Donnerstag, 27.03.2008

Ohne Worte

Lehmann stoppt Nummer-1-Debatte

Basel - Rekord ausgebaut, souverän gespielt - Jens Lehmann konnte im Baseler St. Jakob-Park ohne Einspruch wortlos an den Reportern vorbeihasten und entspannter nach London auf die Ersatzbank des FC Arsenal zurückkehren.

Lehmann, Schweiz
© Getty

"Jetzt kommt sicherlich mehr Ruhe rein", sagte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke und machte angesichts der aufgeregten Debatten um Deutschlands EM-Torhüter kein Hehl aus der Erleichterung der sportliche Leitung der Nationalmannschaft.

Lehmann war beim 4:0 gegen die Schweiz nicht viel beschäftigt, aber immer konzentriert und zupackend, wie beim Distanzschuss von Daniel Gygax (59.). Mit 90 fehlerlosen Minuten stoppte der die Medien boykottierende Lehmann nach der schwachen Leistung beim 3:0 gegen Österreich die Nummer-1-Debatte. "Es gibt da, glaube ich, bis zur EM keine Diskussionen mehr", kommentierte Kapitän Michael Ballack.

Möglicherweise kein Spiel mehr bis zur EM

Vor allem intern, bei Trainern und Teamkollegen, ist die Lehmann-Debatte durch, auch wenn dieser bis zum Start der EM-Vorbereitung am 19. Mai womöglich kein Spiel mehr machen sollte.

"Es ist natürlich blöd, wenn du nicht spielst im Verein, da hast du wenig Argumente", räumte Ballack ein. Der Kapitän sah sich als Fürsprecher für Lehmann bestätigt: "Jens zeigt aber auch mit seiner Leistung, dass er zurecht im Tor steht."

Löw hochzufrieden

Bundestrainer Joachim Löw hatte gesehen, was er von seinem 38-jährigen Schlussmann verlangt hatte: "Er hat Ruhe ausgestrahlt und die Abwehr gut organisiert. Jens war sehr konzentriert, auch vor dem Spiel."

Und Köpke verwies zudem auf eine Zahl: 621 Minuten. Seit über zehn Stunden ist Lehmann in Länderspielen unbezwungen. Der Letzte, der ihn überwinden konnte, war Ballacks Chelsea-Kollege Frank Lampard beim deutschen 2:1-Sieg in England am 22. August 2007.

Lehmanns Position unumstritten

"Das sind die Dinge, die für Jens sprechen, ebenso wie die Aussagen der Kollegen", betonte Köpke. Tatsächlich stellt im Mannschaftskreis keiner Lehmanns Position infrage. Erst recht wirbt niemand öffentlich für die voraussichtlichen EM-Fahrer Timo Hildebrand und Robert Enke - oder einen Jungen wie Rene Adler oder Manuel Neuer.

Die beiden Youngster aus Leverkusen und Schalke sind weiter im Rennen um ein EM-Ticket - aber nicht für die Nummer 1. Die ist und bleibt Lehmann, unabhängig vom ständig schwankenden Meinungsbild bei Fans, Experten und Medien. "Wir können nicht nach einer TED-Umfrage aufstellen, sonst hätten wir nach jedem Länderspiel einen anderen Torwart zwischen den Pfosten", meinte Köpke.


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