Torhüter sorgen für Aufsehen

Das ständig Unbeständige

Von Stefan Rommel
Freitag, 07.03.2008 | 12:44 Uhr
© Imago
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München - Wie gut, dass der Andreas Köpke so ein bodenständiger Typ ist.

Köpke war ja in seiner aktiven Zeit einer der besten Torhüter der Welt. Das war vor zehn Jahren. Jetzt ist er sogar noch was viel besseres als einer der besten Torhüter der Welt.

Andy Köpke ist jetzt der BTT, was sicherlich auch eine der besten Abkürzungen der Welt ist. Und als solcher Bundestorwarttrainer muss der Andreas demnächst zusammen mit dem Jogi und dem Hansi darüber entscheiden, wer denn im Sommer mit in die Schweiz und nach Österreich darf.

Ein verantwortungsvoller Job, gelten doch die deutschen Torhüter weltweit immer noch als die Besten. Und so war Köpke bis neulich immer offen für alles und jeden.

"Kontakt? Warum auch?"

Dann hat er aber dem "Kicker" in einer kleinen Zeile durch die Blume verständlich gemacht, dass der Ton jetzt rauer wird, dass jetzt bald Schluss sein muss mit den Diskussionen und dass die Entscheidung naht . Wenn sie nicht längst schon gefallen ist.

Auf die Frage, ob er denn jetzt endlich auch mal den Kontakt zu Bremens Tim Wiese gesucht habe, erwiderte Köpke resolut: "Nein, warum auch? Ich kann nicht jeden Kandidaten anrufen. Dann würde ich in der Bundesliga nur herumtelefonieren müssen."

Adler mit guten Chancen

Ob Tim Wiese beim UEFA-Cup-Auftritt seiner Bremer deshalb so oft daneben gegriffen hat im Glasgower Ibrox-Park, ist nicht einwandfrei zu belegen. Die Wiese-Patzer in der Diashow! Aber es hat wieder mal bestätigt, was wohl auch das Trainerteam des DFB schon längst weiß.

Wirklich beständig, wirklich konstant ist keiner der Herausforderer. Rene Adler jetzt mal ausgenommen. Der ist zwar erst 23, spielt aber schon wie einer mit 33. Soldie, abgeklärt, bisweilen überragend. Wie man sich einen Torhüter eben vorstellt. Aber der Rest?

Es ist noch gar nicht so lange her, da galten Wieses drei gehaltene Elfmeter binnen vier Tagen als Gütesiegel und unmissverständlicher Türöffner für den EM-Kader.

Spott und Häme für Wiese

Aber dann das. "Der Ball flatterte ganz schön, rutscht mir dann durch die Hände. So ein Mist, das darf natürlich nicht passieren", entschuldigte sich der Bremer für sein Missgeschick beim ersten Gegentor und schob noch hinterher: "Auch das Ding beim 2:0 muss ich festhalten."

Die übertragende BBC fand für Wieses Leistung weniger diplomatische Worte: "Wiese ist einfach nur schrecklich." Hämische Stimmen sprachen schon von "Wiese für Schottland".

Es fehlt die Konstanz 

Offenbar hatte sein Kollege Manuel Neuer einen Tag zuvor schon zu ausgiebig aus dem vollen Topf der Torhüterparaden genascht. Der Schalker, in den letzten Wochen stark in der Kritik, machte in Porto wohl das Spiel seines Lebens.

Für ihn gilt aber ebenso wie für Wiese: Es fehlt die Konstanz - und dieses wohlige Gefühl der absoluten Sicherheit, das man als Mitspieler, Trainer oder Fan hat, wenn er im Tor steht.

Aber immerhin eines haben Wiese, Neuer oder Adler gemeinsam: Sie spielen regelmäßig. Und im Hinblick auf die zeit nach der EM könnte das einem zum Verhängnis werden.

Rensing fehlt ein ganzes Jahr

Michael Rensing wird ja ab Juli die Nummer eins bei der Nummer eins. Der 23-Jährige spielt bei den Bayern bisher aber nur ab und an - und wenn er dann mal ran darf, kann er selten wirklich zeigen was er kann.

In Anderlecht blieb Rensing nahezu beschäftigungslos. Seine bisher gezeigten Leistungen werden im Rennen um den Platz im deutschen Tor nach der EM kein Faktor sein, so viel steht fest - da kann sich Uli Hoeneß ("Michael Rensing ist die kommende Nummer eins im deutschen Tor") auf den Kopf stellen.

Im Gegenteil: Während die Konkurrenten dann schon Spielpraxis und Erfahrung als Nummer eins im Verein haben, fängt Rensing quasi bei Null an. Ihm fehlt eine ganze Saison.

Und wer weiß, wen sich die Bayern als zweiten Mann anlachen. Zu sicher sollte sich Rensing nicht sein. Jürgen Klinsmann hat ja schon einmal für einen Überraschungsmoment in der Torhüterfrage gesorgt. Andreas Köpke soll damals auch ein Wörtchen mitgeredet haben.

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