Griechenland im Porträt

Relikt aus vergangener Zeit

Von Haruka Gruber
Montag, 26.05.2008 | 16:00 Uhr
griechenland, team
© Getty
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München - Im Grunde müsste sie längst ausgestorben sein. So wie der Quastenflosser oder das Schnabeltier, derart archaisch erscheint die Taktik der griechischen Nationalmannschaft.

Zwei klassische Vorstopper, teilweise sogar mit einem Libero der alten Schule: Das System von Trainer Otto Rehhagel wirkt wie ein Anachronismus, wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit.

Doch der Erfolg heiligt nun mal die Mittel. Oder anders formuliert: Der Europameistertitel 2004 und die Qualifikation für das diesjährige EM-Turnier heiligen die defensiv-konservative Grundordnung. Mit nur zehn Gegentoren und einer Niederlage in zwölf Quali-Spielen lösten die Hellenen das EURO-Ticket.

Zusammen mit Eintracht Frankfurts Nationalstürmer Ioannis Amanatidis (26) stellt SPOX.com den Titelverteidiger vor.

Hier geht's zur Griechenland-Diashow!

Die Stärken:

1.: Defensive. "Wir leben von unserer starken Verteidigung", sagt Amanatidis. "Ich wüsste daher nicht, warum wir bei der EM munter drauflos stürmen müssen. Italien agiert doch ähnlich, spielt aus einer starken Abwehr heraus zielstrebig nach vorne."

2.: Erfahrung. Der Kader ist eines der routiniertesten des Turniers, Leistungsträger wie Antonis Nikopolidis (37), Stelios Giannakopoulos (34), Traianos Dellas (32) oder Angelos Basinas (32) sind alt - aber dementsprechend auch abgezockt.

3.: Schwer ausrechenbar. Die 25-Quali-Tore verteilen sich auf zehn verschiedene Schützen, unter anderem netzten alleine sechs Abwehrspieler ein.

Die Schwächen:

Wie kann man die Nummer eins Nikopolidis am besten beschreiben? Fliegenfangender Torhüter oder doch torhütender Fliegenfänger? Wie auch immer: Obwohl seine Fähigkeiten auf der Linie und im Eins-gegen-Eins noch recht respektabel sind, gleicht Nikopolidis' Strafraumbeherrschung einem Fiasko.

Weiteres Manko: die Chancenverwertung. Die Hibbeligkeit eines Angelos Charisteas' vor dem Tor ist aus Nürnberg gut bekannt, auch Leverkusens Theofanis Gekas vergibt zu viele Chancen.

Der Trainer:

Schrittweise leitet Otto Rehhagel die überfällige Verjüngerung des Kaders ein, baute Spieler wie Amanatidis (26), Vassilis Torosidis (22) oder das aus dem vorläufigen Kader gestrichenen Spielmachertalent Sotirios Ninis (18) in das Team ein.

Doch bei der EM liegt das Akzent ganz Rehhakel-typisch auf Routine. Amanatidis: "Bei so einem Turnier kann man doch nicht mit einer U-21-Auswahl antreten. Da braucht man jede Menge Erfahrung."

Der Spieler im Fokus:

Charisteas: kopfballstark - aber sonst? Gekas: schnell und gefährlich bei Kontern - aber sonst? Ergo: Im Dreiersturm ist Ioannis Amanatidis das Mädchen für alles. Er muss vorbereiten, Räume reißen, als Bindeglied zum Mittelfeld fungieren und hier und dort auch mal treffen.

International ist Amanatidis weitgehend unbekannt. Womöglich nicht mehr lange.

Die Prognose:

Trotz überzeugender EM-Quali rechnet kaum jemand mit Griechenland. Warum eigentlich? Die Gruppe D mit Spanien, Schweden und Russland ist gut besetzt, dennoch machbar, zumal die Mannschaft mit der Idealbesetzung bei der EM antritt.

Amanatidis: "Wenn wir die Gruppenphase überstehen, ist alles möglich. Warum nicht auch das erneute Erreichen des Endspiels?"

 

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