EM-Telegramm

Der alte Mann und das Monster

SID
Freitag, 13.06.2008 | 14:51 Uhr
em 2008, polen, österreich, vastic, boruc
© Getty
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München - Eine Niederlage gegen Österreich und Deutschland ist raus. Für einen Ex-Cordobaianer völlig abwegig. Schließlich drückt die mächtigste Frau der Republik die Däumchen.

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Angie on the road: Bundeskanzlerin Angela Merkel reist zum Gruppen-Finale der deutschen Nationalmannschaft nach Österreich. "Bundeskanzler (Alfred) Gusenbauer hatte die Bundeskanzlerin dazu eingeladen", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin.

In Wien trifft Merkel zunächst zu einem Gespräch mit Gusenbauer über aktuelle politische Fragen zusammen. Danach sehen sich beide Regierungschefs das mit Spannung erwartete Spiel Deutschland gegen Österreich an.

Alter Mann ganz groß: Mit seinem 15. Tor im 50. Länderspiel trug sich Ivica Vastic ins Geschichtsbuch der Europameisterschaft ein: Mit 38 Jahren und 257 Tagen ist der gebürtige Kroate der älteste EM-Torschütze und löste den Portugiesen Nene ab, der bei der EM 1984 in Frankreich beim 1:0 gegen Rumänien 34 Jahre und 231 Tage alt war.

Cooler Kaltz: Der frühere deutsche Nationalspieler Manfred Kaltz befürchtet nicht, dass sich im entscheidenden EM-Gruppenspiel gegen Österreich die "Schmach von Cordoba" wiederholen könnte. "Die Österreicher sind stehengeblieben. So sieht's doch 30 Jahre später aus. Die träumen doch heute noch davon. Sie haben ein Spiel gewonnen. Und was hat es ihnen gebracht? Gar nichts! Ich glaube, sie haben das Spiel nie verkraftet."

Bei der WM 1978 im argentinischen Cordoba hatten die Österreicher die DFB-Auswahl überraschend mit 3:2 bezwungen.

"Es war eine riesige Blamage", sagte Kaltz, der in dieser Partie zum deutschen Team gehörte. "Wir wurden teilweise auf offener Straße angepöbelt, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Schon als wir in Frankfurt auf dem Rathaus waren, gab es die ersten Anfeindungen. Da war viel Enttäuschung im Spiel", meinte der ehemalige Außenverteidiger vom Hamburger SV.

Prügel-Assis: Zehntausende Menschen haben auf Fan-Festen das Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Kroatien verfolgt. In einigen Städten kam es nach dem Schlusspfiff allerdings zu Ausschreitungen zwischen Fans der deutschen und der kroatischen Nationalmannschaft.

In Heilbronn demolierte eine Gruppe Deutscher mit Eisenstangen ein Auto kroatischer Fans. Als die Einsatzkräfte auf dem Heilbronner Marktplatz eine Schlägerei zwischen deutschen und kroatischen Fans beendet wollten, gingen beide Gruppen plötzlich gemeinsam auf die Polizisten los.

Mit Kunststoffrohren und Hosengürteln lieferten sich etwa 30 deutsche und polnische Fußballfans in Münster eine Schlägerei. Die 18- bis 25-Jährigen waren nach dem Vorrundenspiel zwischen Österreich und Polen auf dem Nachhauseweg vom Public Viewing in der Nähe des Hafens, als sie aneinandergerieten, teilte die Polizei mit. Polizisten setzten Pfefferspray ein, um die Prügelnden auseinanderzutreiben.

Gott sei Dank: Die Frau des Schweizer Nationaltrainers Jakob "Köbi" Kuhn ist aus dem künstlichem Koma erwacht. "Es hat sich eine Besserung des Bewusstseinszustands ergeben. Frau Kuhn ist wach, ihr Zustand ist stabil", erklärte der Schweizer Teamarzt Rudolf Roder in Feusisberg.

Die Ärzte im Züricher Unispital hatten sie nach einem fünf Tage vor EM-Beginn erlittenen epileptischen Anfall aufgrund einer akuten Bewusstseinsstörung in ein künstliches Koma versetzt.

Polen-Frust: Die verärgerten Spieler demolierten in den Katakomben die Werbebanden, der sonst so bedachte Trainer Leo Beenhakker setzte zu einer spontanen Wutrede an und sogar Regierungschef Donald Tusk vergaß für kurze Zeit alle Regeln der Diplomatie.

Österreichs Last-Minute-Elfmetertor hat ganz Polen in einen Schockzustand versetzt. "Ich bin seit 43 Jahren in diesem Geschäft und hatte nie ein Problem mit Schiedsrichtern. Aber diese Entscheidung kann und will ich nicht verstehen", echauffierte sich Beenhakker.

Die kollektiven Gefühle der Polen brachte Tusk zum Ausdruck: "Schiedsrichterfehler kommen vor, dieser war außerordentlich gemein, weil offensichtlich, deutlich, sehr ungerecht und uns alle verletzend", sagte der Politiker über die Entscheidung Webbs, den Klammergriff von Mariusz Lewandowski am Neu-Bremer Sebastian Prödl mit einem späten Strafstoß zu ahnden.

Der englische Schiedsrichter Howard Webb wurde von Polens Presse an den Pranger gestellt und als "Versager" ("Dziennik"), "Dieb" und sogar "Monster" ("Super-Express") massiv verunglimpft.

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