EM 2008

"Gegner haben Angst vor uns"

SID
Freitag, 23.05.2008 | 16:42 Uhr
Löw, EM,
© DPA
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Palma de Mallorca - Nach dem Abschied der Frauen und Kinder aus dem Quartier auf Mallorca hat Joachim Löw den Konkurrenzkampf um die EM-Plätze noch mehr entfacht.

Mit dem Wechsel von Fitness-Raum und Basketball-Court auf den Fußballplatz trat nicht nur die Auslese "23 aus 26" in die entscheidende Phase.

Auch das Gerangel um die Stammplätze bei der Europameisterschaft wird intensiver. "Jeder gibt Gas", berichtete Lukas Podolski beim Medientag der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im noblen Golfclub Son Muntaner.

Borowski liegt flach

Zwei Wochen vor dem ersten Gruppenspiel in Klagenfurt gegen Polen wollen alle bei Bundestrainer Joachim Löw entscheidend punkten: "Die Zeit rennt - und jeder will dabei sein", berichtete Arne Friedrich.

Der bei Real Madrid spielende Christoph Metzelder hat bei den dort beschäftigten EM-Kontrahenten einen großen Respekt vor der deutschen Elf ausgemacht: "Das ist fast Angst, die man uns gegenüber hat. Man traut uns im Ausland, glaube ich, mehr zu als im eigenen Land."

Am ersten Trainingstag mit zwei schweißtreibenden Fußball-Einheiten wurde Abwehrspieler Friedrich in seinem Tatendrang durch einen Magen-Darm-Infekt ebenso gebremst wie der Stuttgarter Torjäger Mario Gomez, bei dem eine Wade zwickte. Beide Akteure konnten im Stadion von Real Mallorca nur auf dem Rad an der Ausdauer arbeiten, während auf dem Platz erstmals der Ball rollte, Flanken geschlagen wurden und insbesondere das Defensiv-Verhalten geschult wurde.

Richtig ins Hintertreffen geraten aber ist Tim Borowski, den ein grippaler Infekt erwischt hat. "Der liegt richtig flach", sagte Friedrich über den Mittelfeldspieler, der durch die Erkrankung Gefahr laufen könnte, am Ende einer der drei Streich-Kandidaten zu sein, die Löw spätestens am 28. Mai benennen muss.

Gesunder Konkurrenzkampf

Die Wackelkandidaten wie Stürmer Oliver Neuville atmeten am fünften Tag des Aufenthaltes auf Mallorca fast auf, dass sie endlich auf dem Platz angreifen können.

"Bisher konnten wir ja kaum zeigen, was wir können", bemerkte der Gladbacher. Sein Vereinskollege Marko Marin glänzte gleich als Flankengeber für die Angreifer.

Der Schalker Jermaine Jones, der auch um seinen Platz im endgültigen 23-Mann-Kader zittern muss, sieht alle Akteure unter hohem Leistungsdruck: "Es geht ja nicht nur um die Drei, die nach Hause fahren müssen. Jeder muss sich reinhängen."

Hart, aber fair sei das Motto im teaminternen Wettstreit, versicherte der Bremer Clemens Fritz: "Es herrscht ein gesunder Konkurrenzkampf."

"Mannschaft hat ein Gerüst"

Kampf hin oder her - ein grobes Gerüst der EM-Wunschelf hat Löw natürlich längst im Kopf, wie er bei den taktischen Übungen für die Defensive erkennen ließ.

Die zentrale Achse sollen wie bei der Weltmeisterschaft 2006 wieder Jens Lehmann im Tor, Per Mertesacker und Christoph Metzelder in der Innendeckung sowie Torsten Frings und der erst am Montag zum Team stoßende Kapitän Michael Ballack im zentralen Mittelfeld bilden. Im Angriff gilt der besonders hart trainierende Miroslav Klose als Frontmann.

"Die Mannschaft hat ein Gerüst", sagte Metzelder, der nach seiner langen Verletzungspause bis zum Turnier in Topform zu kommen hofft. "Michael Ballack war lange verletzt, Torsten Frings auch, Jens Lehmann hat wenig gespielt, ich war verletzt - sicher ist das nicht optimal. Aber für ein Turnier ist es auch nicht optimal, wenn man vorher 70 Spiele gemacht hat", bemerkte Metzelder zu den Saison-Problemen der Führungsspieler.

Beim Medientag, an dem sich alle Nationalspieler im Plausch mit den Reportern auskunftsfreudig zeigten, wurde auch deutlich, dass der gesamte Kader vom Ziel des Titelgewinns in Österreich und der Schweiz beseelt ist.

Richtige Mischung ist ausschlaggebend

"Ich glaube, dass man ein solches Ziel nur erreichen kann, wenn man es täglich lebt und vor Augen hat. Wir sind viel weiter als vor der WM 2006.

Wenn man rein die Qualitäten vergleicht, sehe ich andere Mannschaften wie Italien, Frankreich und Spanien klar vor uns. Aber das heißt im Turnier nichts, da können wir Deutschen uns auf den Punkt konzentrieren", erklärte Metzelder.

"Mit der richtigen Mischung aus Jugend und Erfahrung können wir viel gewinnen", äußerte auch der 38-jährige Lehmann, der nicht nur an die Mannschaft glaubt, sondern auch an sich selbst.

"Natürlich werde ich spielen bei der Europameisterschaft, deshalb bin ich ja hier", sagte der Schlussmann selbstbewusst.

Zwar ließ er seine Zukunft in der Nationalmannschaft und als Vereinsspieler offen.

Die Tendenz deutet nach seinem Abschied vom FC Arsenal auf ein Anschluss-Engagement beim VfB Stuttgart und einen Schlussstrich in der DFB-Auswahl.

"Es wäre vermessen zu sagen, ich habe die WM 2010 noch als Ziel", sagte Lehmann selbst.

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