Montag, 26.05.2008

Russland im Porträt

Understatement des Underdogs

München - Die Ausgangslage ist klar: Russland tritt bei der EM als Außenseiter an. In der Gruppe D werden vor allem Spanien, aber auch Schweden und Titelverteidiger Griechenland gemeinhin bessere Chancen eingeräumt.

russland, team
© Getty

Unterschätzen sollte man die russische Elf allerdings nicht. Zum einen hat Zenit St. Petersburg im UEFA-Cup eindrucksvoll bewiesen, wozu russische Mannschaften im Stande sind, zum anderen hat Nationalcoach Guus Hiddink noch jede seiner Mannschaften auf Vordermann gebracht.

Außerdem ließ Russland in der EM-Qualifikation immerhin England hinter sich.

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Die Stärken:

Andrej Arschawin (St. Petersburg)
Andrej Arschawin (St. Petersburg)

Hiddink hat seinem Team Disziplin eingeimpft. Ergebnisorientiertes Agieren steht ganz klar vor kopflosem Offensivfußball.

"Der Trainer verlangt von uns auf dem Platz ein diszipliniertes Auftreten", sagt Stürmer Andrej Arschawin vom UEFA-Cup-Sieger St. Petersburg. Nicht zuletzt deshalb kassierte Russland in zwölf Quali-Spielen nur sieben Gegentreffer und blieb fünfmal ohne Gegentor.

Das Konterspiel ist Russlands beste Waffe. Wie bei seinen früheren Stationen legt Hiddink auch in der Sbornaja großen Wert auf körperliche Fitness und Zweikampfstärke.

Die Schwächen:
So viel der Trainer schon erlebt hat, so unerfahren ist seine Mannschaft. "Unser Team ist jung, nur zwei Spieler gehen auf die 30 zu, alle anderen sind höchstens 26", sagt Hiddink. Die fehlende Routine könnte gerade bei einer EM-Endrunde zum entscheidenden Manko werden.

Unerfahrenheit ist die eine Sache, Nervenschwäche und fehlende Konstanz die andere. In der Qualifikation hätte man sich gegen Israel und Fußballzwerg Andorra beinahe noch um die EM-Teilnahme gebracht und schwächte sich auch noch selbst. Kapitän Arschawin kassierte gegen Andorra die Rote Karte und fehlt in den ersten beiden Vorrundenspielen gegen Spanien (10.06.) und Griechenland (14.06.).

Der Trainer:
Hiddink ist in Russland über jeden Zweifel erhaben. Bei der Mannschaft und den Fans genießt der Niederländer hohes Ansehen. "Im Training und und im Spiel verlangt er Disziplin, aber außerhalb werden wir nicht ständig kontrolliert. Wir haben bei ihm viele Freiheiten. Er ist Weltklasse", sagt Arschawin.

Hiddink wird, sollte nichts Außergewöhnliches passieren, auch nach der EM Russlands Nationaltrainer sein. Seinen Vertrag verlängerte der 61-Jährige im letzten Jahr bis 2010.

Der Spieler im Fokus:
Da Andrej Arschawin in den ersten beiden Spielen fehlen wird, sind die Augen auf Igor Akinfeev gerichtet. Der 22-Jährige ist eines der größten Torhütertalente Europas und mittlerweile seit mehr als vier Jahren Nationalkeeper.

Der Schlussmann von ZSKA Moskau ist ein moderner Torwart, der das Spiel mit seinen Abwürfen schnell macht und auf der Linie durch Reaktionsschnelligkeit überzeugt.

Die Prognose:
Russland ist in Gruppe D der Underdog, im Kampf um Platz zwei allerdings nicht chancenlos. Das Erreichen des Viertelfinals wäre schon ein großer Erfolg. "Wir möchten natürlich lange dabei bleiben", sagt Hiddink zwar, weiß aber auch: "Wunderdinge sind keine zu erwarten."

 

Daniel Börlein

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