Keine Macht dem Modric

Von Für SPOX.com bei der EM: Stefan Rommel
Donnerstag, 12.06.2008 | 11:51 Uhr
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Ascona - Joachim Löw vertraut auch im zweiten EM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft den Spielern, die schon beim 2:0 gegen Polen in der Anfangsformation standen.

Lukas Podolski wird gegen Kroatien (17.45 Uhr im SPOX-TICKER) wieder im linken Mittelfeld beginnen, Bastian Schweinsteiger zunächst erneut auf der Bank Platz nehmen.

Wo liegen die Stärken der Kroaten und wo deren Schwächen? Um am wichtigsten: Wie muss Deutschland spielen, um heute schon vorzeitig ins Viertelfinale einzuziehen?

SPOX.com analysiert die Elf von Slaven Bilic und zeigt Lösungsmöglichkeiten für das DFB-Team.

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Keine Extrawurst für Modric

In Luka Modric verfügt Kroatien anders als noch die Polen über einen echten Spielmacher. Modric lässt sich weit zurückfallen, um dort die Bälle abzuholen und das komplette Spiel vor sich zu haben.

Für gewöhnlich verteilt er die Bälle auf die Außen Darijo Srna (rechts) oder Niko Kranjcar (links). Selten kommt von Modric das direkte flache Anspiel auf die hängende Spitze Mladen Petric oder den wuseligen Ivica Olic.

Für die beiden deutschen Spitzen Miroslav Klose und Mario Gomez gilt es daher schon, Modric' Kreise tief in der gegnerischen Hälfte zu stören. Die Österreicher taten das nicht und hatten fast eine Stunde lang große Probleme.

Extra auf Modric einstellen oder gar das System umstellen wird die deutsche Elf aber nicht. "Wir haben unser Konzept von Ordnung und nehmen wenig Rücksicht auf die Spielanlage des Gegners", sagte Co-Trainer Hansi Flick gegenüber SPOX.com. "Wir stellen auf keinen Fall etwas um. Auch nicht wegen Modric."

Überzahl im Flügelspiel

Stichwort Außenspieler: Kranjcar und vor allem Srna machten im ersten Spiel zusammen mit den immer wieder nachrückenden Verteidigern Danijel Pranjic und Vedran Corluka mächtig Druck über die Außen.

Zusammen mit dem ständig rochierenden Olic im Sturm bauten Verteidiger und Mittelfeldspieler immer wieder eine Überzahlsituation auf dem Flügel auf und nahmen die Österreicher im Dreieck schön auseinander.

Für die Defensivarbeit muss das heißen, dass entweder Torsten Frings oder Michael Ballack immer ein Auge auf die Außenbahnen haben müssen, um eine Unterzahlsituation zu verhindern. Rückt Marathonmann Olic auf die Flügel, stößt der gegen Österreich noch sehr blasse Petric sofort in die Spitze und wartet dort auf den Pass in die Tiefe.

Das Problem: Gegen die deutsche Viererkette um Per Mertesacker und Christoph Metzelder steht Petric im Zentrum dann oft allein, da Olic Anspielstation auf Außen ist und Modric nicht schnell genug nachrücken kann.

Gefährliche Standards

Als sehr gefährlich haben sich die kroatischen Standards erwiesen. Die Spezialisten heißen Modric oder Srna. Ecken und Freistöße von der Seite werden häufig kurz ausgeführt oder aber überraschend flach in den Strafraum bzw. in die Spitze gespielt.

Hier ist die Innenverteidigung besonders gefordert, den Raum eng zu halten und die Abstände zwischen den Gliedern der Kette exakt einzuhalten.

Das bisherige Motto der EM "Tempo, Tempo, Tempo" nimmt auch Stipe Pletikosa an. Auffällig oft fungiert der Torhüter als erster Passgeber. Lange Abwürfe bis über die Mittellinie oder flinke Abschläge überbrücken das Mittelfeld in Sekunden und leiten gefährliche Konter ein.

Doppelpass und ab in die Breite

Die offensive Grundausrichtung ist allerdings auch ein großer Schwachpunkt der Kroaten. Die beiden Außenverteidiger kommen bei Ballverlust nicht schnell genug zurück und offenbarten im Eins-gegen-Eins erhebliche Schwächen.

Für Podolski und Clemens Fritz heißt das, möglichst oft mit Anlauf auf den Mann zu gehen, um den Weg zur Grundlinie zu suchen. Im Sturmzentrum haben Mario Gomez und Klose gegen die hüftsteifen Joe Simunic und Robert Kovac klare Vorteile am Boden.

Der gute alte Doppelpass bietet sich an, da die Kroaten generell durch ihre kompakte Spielweise und mit Niko Kovac als umsichtige Sechs vor der Abwehr weniger Raum zum Kontern geben werden als die naiven Polen.

"Die Kroaten stehen längst nicht so hoch wie die Polen. Wir müssen daher schnell spielen und über die Flügel kommen. Und vor allem müssen wir versuchen, das Spiel breit zu machen", verriet Flick.

Spielverlagerungen werden ein probates Mittel sein. Das A und O jedoch ist eine enorm hohe Laufbereitschaft - und womöglich eine Menge Geduld. "Wir müssen flexibel sein und viel Laufarbeit leisten. Das ist zusammen mit hohem Tempo die Basis unseres Spiels. Dann bekommen auch die Kroaten Probleme", sagt Bundestrainer Löw.

Und wer weiß - vielleicht funktioniert ja auch mal ein deutscher Standard. Sattelfest waren die Kroaten bei Ecken und Freistößen des Gegners bisher nämlich nicht.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Kroatien: Pletikosa - Corluka, R. Kovac, Simunic, Pranjic - Srna, N. Kovac, Modric, Kranjcar - Petric, Olic
Deutschland: Lehmann - Lahm, Mertesacker, Metzelder, Jansen - Fritz, Frings, Ballack, Podolski - Gomez, Klose
Schiedsrichter: Frank De Bleeckere (Belgien)

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