Montag, 26.05.2008

Niederlande im Porträt

Gegen jede Wahrscheinlichkeit

München - Seit den frühen 70er Jahren zählt die niederländische Nationalmannschaft meist zum engsten Favoritenkreis bei großen Turnieren.

Niederlande
© Imago

Der Titel bei der EM 1988 in Deutschland (2:0 im Finale gegen die UdSSR) ist bis heute aber der einzige Erfolg.

Und von einem Triumph wie vor 20 Jahren in München ist der aktuelle Jahrgang der Elftal weit entfernt. Die Mehrheit der Fans rechnet bei der bevorstehenden EM sogar mit dem Aus in der Vorrunde.

Die Skepsis ist nicht unbegründet, schließlich wurden die Niederlande in die Gruppe C gelost, mit Weltmeister Italien, Vizeweltmeister Frankreich und Rumänien.

Hoffnung könnte das Team nun aus der Außenseiterrolle schöpfen. Eine unbekannte Erfahrung, die einer Nationalelf, die traditionell Schwierigkeiten im Umgang mit Erwartungsdruck hat, Flügel verleihen könnte.

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Die Stärken:

Rafael van der Vaart (Hamburger SV)
Rafael van der Vaart (Hamburger SV)
© Getty

Individuelle Klasse ist das hervorstechende Merkmal der Elftal. Gerade in der Offensive hat Bondscoach van Basten die Qual der Wahl.

Mit Ruud van Nistelrooy und Klaas-Jan Huntelaar verfügt er über zwei Knipser von höchsten Graden. Für zusätzliche Schubkraft aus dem Mittelfeld sollen die Techniker Wesley Sneijder und Rafael van der Vaart sorgen.

Und der HSV-Kaptiän hat noch ein neues Attribut bei Oranje ausgemacht: "Im Gegensatz zu früheren holländischen Teams funktionieren wir auch als Kollektiv."

Die Schwächen:

Seien es Überheblichkeit ob der eigenen fußballerischen Klasse oder Nervenflattern in Stresssituationen - Oranje könnte mit weit mehr als einem Titel aufwarten.

Zudem fehlt es der aktuellen Elftal trotz (oder wegen) aller Klasseleute an einer echten Integrationsfigur, einem klassischen Führungsspieler. Die infrage kommenden Kandidaten sind entweder zu blass oder zu jung. Ein weiteres Handicap liegt im Abwehrbereich liegen. Dort sucht man nach einem Spieler von großem Format vergeblich.

Der Trainer:

Als Spieler verehrt wie nur wenige andere, als Bondscoach umstritten, missverstanden und oft hinterfragt. Als Marco van Basten das Amt 2004 von Dick Advocaat übernahm, erhofften sich viele die Rückkehr zum attraktiven Kombinationsfußball früherer Tage.

Bekommen haben die niederländischen Fans jede Menge Zoff. Van Basten überwarf sich unter anderem mit Mark van Bommel, Clarence Seedorf und Ruud van Nistelrooy. Nur van Nistelrooy spielt noch für Oranje. Auch mit Johan Cruyff, einst großer Fürsprecher van Bastens, kann der 43-Jährige dem Vernehmen nach nicht mehr.

Im Sommer macht van Basten Schluss und kehrt zu Ajax Amsterdam zurück. Erst dann will er für seine Arbeit beurteilt werden. Für ein gutes Führungszeugnis scheint eine erfolgreiche EM unabdingbar.

Der Spieler im Fokus:

Demy de Zeeuw ist die große Unbekannte im Mittelfeld der Niederlande. Gerade einmal sieben Spiele hat der robuste Mittelfeldspieler von AZ Alkmaar benötigt, um sich einen Stammplatz im Team der Oranje zu erkämpen.

In seiner Spielanlage ähnelt der 25-jährige dem Spanier Cesc Fabregas, er kann ein Spiel lesen und aus der Defensive heraus antreiben. "Er ist genau der Spielertyp, der uns gefehlt hat", sagt van Basten.

Die Prognose:

Oft blieben die Niederländer bei großen Meisterschaften unter ihren Möglichkeiten. Die Fähigkeit, Erfolge förmlich zu erzwingen, geht ihnen offenbar ab.

Diesmal sind die Voraussetzungen für die Elftal aber andere: Oranje ist Außenseiter auf den Einzug ins Viertelfinale angesichts der Gruppengegner Italien und Frankreich, aber ob der individuellen Klasse seiner Spieler in der Lage, für eine Überraschung zu sorgen. 

So sieht es auch Van der Vaart: "Wir wissen, was wir können und bei der EM wird sicher auch die Tagesform entscheiden."

 

Oliver Wittenburg

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