Porträt Tschechische Republik

Die nächste Generation

Von Stefan Moser
Dienstag, 04.12.2007 | 11:42 Uhr
Tschechien, Team, EM 2008
© Getty
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München - Dass ein Mann kurz vor der Rente plötzlich noch zur Stilkone wird, ist ziemlich außergewöhnlich. Karel Brückner, dem weisen alten Mann des tschechischen Fußballs, ist genau dieses Kunstück gelungen.

Nach der verpatzten Qualifikation für die WM 2002 übernahm Brückner die Nationalmannschaft Tschechiens (die besten Bilder in der SPOX-Diashow) und führte sie in kurzer Zeit bis auf Platz zwei der FIFA-Weltrangliste.

Viel eindrucksvoller als die nackten Zahlen, war aber die Art und Weise, wie sie zustande kamen. Brückners fußballerisches Konzept und seine Spielphilosophie wirkten in den ersten Jahren seines Erfolges offensichtlich stilbildend.

In einer Zeit als man im vorklinsmännischen Deutschland vertikal noch allenfalls die Bäume hochkletterte, aber von vertikalem Fußball noch nicht die leiseste Ahnung hatte, demonstrierte ein tschechischer Trainer weit jenseits der 60 bereits die moderne Stilart: Schnell, flach, geschlossen und mit hoher Laufbereitschaft in die Spitze spielen und mit aggressivem Pressing schon in der gegnerischen Hälfte die Bälle erobern.

Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Höhepunkt EM 2004 - Deutschland geschlagen, unglücklich im Halbfinale gegen Griechenland raus. Dann der Rückschlag bei der  WM 2006. Die Mannschaft war in die Jahre gekommen. Es folgte der Rücktritt der Leistungsträger Pavel Nedved, Karel Poborsky, Vratislav Lokvenc und Valdimir Smicer.

"Es gab einen deutlichen Schnitt. Und so ein Umbruch braucht einfach eine gewisse Zeit. Aber wir haben in der Qualifikation bewiesen, dass wir aus diesem Loch herausgekommen sind und wieder eine starke Mannschaft haben. Wir haben mit Deutschland letztlich eine der besten Mannschaften Europas - vielleicht sogar der Welt - geschlagen und waren am Ende Erster in der Gruppe", sagt David Jarolim gegenüber SPOX.com.

Stärken:

Taktische Grundordnung, Disziplin, mannschaftliche Geschlossenheit.  Klingt nach Standard-Vokabeln aus dem Trainerlehrgang für Anfänger. Wer sich dafür jedoch praktischen Anschauungsunterricht wünscht, kann ihn sich bei der tschechischen Mannschaft holen.  

"Wir haben sehr gute Einzelspieler, die sich aber durch die Bank in den Dienst der Mannschaft stellen. So spielen wir taktisch sehr diszipliniert, treten sehr geschlossen auf und können im richtigen Moment die entscheidenden Tore machen. Das sind sicher die Hauptgründe für unseren Erfolg", meint Jarolim.

Das Prunkstück ist die italienische Viererkette mit Zdenek Grygera (Juventus Turin), Tomas Ujfalusi (AC Florenz) und Marek Jankulovski (AC Mailand) - dazu David Rozehnal (Newcastle United)

Schwächen:

Der Umbruch ist noch nicht zu hundert Prozent vollendet, die erste Nachfolge-Generation war schwächer. Daher fehlt die Breite im Kader und Ausfälle - vor allem in der Offensive - können kaum kompensiert werdern.

Das Mittelfeld entwickelt bis auf Tomas Rosicky kaum Torgefahr. Zudem ist das Spiel der Tschechen meist berechenbar, da sie viel mit langen Bällen auf Koller operieren, der dann auf Rosicky ablegt. Funktioniert das nicht, gibt's kaum Alternativen.

Denn Milan Baros ist von seiner Form der EM 2004 weit entfernt und die Jungen, die mit der U 20 Vize-Weltmeister wurden, sind noch nicht soweit und auch nicht integriert.

Taktik:

Am liebsten lässt Brückner ein klassisches 4-4-2 mit zwei offensiven Außen spielen. Rosicky, der sich auf der Halbposition ohnehin wohler fühlt, kommt dann auf der Halbposition. Falls sich kein zweiter Stürmer neben Koller aufdrängen sollte, könnten die Tschechen auch ein 4-5-1 mit noch offensiveren Außen spielen.

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