"Die Türkei gewinnt"

Von Vincent Alberola/Stefan Moser
Mittwoch, 25.06.2008 | 10:28 Uhr
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München - Deutschland gegen die Türkei - zwei Nationen fiebern dem ersten Halbfinale der EM entgegen.

Wie ist die Stimmung in Deutschland vor dem Knaller in Basel (20.30 Uhr im SPOX-TICKER)? SPOX.com hat sich bei Prominenten umgehört und Stimmen gesammelt. Ob als Ex-Spieler, Trainer, Comedian oder Politiker - sie alle vereint eine besondere Beziehung zu beiden Ländern.

 

Nuri Sahin (türkischer Nationalspieler,  in Deutschland aufgewachsen, Profi bei Borussia Dortmund):

"Es war eine Bauchentscheidung, als ich mich damals für die Türkei entschieden habe. Der DFB hatte sich stark um mich bemüht. Ich halte den Türken die Daumen. Aber wenn das deutsche Team gewinnt, hoffe ich, dass Deutschland Europameister wird. Ich fühle mich sowohl als Türke als auch als Deutscher. Ich wünsche mir ein friedliches Fußballfest und sehe in diesem Spiel eine große Chance, dass sich die Völker noch mehr annähern. Die türkische Mannschaft hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert. Ab dem Viertel- und jetzt Halbfinale eines EM-Turniers ist alles möglich. Mein Tipp: Die Türkei gewinnt."

 

Werner Lorant (von 2002 - 2007 Trainer bei Fenerbahce Istanbul, Sivasspor, Kayseri Erciyesspor und Kasimpasaspor):

"Für die Türkei ist es das Spiel der Spiele. Ein Halbfinale erreicht die Türkei schließlich nicht jeden Tag. Und dann auch noch gegen Deutschland. Trotz der ganzen Verletzten wird das Team hochmotiviert sein und wieder mit großem Selbstvertrauen auftreten. Fatih Terim ist ein extrem fleißiger Trainer, der schon seit Jahren durch gute Arbeit überzeugt. Er hatte schon immer ein Gespür dafür, wie eine Mannschaft tickt. Aggressionspotenzial sehe ich gar nicht. Das wird doch alles nur hoch gespielt. Man muss die Türken in dieser Situation auch verstehen, sie sind halt sehr begeisterungsfähig, besonders wenn es um Fußball geht."

 

Jörg Berger (2000 Trainer bei Bursaspor):

"Die Türken können mit einem Sieg gegen Deutschland das Finale erreichen -  das haben sie zuvor noch nie geschafft. Auch für die vielen Türken in Deutschland hat das Spiel eine besondere Bedeutung. Es hat mich wirklich überrascht, dass sie so weit gekommen sind. Es spricht für das Team, mit welcher mannschaftlichen Geschlossenheit und Moral es schon verloren geglaubte Spiele noch gewonnen hat. Bei vielen Türken, die hier leben, schlagen zwei Herzen in der Brust. Von beiden Seiten ist Fairness und Achtung gefordert. Ich tippe keine Ergebnisse, aber ich denke dass Deutschland gewinnen wird."

 

Thomas Berthold (2000 Spieler bei Adanaspor):

"Das Spiel hat eine sehr große Bedeutung für die Türkei. Es ist nach 2002 erst das zweite Halbfinale der Geschichte dieser Fußball-Nation. Außerdem ist in Deutschland die größte türkische Community außerhalb der Türkei. Insgesamt bin ich schon überrascht, dass die Türkei die Gruppenphase überstanden hat. Aber wenn man so ein Spiel noch dreht wie gegen die Schweiz, kann sich schnell eine Eigendynamik entwickeln. Die Spieler glauben plötzlich an sich und ihre Stärken. Für Deutschland war die EM nicht gerade ein Durchmarsch. Aber wenn sie so kompakt und laufbereit auftreten wie gegen Portugal, glaube ich, dass sie gewinnen. 2:1 für Deutschland."

 

John Friedmann (spielt die Rolle "Erkan" beim Comedian-Duo "Erkan und Stefan"):

"Die Türken wollen jetzt Europameister werden. Sie sind weiter gekommen als die meisten gedacht haben und haben Europa gezeigt, dass sie Fußball spielen können.  Aber ich sehe das ganz sportlich: Das Spiel hat die gleiche Bedeutung wie für jede Mannschaft, die im Halbfinale steht, denn jeder möchte das Finale erreichen. Man hat eigentlich gewusst, dass die Türken eine starke Mannschaft haben. Was überrascht, ist, dass sie jetzt drei Mal einen Rückstand aufgeholt und gerade im letzten Spiel gegen Kroatien noch in den letzten Sekunden das Tor erzielt haben. Mit dieser Tugend ist die deutsche Mannschaft sehr vertraut. Ich denke, es ist leichter gegen so ein Team zu spielen als gegen eine Mannschaft, die den Deutschen und ihrem Temperament völlig fremd ist. Mein Tipp: Deutschland gewinnt 3:2."

 

Uwe Kozelnik (Sprecher der Berliner Polizei):

"Wir gehen gelassen in den Einsatz. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen gehen wir von einem friedlichen Verlauf aus. Je nach Spielverlauf wird die Situation natürlich sehr emotionalisiert sein. Aber wir gehen nicht davon aus, dass eine Mehrzahl von Fans bewusst Unfrieden suchen."

 

 

 

 

Karl-Heinz Feldkamp (in der Saison 2007/2008 Trainer bei Galatasaray Istanbul):

 

"Ich bin vom Auftreten der türkischen Mannschaft begeistert. Aber ein Geheimnis habe ich nicht ausgemacht, nicht fachlich, taktisch oder spielerisch. Ich glaube, allein die Teilnahme an der EM-Endrunde hat eine unglaubliche Euphorie ausgelöst. Mit einem Tipp halte ich mich zurück. Am Mittwoch schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Denn bis März war ich noch Trainer bei Galatasaray Istanbul und sechs meiner Spieler stehen im Aufgebot der türkischen Nationalmannschaft."

 

 

Malik Fatih (deutscher Nationalspieler mit türkischen Wurzeln zur "Bild"):

"Ein Traum. Ich habe einen deutschen Pass und für die deutsche Nationalelf zwei Länderspiele gemacht. Aber auch mit meinem Vater, der sich früh von meiner Mutter trennte, viel Zeit verbracht. Mein Herz schlägt für beide Länder, ich kann also nur gewinnen. Die Türken haben zuletzt drei Spiele in letzter Sekunde gedreht, sind moralisch unschlagbar. Die größte Stärke der Türken ist die Unberechenbarkeit, was gleichzeitig auch ihre größte Schwäche ist. Deutschland spielt immer konstant gut, wenn es drauf ankommt. Deshalb habe ich von Anfang an auf Deutschland als EM-Favorit getippt, und dabei bleibe ich."

 

Cem Özdemir (Abgeordneter im Europäischen Parlament mit türkischen Wurzeln):

"Ich wohne in Kreuzberg, an vielen Autos sehe ich sowohl die deutsche als auch die türkische Fahne. Die Menschen haben immer weniger Probleme, mit zwei Mannschaften zu sympathisieren. Ich drücke Deutschland die Daumen. Die Jungs und das Trainerteam sind sympathisch, und außerdem hat Michael Ballack es verdient, endlich einen internationalen Titel zu gewinnen."

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