
Statistik, Fakten, Aberglaube
Der Unbesiegbare
München - Statistiken. Keine Statistik ist so gut, dass sie nicht in einem einzigen Spiel ad absurdum geführt werden kann. Dennoch: Vor einem wichtigen Spiel beruft sich der Fachmann neben der Form der Kontrahenten oft auf feinsäuberlich zusammengetragene Daten und Fakten, um daraus eine vermeintliche Favoritenrolle herauszulesen.
Vor dem EM-Finale zwischen Deutschland und Spanien in Wien (ab 20 Uhr im SPOX-TICKER) ist das nicht anders.
Welche Statistiken sprechen für das DFB-Team, welche dagegen? Und wer hat überhaupt den besseren Glücksbringer dabei? SPOX.com gibt einen Überblick.
6:3 für Deutschland: Nein, nicht das prognostizierte Ergebnis. Zu Beginn erstmal faktisches Trockenbrot, die Finalteilnahmen beider Länder bei EM-Turnieren humorlos gegeneinander gerechnet. Für Deutschland ist es die sechste, für Spanien die dritte. Und nur das DFB-Team trägt drei Sterne auf der Brust. Spanien gewann bisher lediglich einmal, 1964 im eigenen Land.
Das spricht für Deutschland I: Die direkte Länderspielbilanz. 19 Spiele gegen Spanien, 8 Siege, 6 Unentschieden, 5 Niederlagen. Bei Europameisterschaften steht es 1:1: 1984 siegte Spanien mit 1:0, 1988 Deutschland mit 2:0. Das letzte Pflichtspiel zwischen beiden Teams endete 1994 in der WM-Vorrunde 1:1-Unentschieden.
Das spricht für Deutschland II: Jetzt begeben wir uns auf unsicheres Terrain und orakeln ein bisschen. Finalschiedsrichter ist mit Roberto Rosetti ein Italiener. Und: Beim letzten EM-Triumph der Deutschen 1996 pfiff mit Pierluigi Pairetto ebenfalls ein Italiener. Gutes Omen.
Das spricht gegen Deutschland I: Eindeutig mehr. Schaut man sich die EM-Finals des DFB-Teams an, gibt es folgende Statistik: Sieg (1972), Niederlage (1976), Sieg (1980), Niederlage (1992), Sieg (1996) - es müsste als eigentlich eine Niederlage folgen.
Das spricht gegen Deutschland II: Noch was? Also gut, 1992 gewann man das Halbfinale wie 2008 mit 3:2 (damals gegen Schweden) und verlor drauf das Finale 0:2 gegen Dänemark. 1992 schoss man wie in diesem Jahr bis zum Finale immer mindestens ein Tor - und verlor.
Das spricht gegen Deutschland III: In Spaniens Innenverteidigung steht ein Unbesiegbarer. Carlos Marchena (im Bild) bestritt bislang 45 Länderspiele. Niederlagen: null...
Favoritenrolle, faktisch: Laut dem Wettanbieter "bwin" ist Spanien der Favorit. Bei einem Sieg der Iberer nach 90 Minuten gäbe es das 2,35-fache des Einsatzes zurück, bei einem Erfolg der Löw-Elf gibt's das 2,85-fache. Setzt man auf eine Verlängerung, gibt es 3,25-mal den Einsatz zurück. Wer gewinnt das EM-Finale? Jetzt wetten!
Favoritenrolle, gefühlt: "Die Deutschen sind es im Gegensatz zu uns gewohnt, Finals auszutragen", meinte Spaniens Stürmer Fernando Torres bereits voller Ehrfurcht. "Von der Geschichte her sind sie Favorit", sagte Teamkollege Xavi. Einem ungeschriebenen Gesetz nach scheint Deutschland a.k.a. "die Turniermannschaft" in einem EM-Finale IMMER der Favorit zu sein.
Blaues Blut vs. Horst & Angie: Glücksbringer sind bei einem Finale immer gerne gesehen. 1996 war es "Bundesbirne" Helmut Kohl, der die deutsche Mannschaft in London beim 2:1-Finalsieg über Tschechien unterstützte, anno 2008 übernehmen Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler diese Rolle. Backup: Innenminister Wolfgang Schäuble, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Bundestagspräsident Norbert Lammert.
Auf der Gegenseite fahren auch die Spanier schwere Geschütze auf: Im Halbfinale waren Kronprinz Felipe und Prinzessin Letizia vor Ort, am Sonntag wird sich König Juan Carlos die Ehre geben. Auch Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero hat sein Kommen angekündigt. Sehr zum Ärger der spanischen Fans übrigens: Sie haben Zapatero aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Sie begründeten ihren im Internet verbreiteten Appell damit, dass der sozialistische Regierungschef Pech bringe. Der Aberglaube stützt sich darauf, dass Spanien bei der EM ohne die Präsenz von Zapatero alle Spiele gewonnen habe.
ANZEIGE
Top 5 gelesene Artikel
Mobile-Tipp: wap.SPOX.com
SPOX Online Service

