Mittwoch, 28.05.2008

EM 2008

Schwerer Neubeginn für Kapitän Ballack

Kaiserslautern - Motiviert, konzentriert, aber noch nicht wieder das Spiel dominiert: Michael Ballack fiel der Neubeginn nach dem so unglücklich verlorenen Champions-League-Endspiel noch spürbar schwer.

Ballack, DFB, EM
© DPA

Elf Tage vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft benötigte der Kapitän in seinem 80. Länderspiel einige Anlaufzeit, um in den Spielrhythmus und das deutsche Team zurückzufinden.

Der 31-Jährige begnügte sich sieben Tage nach seinen bitteren Tränen von Moskau mit einem 45-Minuten-Einsatz - und da führte Deutschland immerhin noch mit 2:0.

Ohne den Chef auf dem Platz endete der vorletzte EM-Test in Kaiserslautern am Ende mit einem enttäuschenden 2:2-Unentschieden.

Löw gibt Ballack Zeit

"Da waren auch ein paar Fehler dabei, aber ich muss erst wieder reinkommen. Ich habe drei Tage Pause gehabt", sagte ein besonnener Kapitän in den Stadionkatakomben kurz vor der Fahrt zum Flughafen.

Der Wiedereinstieg war schwierig, doch der Anführer wollte unbedingt dabei sein. "Ich habe versucht, den Rhythmus zu behalten."

Auch Joachim Löw war froh, den Mittelfeldspieler wieder an Bord zu haben und hatte Verständnis, dass nicht alles glatt lief.

"Es war schon zu spüren, dass er erst einmal mit der Mannschaft trainiert hat", kommentierte der Bundestrainer nach dem Testspiel, dem noch die Generalprobe am Samstag gegen Serbien folgen wird. "Das ist ein wichtiger Test bevor es los geht. Ein gutes Ergebnis ist wichtig für das Selbstvertrauen", betonte Ballack, der bis dahin zunächst intensiv auf Mallorca mit der Mannschaft trainieren soll.

Löw: "Dass er jetzt noch einige Tage braucht, ist normal."

Tränen sind getrocknet

Auch das 36. Länderspieltor war Ballack an seiner ehemaligen Wirkungsstätte in zwei aussichtsreichen Situationen nicht vergönnt: Nach Ablage von Miroslav Klose wurde ein Distanzschuss des Kapitäns noch zum Eckball abgelenkt. Und kurz vor der Pause rauschte Ballack nach einer Ecke von Torsten Frings knapp mit dem Kopf am Ball vorbei und raufte sich enttäuscht die Haare.

"Ich will sofort wieder hochfahren", hatte der Anführer der schwarz-rot-goldenen Fußballer erklärt, als er am Montagabend als Nachzügler zu den Teamkollegen gestoßen war, die schon eine Woche harte Trainingsarbeit in den Knochen haben.

Die bitteren Champions- League-Tränen von Moskau, die Ballack nach der unglücklichen Final- Niederlage mit dem FC Chelsea gegen Manchester United vergoss, sind getrocknet.

Zweiter Platz zu wenig

Er habe die große Enttäuschung im Sonderurlaub "schon ganz gut verarbeitet", berichtete Ballack und fügte bestimmt hinzu: "Der Blick geht wieder nach vorne."

Auch Löw gab sich vor dem Rückflug nach Mallorca überzeugt, dass sein Kapitän mental stabil ist: "Ich habe schon das Gefühl, dass er es wegstecken kann."

 Körperlich steht Ballack auf jeden Fall voll im Saft. Und die Motivation könnte nach der verpassten europäischen Club-Krone kaum größer sein.

Der gebürtige Görlitzer will nach nun schon neun zweiten Plätzen in seiner Karriere nicht als ewiger Zweiter in die Fußball- Analen eingehen.

Sein Alter lässt ihm in der DFB-Auswahl wohl nur noch zwei oder drei Chancen auf einen großen Titel. Und es gilt noch etwas gutzumachen nach der WM vor zwei Jahren, als die Halbfinal- Niederlage gegen Italien auch Ballacks Sommermärchen jäh beendet hatte.

Finale als Ziel

"Ich bin motiviert, ich peile mit der Nationalmannschaft die EM an", betonte er in seiner alten Heimat Kaiserslautern.

Bundestrainer Joachim Löw baut auf die besonderen Fähigkeiten und die Ausstrahlung seines Anführers, der nach langer Verletzungspause in der englischen Premier League zuletzt stärker und dominanter agierte als zuvor.

"Er hat nochmal eine enorme Entwicklung genommen, ist noch reifer und selbstbewusster geworden, hat noch mehr Verantwortung übernommen", registrierte Löw.

Für Ballack steigt bei der EM-Endrunde in der Schweiz und Österreich deshalb aber auch der Druck, Deutschland zum Erfolg führen zu müssen. Schon nach der souveränen Qualifikation hatte die internationale Konkurrenz die DFB-Elf mit zum Favoriten erkoren. Doch Ballack warnte: "Da müssen wir entweder gewinnen oder ins Finale kommen."


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