Der Europameister ist raus!

Von Daniel Börlein / Haruka Gruber
Samstag, 14.06.2008 | 22:40 Uhr
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München/Salzburg - Titelverteidiger Griechenland hat nach dem 0:1 (0:1) gegen Russland und der zweiten Niederlage im zweiten Gruppenspiel keine Chance mehr, sich für das EM-Viertelfinale zu qualifizieren.

Vor 30.000 Zuschauern im ausverkauften Salzburger Stadion Wals-Siezenheim erzielte St. Petersburgs Konstantin Syrjanow nach einem kapitalen Schnitzer von Griechenlands Torwart Antonis Nikopolidis das Tor des Tages (40.).

Damit kommt es am letzten Spieltag zwischen Russland und Schweden zum Endspiel um den Viertelfinaleinzug. Spanien ist durch das 2:1 gegen Schweden als Gruppenerster bereits in die K.o.-Runde eingezogen. Griechenland würde auch bei einem Sieg zum Abschluss gegen die Iberer Letzter bleiben.

Der SPOX-Spielfilm:

14.: Pawljutschenko sieht, dass Nikopolidis etwas zu weit vor dem Tor steht und setzt aus halblinker Position einen gefühlvollen Heber an. Der griechische Keeper klärt mit den Fingerspitzen.

15.: Nach einer Ecke probiert es Schirkow volley von der Strafraumgrenze. Der Ball geht aber drei Meter am Tor vorbei.

20.: Nach einem Freistoß ist Charisteas fünf Meter vor dem Tor völlig frei, verpasst den Ball aber. Dafür lenkt Semschow die Kugel fast ins eigene Tor.

33., 0:1, Syrjanow: Riesen Patzer von Nikopolidis: Der Torhüter läuft einer Flanke von links hinterher, doch Semak bringt den Ball vor ihm per Fallrückzieher wieder in die Mitte zurück. Dort steht Syrjanow und schiebt den Ball unbedrängt ins leere Tor ein.

46.: Charisteas kommt nach einem langen Pass völlig frei vor Akinfejew an den Ball, versucht es dann aber mit einem Heber, anstatt direkt abzuziehen. Drüber!

53.: Pawljutschenko macht Kyrgiakos nass und läuft allein von links auf Nikopolidis zu. Sein Flachschuss aus 13 Metern geht ans Außennetz.

53.: Im Gegenzug Karagounis mit einem strammen Schuss von der Strafraumgrenze. Akinfejew reißt die Fäuste noch hoch.

55.: Tolle One-Touch-Kombination der Griechen im russischen Strafraum. Basinas kommt schließlich am Elfmeterpunkt zum Abschluss, der Schuss ist aber zwei Meter zu hoch.

57.: Pawljutschenko mit der Hacke auf Biljaletdinow. Der zieht direkt aus 14 Metern ab. Der Ball streift am langen Pfosten vorbei.

69.: Charisteas steigt hoch, sein Kopfball aus sieben Metern kommt aber direkt auf Akinfejew. Trotzdem gefährlich!

87.: Langer Pass auf Charisteas. Irgendwie landet der Ball bei Gekas. Der trifft, aber Schiri Rosetti entscheidet auf Abseits. Ganz knappe Entscheidung.

So lief das Spiel: Beide Teams versuchten von Beginn an, das Mittelfeld mit langen Bällen zu überbrücken. Spielfluss kam deshalb kaum zustande. Die Russen erarbeiteten sich bis zur 20. Minute ein leichtes Übergewicht, ehe sich Griechenland immerhin zehn Minuten lang nach vorne wagte. Gefahr entstand vor dem russischen Tor allerdings nur bei Standards.

In Halbzeit zwei war mehr Tempo im Spiel, da die Griechen sich weiter nach vorne schoben. Insgesamt blieben die Bemühungen allerdings viel zu einfallslos. Russland wirkte bei Kontern weitaus gefährlicher, verpasste aber wegen einer fahrlässigen Chancenverwertung die frühzeitige Entscheidung.

Der Star des Spiels: Juri Schirkow. Der Linksverteidiger machte da weiter, wo er gegen Spanien aufgehört hatte. Schon gegen die Iberer war Schirkow bester Russe (SPOX-Note: 2). Schirkow war auf der linken Außenbahn der Aktivposten im russischen Angriffspiel, glänzte mit guten Vorstößen und Flanken, vernachlässigte dabei aber nie die Defensive und schaltete Charisteas aus.

Die Gurke des Spiels: Antonis Nikopolidis. Haarsträubend sein Ausflug beim 0:1 durch Syrjanow. Ohne Not ging der griechische Keeper der schlecht getimten Flanke von Biljaletdinow hinterher und machte das Tor überhaupt erst möglich.

Doch anstatt sich nach dem Gegentreffer kleinlaut in sein Gehäuse zu verkriechen, motzte Nikopolidis die eigenen Mitspieler ein. Schlechte Leistung, schlechter Stil!

Die Lehren des Spiels: Russland recht sicher im Spielaufbau und technisch mindestens eine Klasse stärker als die Griechen. Im Vergleich zum Spanien-Spiel fand die Hiddink-Elf dieses Mal die Balance zwischen defensiver Kompaktheit und eigenem Angriffsspiel und war deshalb weniger anfällig für Konter. Das Prunkstück war die linke Seite, über die nahezu jeder Angriff lief.

Im Gegensatz dazu ist und bleibt Griechenland ungemein limitiert. Lange Bälle sind bei der Rehhagel-Elf das einzig probate Mittel, vor allem weil sich im Mittelfeld zwar zuverlässige Arbeiter abmühen, die Rolle des Spielgestalters aber unbesetzt bleibt.

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