Zum Lager der Nation

SID
Mittwoch, 04.06.2008 | 11:29 Uhr
Podolski, Lukas
© Getty
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Ascona - Das Giardino ist ja eigentlich ein recht gewöhnliches Hotel. Okay, 5 Sterne und so, aber deshalb noch lange nicht so abgefahren wie die "Propeller Island City Lodge" in Berlin, wo sich der geneigte Gast in einer surrealen Umgebung mit schiefen Wänden und auf dem Kopf stehenden Möbeln rumschlagen muss.

Wie Raoul Duke in Fear and Loathing in Las Vegas. Vom verdammten Fledermausland ist die Region rund um den Lago Maggiore aber meilenweit entfernt.

Bis auf ein paar Fähnchen und ein paar zu viele Deutsche (in diesem Fall Journalisten) deutet noch gar nichts auf das sportliche Großereignis der letzten 50 Jahre in der Schwiiz hin.

Also nach der üblichen Pressekonferenz und dem Training die Gegend erkundet. Ein Hund pullert auf den Gehsteig und bekommt fürchterlich Schimpfe von Frauchen... Das war's dann auch schon.

Nichts, absolut gar nichts. Beim Einchecken im Hotel hab ich mal so rumgefragt, wer sich denn schon so total diebisch freut auf die EM.

Von den vier Anwesenden haben mich zwei gar nicht verstanden - oder sie wollten mich nicht verstehen und die anderen beiden können den finalen Pfiff am 29. Juni gar nicht mehr erwarten.

Nur der Typ hier von der Rezeption findet die EM dufte. Kunststück, unterschreibe ich doch gerade für drei Wochen in seinem Etablissement. Und die Schweiz ist verdammt teuer...

Nur drüben in Ascona, also da, wo unsere Elf ihre Zeit verbringt, laufen die Dinge etwas anders.

Rund um den Hafen sind Carabinieri wie Zinnsoldaten postiert, wimmeln selbst eine Vierjährige auf ihrem Laufrad ab, die den Weg nehmen wollte vorbei am Giardino.

Ein Kollege und ich schummeln uns hinter dem Golfplatz und durch eine überschwemmte Wiese trotzdem durch, stehen plötzlich vor der Einfahrt. Leider hat auch der DFB seine Hausaufgaben gemacht.

Eine nette Lady vom Security-Dienst, dem Dialekt nach zu urteilen aus Berlin, bittet uns höflichst, wieder zu verschwinden. Giardino-Besuch fällt damit aus, dabei hätte ich Poldi zu gerne mal an der Playse abgezogen oder zumindest den Rücken mit seinem Poldi-Peeling geschrubbt.

So ist sie also, die Schweiz. Zaubert aus einem verschlafenen Nest ein wahres Fort Knox. Sauber, sicher, steril. Oder, wie Raoul Duke es nennen würde: "Keine gute Stadt für psychedelische Drogen."

Ciao und Grüezi wohl.

SPOX-Redakteur Stefan Rommel begleitet das deutsche Team während der Europameisterschaft und berichtet täglich aus dem Quartier in Ascona.

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