Montag, 26.05.2008

Frankreich im Porträt

Die perfekte Mischung

München - "Unbeschreiblich" und einfach nur "inakzeptabel". David Trezeguet wusste gar nicht mehr, was er sonst noch sagen sollte.

Frankreich, Porträt, EM 2008
© Imago

Als Raymond Domenech seinen ursprünglich 30-köpfigen EM-Kader verkündete, war der Name des besten Torschützen des Landes nicht dabei.

20 Tore erzielte Trezegol für Juventus Turin in der abgelaufenen Saison, wurde damit Zweiter in der Torjägerliste der Serie A. Nur sein Teamkollege Alessandro Del Piero war besser. Und der darf mit der Squadra Azzurra seine vierte EM spielen.

Der Rauswurf Trezeguets überschattet die recht harmonische Vorbereitung der Equipe Tricolor, auch wenn Franck Ribery das nicht so recht zugeben will. "Uns belastet das nicht. Der Trainer hat sich so entschieden, also muss man es auch akzeptieren."

Zusammen mit dem Bayern-Star (25) stellt SPOX.com einen der heißen Titelfavoriten vor.

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Die Stärken:

Franck Ribery (FC Bayern München)
Franck Ribery (FC Bayern München)

Frankreichs größtes Plus ist die Homogenität. Der Kader stimmt fast mit dem der WM vor zwei Jahren überein.

Bis auf Zinedine Zidane und eben Trezeguet. Die Automatismen sitzen. "Wir sind eingespielt, das ist ein großer Vorteil", sagt Ribery. Dazu verfügt kaum eine andere Mannschaft über so viele überdurchschnittliche Talente (Karim Benzema, Samir El Nasri).

"Domenech hat es geschafft, diese innerhalb von zwei Jahren an die Mannschaft heranzuführen. Die Mischung zwischen Jung und Alt passt", glaubt Ribery.

Besonderes Prachtstück ist die Offensive. Die Franzosen nennen ihre Angriffsreihe ganz mystisch das "magische Viereck". Dessen Protagonisten heißen Ribery, Florent Malouda, Thierry Henry und Nicolas Anelka.

Die Schwächen:

Eine der Stärken wird der Grande Nation allerdings auch als Schwäche ausgelegt. Spieler wie Abwehrchef Lilian Thuram oder die Doppelsechs mit Claude Makelele und Patrick Vieira haben ihren Zenit bereits überschritten. Ein Wagnis, die älteren Herrschaften auf den wichtigsten Positionen überhaupt aufzustellen. Dazu hat Kapitän Vieira wegen zahlreicher Verletzungen nur 16 Spiele für Inter Mailand bestritten.

Dasselbe Problem auf der Torhüterposition: Stammkeeper Gregory Coupet fiel nach einem Kreuzbandriss lange aus, fand in der Rückrunde erst wieder zu alter Stärke.

Der Trainer

Domenech ist zwar erfolgreich, bei den Fans aber nicht beliebt. Dem 56-Jährigen wird wenig Flair beschieden, den Medien gegenüber ist er oft mürrisch.

Er lässt fast immer im klassischen 4-4-2 mit einem Viereck im Mittelfeld (Vieira, Makelele, Ribery, Malouda) spielen. Die Position hinter den Spitzen bleibt unbesetzt.

In Ausnahmefällen praktizieren die Franzosen aber auch ein 4-5-1. Dann wäre Henry die einzige Spitze, der sprunghafte Anelka dafür draußen. Die Zehnerposition füllt dann der blutjunge Nasri aus.

Der Spieler im Fokus:

Alle Augen richten sich auf Karim Benzema. Der 20-Jährige von Olympique Lyon hat in seiner vierten Saison in der Ligue 1 endgültig den Durchbruch geschafft, wurde Torschützenkönig (20 Treffer) und Spieler des Jahres.

Europas Topklubs sind hinter dem Sohn algerischer Einwanderer her. Bislang aber hielt Benzema den Lockrufen aus Barcelona, Madrid, Mailand oder London stand.

Die Prognose:

Für die starke Gruppe C fällt eine Prognose selbstredend schwer. Allerdings haben die Franzosen zum Auftakt mit Rumänien den vermeintlich leichtesten Gegner. Ein Sieg im ersten Spiel könnte schon die halbe Miete sein.

Und jeder, der die "Todesgruppe" übersteht, muss für den folgenden Turnierverlauf als absoluter Topfavorit gelten. Frankreich macht da natürlich keine Ausnahme.

 

Stefan Rommel

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