Freitag, 23.05.2008

Portugal im Porträt

Die sich nur selbst schlagen können

München - Keine europäische Mannschaft schnitt bei den letzten beiden Großereignissen besser ab als Portugal. Die Seleccao stand 2004 im eigenen Land im EM-Finale und 2006 im WM-Halbfinale.

Portugal
© Getty

Was der hoch gelobten Goldenen Generation nicht gelang, schafften die Nachkommen. Luis Figo, Rui Costa und Fernando Couto waren 2004 die letzten Hinterbliebenen der U-20-Weltmeister. 2006 in Deutschland war lediglich Figo noch dabei.

Die Musik machen mittlerweile andere. Allen voran Cristiano Ronaldo, englischer Meister und Champions-League-Sieger mit Manchester United und der derzeit wohl beste Fußballer der Welt.

Doch Portugal hat mehr zu bieten als Ronaldo. "Es wäre für jeden Gegner fahrlässig, sich nur auf ihn zu konzentrieren", sagt Nationalstürmer Hugo Almeida (24). Zusammen mit dem Bremer, der während der EM mit Nuno Gomes um dem Rolle des Stoßstürmers konkurriert, stellt SPOX.com Portugal vor.

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Die Stärken:

Hugo Almeida (Werder Bremen)
Hugo Almeida (Werder Bremen)

Portugal verfügt über eine große Anzahl technisch erstklassiger Spieler. Ronaldo, Deco, Ricardo Quaresma oder Nani können ein Spiel mit einem genialen Pass oder einer Einzelaktion entscheiden. "Wir haben viele gute Spieler, die nur schwer zu stoppen sind", sagt Almeida.

Portugals Spiel basiert auf viel Ballbesitz und schnellem Kurzpassspiel. Im Mittelfeld zieht Deco die Fäden, Petit sichert nach hinten ab. Im von Trainer Luiz Felipe Scolari bevorzugten 4-3-3-System spielen Ronaldo und Quaresma auf den Flügeln und tauschen oft die Positionen.

Portugals größte Stärke ist laut Almeida aber der Zusammenhalt innerhalb der Truppe: "Wir wissen, was wir können und was wir wollen. Die gegenseitige Unterstützung und der Teamgeist wird uns bei der EM helfen, gute Ergebnisse zu erzielen."

Die Schwächen:

Überheblichkeit, Geduld und Chancenverwertung. Ronaldo und Quaresma sind herausragende Fußballer. Doch beide können ihre Sperenzchen nicht lassen, auch wenn vor allem Ronaldo mittlerweile deutlich zielstrebiger agiert. Im Champions-League-Finale gegen Chelsea konnte er im Elfmeterschießen aber seine Mätzchen nicht lassen und scheiterte an Petr Cech.

Quaresma schießt den Ball am liebsten mit dem Außenrist ins Kreuzeck. Manchmal klappt's, öfter wäre aber die unspektakuläre Variante erfolgreicher. Mit ein Grund, warum Portugal zu viele Chancen benötigt.

An guten Tagen nimmt die Seleccao jede Mannschaft der Welt auseinander. Aber wehe, es klappt nicht auf Anhieb und der Gegner haut auf die Socken. Dann kommt schon mal ein Kartenfestival wie im WM-Achtelfinale gegen die Niederlande (1:0) raus, als Deco und Costinha vom Platz flogen und sechs weitere Portugiesen die Gelbe Karte sahen.

Der Trainer:

Luiz Felipe Scolari kam 2003 als Weltmeistertrainer aus Brasilien nach Portugal und feierte auch mit der europäischen Seleccao große Erfolge: EM-Zweiter 2004 und WM-Vierter 2006. Er variiert zwischen einem 4-4-2- und 4-3-3-System mit stets offensiver Grundausrichtung.

Mit der portugiesischen Presse kam er aber trotz aller Erfolge nie zurecht. Nach dem 0:0 gegen Finnland in der EM-Quali beschimpfte er die Journalisten: "Ihr habt keine Ahnung, wie viel ich für Portugal getan habe. Viel mehr als für mein Heimatland Brasilien. Portugal ist qualifiziert und ich soll am Ende ein Esel sein? Ihr könnt mich mal!"

Der Spieler im Fokus:

Natürlich Cristiano Ronaldo. Genial und wahnsinnig. Momentan wohl einzigartig auf der Welt.

Almeida will Ronaldos Rolle aber nicht überbewerten: "Er ist ein wichtiger Spieler für die Mannschaft. Aber das sind die anderen auch. Wir können bei der EM nur gemeinsam erfolgreich sein."  

Die Prognose:

Portugal wird sich in der Gruppe A gegen Tschechien, die Türkei und Co-Gastgeber Schweiz durchsetzen und wie bei den letzten drei Europameisterschaften mindestens das Viertelfinale erreichen. "Wenn wir uns auf unsere Stärken besinnen, können wir sehr viel erreichen. Wir wissen, was wir können. Jetzt müssen wir es nur abrufen", sagt Almeida.

Der 24-Jährige zählt Portugal aber nicht zu den Favoriten auf den EM-Titel. "Es gibt bessere Mannschaften, dazu zähle ich Deutschland, Frankreich oder Italien. Diese Teams haben schon viel mehr erreicht und sind erfahrener als Portugal. Aber natürlich wollen wir wieder ins Finale und mit dem nötigen Quäntchen Glück ist vielleicht sogar der Titel drin."

 

Thomas Gaber

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