeschränkte EM-Vorfreude versetzt. "Das war fast ein Bilderbuch-Vorbereitungsspiel", schwelgte die auf der Tribüne mitjubelnde Kanzlerin.

Die erste Frau im Staat richtete bei ihrer Stippvisite in der Kabine im Namen des Volkes eine eindeutige Botschaft an Ballack, Löw & Co. "Ich wünsche viel Kraft und gute Nerven für die EM und hoffe im Namen Aller: Good luck!", übermittelte DFB-Mediendirektor Harald Stenger die gewählten Worte.

Weiter Fragezeichen hinter Lehmann

Am 16. Juni, beim letzten Gruppenspiel gegen Österreich, will Merkel in Wien wieder live mitfiebern - und dann nicht den dritten EM-Vorrunden-K.o. nach 2000 und 2004 miterleben.

Glück, Willensstärke und ein überragender Anführer Ballack, dem Löw eine starke Präsenz bescheinigte, werden für das große Ziel EM-Titel aber nicht genügen. Der fast beschäftigungslose Torwart Jens Lehmann konnte in Gelsenkirchen nichts zur Klärung seiner Situation beitragen.

Löw konnte allein die "eigentlich gute Ausstrahlung" seiner Nummer 1 hervorheben, der der Kapitän Ballack erneut Vertrauen aussprach: "Er ist ein Klasse-Torwart, da brauchen wir nicht zu diskutieren."

Innenverteidigung bereitet Sorgen

Zum Abwehr-Risiko Nummer 1 entwickelt sich das Zentrum mit einem nicht wie gewohnt souveränen Per Mertesacker und einem (noch) nicht EM-reifen Christoph Metzelder. Wie schon gegen Weißrussland, ließ sich das Duo beim Gegentor mit einem Pass überrumpeln.

"Das war sicherlich mein Fehler", gab Metzelder zu. Zumindest er glaubt weiter an sich und eine Steigerung von null auf hundert in letzter Minute: "Ich war bei den Endrunden immer umstritten, im Turnier aber dann eine feste Größe."

Löw scheint weiterhin entschlossen, das Vabanque-Spiel mit Metzelder zu wagen und nicht auf die solide Alternative mit Arne Friedrich umzuschwenken. "Im Defensiv-Verbund hat man schon gute Ansätze gesehen", kommentierte der 48-Jährige.

Diese verkörperte vor allem der starke Marcell Jansen, dessen Fleischwunde am Fuß "nicht schwerwiegend" sein soll, wie der Bundestrainer berichtete.

Löw gegen Polen auf links?

Offen und spannend ist auch, wie Löw die lahmenden Flügel besetzt - und was er mit Lukas Podolski macht. Der Münchner drängt vehement ins Team, als zweiter Stürmer neben dem gesetzten Miroslav Klose oder als Alternative auf der linken Flanke.

"Lukas macht einen sehr guten Eindruck. Die Möglichkeit, ihn links einzusetzen, ist eine Variante", bemerkte Löw, der eine Abkehr vom 4-4-2-System kategorisch ausschloss.

Podolski links, Schweinsteiger rechts und der noch schwächelnde Mario Gomez vorne neben Klose - so könnte die mutige Formation gegen Polen aussehen. "Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die aktuelle Trainingsleistung wird eine wichtige Rolle spielen", kündigte Löw heiße Tage im Tessin an.

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