Montag, 26.05.2008

Österreich im Porträt

Auspeitschen erwünscht

München - Die Verunsicherung war groß in Österreich. Der Co-Gastgeber hatte Angst, sich bei der Europameisterschaft im eigenen Land bis auf die Knochen zu blamieren.

EM, Österreich, Nationalmannschaft, 2008
© Getty

Zu groß schien der Abstand zu den europäischen Top-Teams zu sein, immerhin gewann die Alpenrepublik 2007 nur eins seiner zwölf Länderspiele und war in der FIFA-Weltrangliste auf Platz 91 abgerutscht.

Sogar ein freiwilliger Verzicht auf den Startplatz wurde - wenn auch nicht ganz ernst gemeint - in den Medien diskutiert.

Zwei ordentliche Auftritte gegen Deutschland (0:3) und die Niederlande (3:4) haben die Stimmung im Land jedoch gedreht. Man glaubt wieder an seine Fußballer - und das ist ein wichtiger Faktor. Denn eins ist klar: die Mannschaft hat kein europäisches Spitzenniveau. Österreich muss versuchen, von Beginn an wie Südkorea bei der WM 2002 auf einer Welle der Begeisterung zu reiten.

Zusammen mit Peter Pacult (48), österreichischer Meistertrainer von Rapid Wien und zwischen 2001 und 2003 Coach des TSV 1860 München, stellt SPOX.com Gastgeber Österreich vor.

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Die Stärken:

Peter Pacult (Ex-Nationalspieler)
Peter Pacult (Ex-Nationalspieler)

Auch wenn drei Gegentore gegen Deutschland und vier gegen Holland nicht dafür sprechen, die Stärken der Österreicher liegen in der Defensive. Mit Martin Stranzl (Spartak Moskau) und Emmanuel Pogatetz (FC Middlesbrough) ist durchaus internationale Klasse vorhanden. Dazu kommt mit dem zukünftigen Bremer Sebastian Prödl (Sturm Graz) ein hoffnungsvolles Talent.

Zusammen mit Rene Aufhauser (Red Bull Salzburg) sind die Defensivspieler extrem gefährlich bei Standardsituationen, die alle von Spielmacher Andreas Ivanschitz (Panathinaikos Athen) ausgeführt werden. "Die ruhenden Bälle sind eine gefährliche Waffe, weil wir sehr viele gute Kopfballspieler haben", sagt Pacult.

Als rot-weiß-rotes Faustpfand sieht der 48-Jährige die mannschaftliche Geschlossenheit und die Aufbauarbeit, die Trainer Josef Hickersberger seit seinem Amtsantritt 2006 geleistet hat. "Vor zwei Jahren gab es einen großen Einschnitt in der Mannschaft. Seitdem hat sich das Team gefunden und ist miteinander gewachsen. Dazu kommt natürlich das Heimpublikum, das die Mannschaft nach vorne peitschen wird."

Die Schwächen:

Dem Team fehlt in der Breite Qualität, Erfahrung und die Fähigkeit, die Konzentration und das Tempo über 90 Minuten hochzuhalten.

Österreich hatte lange Zeit ein Stürmerproblem. In zwölf Länderspielen 2007 erzielte das ÖFB-Team nur sieben Treffer. "Wir hatten in den vergangenen zwei Jahren einfach keinen Torjäger. Mit der Nominierung von Rapid-Talent Jimmy Hoffer könnte dieses Problem allerdings gelöst sein", gibt sich Pacult optimistisch.

Zudem steht hinter der Personalie Aufhauser noch ein Fragezeichen. Der defensive Mittelfeldspieler ist für die Kompaktheit der Mannschaft enorm wichtig. Aufgrund einer langen Verletzungspause ist aber noch unklar, in welchem Fitnesszustand er in das Turnier gehen wird. Aufhausers Ausfall wäre eine erhebliche Schwächung.

Der Trainer:

Josef Hickersberger hat ähnlich wie Jürgen Klinsmann in Deutschland alte Strukturen aufgebrochen und einen Neuanfang im ÖFB-Team mit vielen jungen Spielern eingeleitet. Unterstützt wird er dabei von Teammanager Andreas Herzog.

Meist lässt Hickersberger im 4-4-2-System spielen. Bei Bedarf schickt er auch nur eine Spitze aufs Feld. Dennoch beschreibt Pacult den Teamchef als offensiv denkenden Trainer, der sich nicht nur hinten einigeln will.

Bei der Nominierung seines vorläufigen EM-Kaders, der 31 Spieler umfasst, machte Hicke klar, dass für ihn bei diesem Turnier vor allem Teamgeist und gute Stimmung zählen. Schwierige Charaktere wie Paul Scharner (Wigan Athletic) zählen nicht zum Aufgebot. "Er legt großen Wert auf Disziplin - auf und außerhalb des Platzes", meint Pacult.

Der Spieler im Fokus:

Erwin "Jimmy" Hoffer: Der erst 21-jährige Angreifer von Rapid Wien gilt als das größte Stürmertalent der Alpenrepublik. Für den österreichischen Meister erzielte er in dieser Saison zehn Treffer und war damit bester Schütze seines Teams.

"Er hat sich bei Rapid sehr gut weiterentwickelt. Er ist schnell und torgefährlich Spieler", beschreibt Pacult seinen Schützling.

Die Prognose:

Österreichs Abschneiden hängt maßgeblich vom Auftaktspiel gegen Kroatien ab. Nur ein erfolgreicher Start verleiht den Gastgebern Flügel. Geht der Auftakt aber daneben, ist in der Vorrunde Schluss.

"Die drei anderen Mannschaften in der Gruppe waren vor zwei Jahren bei der WM, deshalb sind sie die Favoriten. Aber mit dem Publikum im Rücken kann die ein oder andere Überraschung geschafft werden", so Pacult.

"Es wäre aber auch keine Schande, wenn wir gegen so starke Gegner ausscheiden würden. Wenn der Einsatz und die Leistung stimmen, kann man in Österreich in jedem Fall zufrieden sein."

 

Andreas Lehner

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