Sonntag, 23.03.2008

"WM-Verdienste reichen nicht"

Ballack fordert mehr Leistung

Basel - Michael Ballack hat seine Kollegen in der deutschen Nationalmannschaft eindringlich davor gewarnt, die Europameisterschaft in diesem Sommer als Selbstläufer zu sehen.

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© Getty

Zwar sieht der Kapitän das DFB-Team gut zwei Monate vor dem ersten EM- Spiel gegen Polen "auf einem guten Weg". Doch jetzt müsse man wieder an die sehr guten Leistungen vom letzten Jahr anknüpfen, sagte Ballack vor dem Länderspiel in Basel gegen EM-Mitgastgeber Schweiz.

"Ab jetzt gibt es ein neues Turnier - das schwierigste überhaupt -, bei dem man sich von den alten Verdiensten nichts mehr kaufen kann", betonte der gebürtige Sachse in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Das Sommermärchen ist vorbei

Schon in der Schweiz müsse die Mannschaft "ein gutes Spiel machen gegen einen sehr starken Gegner, der auch noch Heimvorteil hat", ergänzte Ballack im "SonntagsBlick". Die Schweizer seien stärker einzuschätzen als die Österreicher.

Vor allem den Erfolg und die Euphorie bei der WM 2006 im eigenen Land müssten alle endlich abhaken. "Das Schulterklopfen nach dem dritten Platz bei der WM hat sehr lange angehalten. Aber diese Zeit ist vorbei", erklärte der 31-jährige Profi vom FC Chelsea, der den Begriff "WM-Held" nicht mehr hören kann: "Dann frage ich mich, wer denn eigentlich 2006 Weltmeister geworden ist."

Der Wahl-Engländer will im Herbst seiner Laufbahn unbedingt noch einen internationalen Titel gewinnen und fordert auch von seinen Kollegen eine Steigerung. "Es reicht eben nicht aus, sagen zu können: 'Ich war doch schon bei der WM 2006 dabei, als wir Dritter wurden'."

EM-Plätze offen wie selten

Ballack hält im Moment die Vergabe der 23 EM-Plätze für so offen "wie lange nicht mehr". Fitness und Spieleinsätze seien für jeden EM- Kandidaten eine wichtige Grundvoraussetzung in einem so herausfordernden Turnier, unterstrich der Kapitän.

"Allerdings ist die Situation für den einen oder anderen in der Nationalmannschaft so, dass es leichter ist, für Deutschland zu spielen als im jeweiligen Verein. Früher war die Nationalmannschaft eine Auszeichnung für die besten deutschen Spieler", ergänzte Ballack.

Ballack spricht sich für Lehmann aus

In der Torwartfrage sieht Ballack allerdings eine Ausnahme. Trotz der derzeitigen Reservistenrolle beim FC Arsenal sieht er Jens Lehmann als klare Nummer 1.

"Aufgrund seiner Klasse und Erfahrung halte ich Jens als Stammtorwart für unverzichtbar", sagte der Kapitän.


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