Dienstag, 10.06.2008

EM 2008

Angst vor Hooligans - Fanmeilen leer

Klagenfurt - Vor dem EM-Spiel Deutschland gegen Kroatien geht in Klagenfurt die Angst um. Die Bürger der Stadt wagen sich angesichts der jüngsten Berichte über deutsche Hooligans kaum noch in die Fanzonen. Die Stimmung am Wörthersee ist auf dem Tiefpunkt.

em 2008, hooligans
© Getty

Ganze 88 Fans fanden sich vor der Videowand auf dem Klagenfurter Messegelände ein, um das Spiel Frankreich gegen Rumänien (0:0) zu verfolgen. Und auf der zweiten Fanzone am Wörthersee verloren sich nach Polizeiangaben sogar nur "etwa 50 bis 70" Fans, berichtete die Nachrichtenagentur "APA".

"Sicher sind die Medien mit Schuld an der Misere. Die Klagenfurter trauen sich ja nicht heraus", klagte ein Wirt. Der Absatz von Speisen und Getränken ist selbst in der Innenstadt zum Teil so gering, dass "einige Wirte schon zugesperrt haben", klagte Wolfgang Burgstaller, Pressesprecher der Stadt. Wenigstens die Polizei ist zufrieden: "So ruhig war es schon lange nicht mehr", hieß es aus der Pressestelle des Landespolizeikommandos.

 

Offensichtlich meiden die Klagenfurter aus Angst vor Krawallen die eigenen Fanzonen. In der Stadt am Wörthersee war es vor und während des Spiels Deutschland gegen Polen (2:0) zu Auseinandersetzungen rechtsradikaler deutscher Fans mit der Polizei gekommen. 157 potenzielle Randalierer, die meisten davon Deutsche, wurden festgenommen, ehe es zu Ausschreitungen kam. Doch der Schock bei den Klagenfurtern sitzt tief.

Desaster für Klagenfurt

Zwar fanden sich wenigstens auf dem Neuen Platz im Zentrum der Kärntner Hauptstadt etwa 1000 Fans zum Public Viewing ein, doch die Gastronomen sind angesichts des allgemeinen Desinteresses frustriert. Schließlich ist das Fußballfest, in das so viele Menschen so viele Hoffnungen gesetzt hatten, mit dem dritten Vorrundenspiel zwischen Polen und Kroatien schon wieder vorbei.

Angesichts der tristen Stimmung versuchte Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider seinen Landsleuten Mut zu machen: "Das wird schon noch werden", tröstete er die verzweifelten Organisatoren und Bürger: "Die Kärntner werden schon noch kommen!" Und der Vorsitzende der in Klagenfurt regierenden Volkspartei, Stephan Tauschitz, appellierte "an die Klagenfurter, sich in die Stadt zu trauen". Dort sei es "sicherer als auf jedem Zeltfest".

Doch die Klagenfurter glauben inzwischen nicht mehr an eine Wende: Das Turnier droht für die kleinste EM-Stadt Österreichs zum mittleren Desaster zu werden. Schuld daran, so meinte Pressesprecher Burgstaller, sei nicht zuletzt die schlechte Presse bereits in den Monaten vor dem Turnier: "Berichte, wonach es in Deutschland während der WM zu zahlreichen Vergewaltigungen gekommen sei, sind halt nicht geeignet, Vertrauen zu wecken."


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