Deutschland - Türkei

Die Portugal-Elf soll's richten

Von Für SPOX.com bei der EM: Stefan Rommel
Mittwoch, 25.06.2008 | 19:35 Uhr
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Ascona - Nur noch eine Stunde, dann steigt der EM-Halbfinal-Knüller zwischen Deutschland und der Türkei (JETZT im SPOX-TICKER).

Das Halbfinale gegen die Türkei ist ein Spiel der großen Rätsel, der großen Mythen, der Rückkehr des Sommermärchens und eines neuen Kompressionsstrumpfes.

SPOX.com hat alles Wissenswerte vor dem Kracher im Baseler St.-Jakob-Park und die letzten Informationen zum Spiel.

Geheimiskrämerei hat ein Ende: die deutsche Aufstellung

Deutschland: Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Rolfes, Hitzlsperger - Schweinsteiger, Ballack, Podolski - Klose
Türkei: Rüstü - Sabri, Gökhan Zan, Topal, Hakan - Mehmet Aurelio - Kazim, Altintop, Ayhan, Ugur Boral - Semih Sentürk
Schiedsrichter: Massimo Busacca (Schweiz)

Taktisches Novum unter Löw?
Chefscout Urs Siegenthaler hatte am Dienstag anklingen lassen, dass die DFB-Elf auch während des Spiels mit einer Systemumstellung liebäugelt. Das gab es in der Ära Löw noch nie. Bis auf das Portugal-Spiel und den Test in Wembley gegen England (beide 4-5-1), spielte Deutschland immer in einem 4-4-2 und behielt dies auch bei.

Poldis Powerzeh
Lukas Podolski erhält extra für heute Abend einen neuen Kompressionsstrumpf. Der Fußteil fehlt, damit soll Poldi mehr Gefühl in den Zehen haben. Der Strumpf aus Kunststofffaser (40 Zentimeter Umfang) verbessert die Durchblutung um bis zu 30 Prozent. "Der Muskel kriegt mehr Sauerstoff, der Energiespeicher wird schneller wieder aufgefüllt", sagt Hersteller Michael Klein von der Firma "Medi".

Flankentraining
In der Abschlusseinheit vor dem Abflug nach Basel übte die deutsche Mannschaft noch fleißig Standardsituationen. Bastian Schweinsteiger und Arne Friedrich flankten von der rechten Seite, Philipp Lahm von links. Der Tipp kam von Chefscout Urs Siegenthaler. Die Türken seien bei hohen Bällen von außen und aus dem Halbfeld sehr anfällig.

Lorants Kehrtwende
Vor dem Turnier sah Werner Lorant in den Türken den ersten Kandidaten für ein Vorrunden-Aus. Jetzt aber dies: "Für die Türkei ist es das Spiel der Spiele. Ein Halbfinale erreicht die Türkei schließlich nicht jeden Tag. Und dann auch noch gegen Deutschland. Trotz der ganzen Verletzten wird das Team hoch motiviert sein und wieder mit großem Selbstvertrauen auftreten", sagte Lorant im Gespräch mit SPOX.com.

Gutes Omen
Massimo Busacca aus der Schweiz pfeift die Partie. Der 39-Jährige leitete schon zwei DFB-Spiele, beide endeten mit Siegen (6:2 gegen Österreich im Mai 2002 und 2:1 in England im August 2007). "Das wird ein sehr delikates Duell. Aber ich bin sehr positiv und ruhig, mental und körperlich fit. Es gibt keinen Grund, viel nachzudenken", sagt Busacca selbst.

Allerdings war Busacca als vierter Mann beim WM-Viertelfinale 2006 zwischen Deutschland und Argentinien hauptverantwortlich dafür, dass Torsten Frings für das Halbfinale gegen Italien gesperrt wurde...

Siegenthaler warnt
"Da sind nur noch 14 Mann, die möchten das Halbfinale am liebsten erst in einem Monat machen. Das machen die ein bisschen absichtlich, das gehört zum Understatement. Ich bin überzeugt, es spielen außer den Gesperrten fast alle mit", sagt Siegenthaler, vielmehr, er warnt davor. "Von den Türken wissen wir, dass sie 140 Minuten rennen, wenn es sein muss."

Der Kaiser spricht
"Michael Ballack sollte uns in Finale führen. Er ist längst ein echter Kapitän. Er ist der Mann für entscheidende Tore wie dem 1:0 gegen Österreich und dem 3:1 gegen Portugal." Und der Kaiser hat schließlich immer Recht.

Du, unser Basel
Von den letzten neun Länderspielen in Basel gewann Deutschland acht und spielte einmal remis. Die letzte Niederlage liegt 54 Jahre zurück - und war eigentlich gar keine: Bei der WM 1954 verlor Deutschland in der Vorrunde 3:8 gegen Ungarn. Allerdings mit voller Absicht. Trainerfuchs Sepp Herberger schonte gegen die übermächtigen Ungarn acht Stammspieler  - für das Entscheidungsspiel um den Viertelfinaleinzug. Dort gab es dann einen 7:2-Sieg. Gegen die Türkei.

Du, unser Ausland
Seit 1970 hat das DFB-Team bei einer EM oder WM nur zwei von zehn Halbfinals verloren. Beide ausgerechnet im eigenen Land - bei der Weltmeisterschaft 2006 gegen Italien (0:2 n.V.) und bei der Europameisterschaft 1988 gegen die Niederlande (1:2). Zum Glück liegt Basel rund fünf Kilometer hinter der deutschen Grenze auf Schweizer Boden...

Der gefährlichste Türke...
...ist Hamit Altintop. Die beeindruckenden Zahlen des Müncheners bisher: Die meisten Ballkontakte aller Türken (57 pro Spiel), die meisten Flanken (17), er war an jedem dritten Torschuss beteiligt und hat starke 62 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen. Nur ein Tor aus dem Spiel heraus fehlt bisher noch...

Torabschluss vermeiden
Schon 64 Mal durfte der Gegner aufs deutsche Tor schießen, 21 davon erreichten auch ihr Ziel. Gegen Österreich und Portugal half Deutschland dabei noch die Abschlussschwäche des Gegners - gegen die Türken sollte man sich nicht darauf verlassen! Die türkischen Stürmer benötigten für ihre fünf Treffer nur 13 Torschüsse. Eine beängstigende Quote.

Ein Mini-Angstgegner?
Der letzte Sieg gegen die Türken datiert vom 30. Mai 1992. Das Testspiel im Vorfeld der EM in Schweden entschied Rudi Völler mit seinem Tor für Deutschland. Danach gab es aus drei Spielen zwei Niederlagen (0:1 und 1:2) und ein Remis (0:0).

Selige WM-Zeiten
Die Fanmeile am Brandenburger Tor hat seit Dienstag wieder geöffnet. Drei Leinwände stehen auf dem 1,2 Kilometer langen Straßenfest bereit. Rund 500.000 Besucher erwarten die Organisatoren für heute Abend. Mittendrin: Yildiray Bastürk. Der türkische Nationalspieler war kurz vor der EM aus dem Kader geflogen. 

"Ich liebe die Türkei. Aber ich gönne es beiden", so Bastürk, der die Ausbootung noch immer nicht verkraftet hat. "Das ist schon sehr bitter. Ich hätte auch gerne mitgespielt, gerade gegen die Deutschen. Aber was soll ich machen?" Wie wär's mit feiern, egal wer gewinnt...

Heiße Nacht in Berlin
Rund 160.000 Türken leben in Berlin, es ist die größte Kolonie außerhalb der Türkei. Angst vor Zwischenfällen hat die Berliner Polizei aber nicht. "Wir gehen gelassen in den Einsatz. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen gehen wir von einem friedlichen Verlauf aus.

Je nach Spielverlauf wird die Situation natürlich sehr emotionalisiert sein. Aber wir gehen nicht davon aus, dass eine Mehrzahl von Fans bewusst Unfrieden sucht", sagt Uwe Kozelnik, Sprecher der Berliner Polizei.

Dienstreise in die Schweiz
Neulich Wien, Österreich, jetzt eben Basel, Schweiz: Neben Kanzlerin Angela Merkel werden unter anderem auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Verteidigungsminister Hans Josef Jung und Innenminister Wolfgang Schäuble im St.-Jakob-Park zugegen sein. Die Riege der Glücksbringer ist damit wieder komplett.

Der türkische Weltschmerz
Hüsün - ein Wort verfolgt die türkische Nation seit dem Untergang des Osmanischen Reichs. Hüsün darf gerne noch einen Tag länger bleiben.

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