EM 2008

Seltsame Sportarten der Gastgeber

SID
Freitag, 30.05.2008 | 13:15 Uhr
Fußball, EM, Buntes
© DPA
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Genf - Fingerhakeln und Steinstoßen, Hornussen und Schwingen - die Gastgeber der Europameisterschaft haben ihre sportlichen Stärken nicht unbedingt auf dem Fußballplatz.

Skifahren ist der Lieblingssport in den Alpenländern, aber auch ganz sonderbaren Hobbys frönen die deutschen Nachbarn.

Den Gegner mit einem Finger über den Tisch zu ziehen, ist ein Kraftsport der vorwiegend in Österreich - aber auch noch in Bayern - betrieben wird. Schwingen, Steinstoßen und Hornussen gelten als Nationalsport in der Schweiz.

4500 Schwinger in der Schweiz

Hobby-Schwinger, -Steinstoßer und -Hornusser treffen sich alle drei Jahre zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest. Der Ringkampf Schwingen wurde erstmals urkundlich im Jahr 1235 erwähnt. Heute gibt es in der Schweiz noch etwa 4500 aktive Schwinger.

Gerungen wird in einem im Durchmesser zwölf Meter großen Kreis, dessen Boden mit Sägemehl bedeckt ist. Die beiden Kämpfer tragen weiße Hemden, lange Hosen und darüber eine robuste Drillich-Hose, die bis zum Knie reicht.

Mit verschiedenen, dem Judo verwandten Würfen, versuchen sie einander aufs Kreuz zu legen.

Fußball-EM ist keine Konkurrenz

Viel Geld können Schwinger gewöhnlich nicht verdienen, stattdessen gibt es handfeste Preise: So ist die Sieger-Trophäe beim Älplerfest ein stattlicher Bulle. "Schwingen ist nicht nur ein Sport, sondern ein Ereignis", sagt Ernst Schläpfer, Vorsitzender des eidgenössischen Schwingerverbandes.

"Wenn die Zuschauer zu einem Wettkampf gehen, dann halten sie sich dort einen ganzen Tag auf. Das ist eine große gesellschaftliche Veranstaltung."

Für Schäfer ist die Fußball-EM auch kein ernstzunehmender Konkurrent im Kampf um die Gunst der Fans. "Wir haben schon genug Zuschauer", sagt er gelassen.

Meisterschaft im Hornussen während EM 

Die Anhänger des Mannschaftssports Hornussen - ein Schlag- und Abfangspiel aus der deutschsprachigen Schweiz - suchen hingegen noch Mitstreiter und hoffen auf einen erfolgreichen Werbefeldzug während der EM.

So läuft die Schweizer Meisterschaft während des Fußballturniers im Juni weiter. "Es gibt schon einige Anfragen von Fernsehstationen, die über Hornussen berichten wollen", erzählt der Sprecher des Schweizer Hornusser-Verbandes, Rudolf Schüpbach. "Möglicherweise steigert das ja das Interesse an dem Spiel."

Hornussen ist ein Sport für 18 Spieler, eine Mixtur aus Golf, Cricket und Baseball. Das Freizeitvergnügen gilt auch als "Golf der Schweizer Bauern". Gespielt wird mit einer Art Puck, der mit einem flexiblen Stab von einer Rampe mehr als 300 Meter weit abgeschlagen werden kann.

Wichtig: Mannschaftliche Geschlossenheit 

Die Spieler der gegnerischen Mannschaft versuchen, mit riesigen Holzpaddeln, das Geschoss frühzeitig zu Boden zu bringen. Punkten kann eine Mannschaft nur, wenn die Scheibe ungehindert zu Boden geht.

"In bedächtiger und trotzdem dynamischer Art ein Wechsel zwischen Angriff und Verteidigung, Eigenleistung und mannschaftlicher Geschlossenheit, das ist Hornussen", heißt es auf der Internetseite des Eidgenössischen Hornusserverbandes.

Der Name des Spiels leitet sich von den Geräuschen ab, die der bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnelle Puck macht - ein dumpfes Summen wie beim Anflug einer Hornisse.

Zahlen stagnieren

Laut Schüpbach gibt es in der Schweiz 8500 Hornusser in 200 Clubs. Doch die Zahlen stagnieren, weil es schwer ist, Nachwuchs für den Nationalsport zu gewinnen.

Das Steinstoßen ist ein alter Alphirtensport. Rekordhalter Markus Meire wuchtete den 83,5 Kilo schweren Brocken, den sogenannten Unspunnen, vor vier Jahren 4,11 Meter weit.

Der Originalstein aus Kiesel von 1805 ging verloren, die seit 1905 benutzte Nachbildung aus Granit wurde zweimal gestohlen - der Legende nach von Separatisten aus der französisch-sprachigen Jura-Region.

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