Nach der Löw-Entscheidung

Ein Hoch auf die Routine

Von Stefan Rommel
Mittwoch, 28.05.2008 | 13:35 Uhr
DFB, EM, Kader
© Getty
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Kaiserslautern/Mallorca - Das sind sie also, die 23 Heroen, die Deutschland zum Titel führen sollen.

Patrick Helmes, Jermaine Jones und etwas überraschend auch Marko Marin müssen die bittere Heimreise antreten, sind kurz vor dem großen Ziel doch noch raus.

Der endgültige deutsche Kader in Bildern

Vor allem mit Marins Ausbootung hatten nach einer Woche Trainingslager die wenigsten gerechnet. Joachim Löws Entscheidung war eine Entscheidung für die Routine und in Einzelfällen gegen das aktuelle Leistungsvermögen.

Anders als noch bei der vorläufigen Kadernominierung sickerte vor der Bekanntgabe der drei Verdrängten nichts durch. Löw und sein Trainerstab beratschlagten sich angeblich noch nach der Ankunft auf Mallorca am Dienstagabend und teilten den drei Unglücklichen ihre Entscheidung nach dem Frühstück am Mittwochvormittag mit.

Oder stand doch schon vorher alles fest? Die drei Ausgemusterten spielten gegen Weißrussland mit den Nummern 24, 25 und 26 auf dem Trikot. Bei der EM werden jedoch nur die Nummern 1 bis 23 vergeben.

Was erreicht die DFB-Elf bei der EM? Jetzt nachrechnen!

Jetzt steht das Team, ab jetzt beginnt die heiße Phase beim Unternehmen Titelgewinn. SPOX.com verrät taktische Variationen im 4-4-2-System und schätzt jeden Mannschaftsteil gesondert ein.

Torhüter: Kein Thema für die "Urteilsverkündung". Jens Lehmann dürfte trotz fahriger Leistungen weiter gesetzt sein. Mit einem Torhüterwechsel würde Löw nur unnötig Unruhe in die Mannschaft tragen und hätte zudem keine Gewissheit, dass die Alternative die bessere Entscheidung wäre. Allerdings wird Lehmann im letzten Testspiel gegen Serbien unter besonderer Beobachtung stehen.

Abwehr: Auch hier keine Härtefälle. Löw hat jede Menge Variationsmöglichkeiten. Die Innenverteidigung ist gesetzt. An Christoph Metzelder, der auf Mallorca bis zu drei Trainingseinheiten pro Tag absolviert hat und gegen die Weißrussen dementsprechend platt war, und Per Mertesacker führt kein Weg vorbei.

Auf den Außen sind Philipp Lahm rechts und Marcell Jansen links gesetzt. Sollte Jansen nicht fit werden, rückt Lahm auf links und Arne Friedrich übernimmt auf der rechten Seite.

Friedrich und auch Allzweckwaffe Heiko Westermann können auch als Backup in der Innenverteidigung aushelfen. Jede Position ist also mindestens doppelt besetzt.

Mittelfeld: Hier gab es die meisten Reibungspunkte. Marin oder Odonkor? Jones oder Rolfes? Der Schalker ist sicherlich ein Opfer der Position geworden, auf der er spielt. In Torsten Frings, Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes hat Löw schon drei Sechser.

Im Spiel gegen Weißrussland testete er Jones auf einer etwas offensiveren Position (die von Michael Ballack), auf der er aber nicht richtig zurecht kam.

Überrascht hat die Entscheidung gegen Marin. Der Gladbacher hat die von Löw geschätzte Spezialfähigkeit (starkes Eins-gegen-eins). Anscheinend traut der Bundestrainer ihm aber gegen Verteidiger der europäischen Spitzenklasse nicht zu, diese auch voll auszuspielen.

Frings, Michael Ballack und Bastian Schweinsteiger sind gesetzt. Auf der rechten Seite streiten Tim Borowski und Clemens Fritz um den verbliebenen Platz. Fritz hat dabei im Moment die Nase vorn, auch weil Borowski immer noch erkrankt ist.

Piotr Trochowski gilt als Rollenspieler und verfügt außerdem über gute Standards. Eine Mangelerscheinung im deutschen Spiel. Ebenso wie bei David Odonkor dürfte sich die Einsatzzeit bei der EM aber im überschaubaren Rahmen halten.

Odonkor hat zudem nicht erst gegen die Weißrussen bewiesen, dass er als Mittelfeldspieler unbrauchbar ist. Dafür ist sein Defensivverhalten einfach zu schlecht. Der Ex-Dortmunder ist also allenfalls als hängende Spitze und nur auf dem rechten Flügel einsetzbar.

Angriff: Lukas Podolski und Miroslav Klose harmonierten gegen die Weißrussen schon ganz gut. Dennoch ist Mario Gomez neben Klose ziemlich sicher gesetzt.

Die Wucht des Stuttgarters bringt eine neue Facette ins Spiel der Deutschen. Dagegen ist Podolski eher der spielstarke Stürmer, der bei Bedarf auch als hängende Spitze oder im offensiven Mittelfeld einsetzbar ist.

Kevin Kuranyi, der eine eher mäßige Rückrunde absolviert hat, wird es gegen diese drei schwer haben

Ebenso wie Oliver Neuville. Er wird als Stürmer Nummer fünf wohl nur sporadisch zum Einsatz kommen. Der Gladbacher ist jedoch ein guter Konterstürmer und - für den Fall der Fälle - ein absolut verlässlicher Elfmeterschütze.

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