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Joker Lingard erlöst die Three Lions

Von Christoph Köckeis
Sonntag, 21.06.2015 | 20:21 Uhr
Spät, aber nicht zu spät durfte Englands U21 gegen Schweden jubeln
© getty
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Venlo

England gelingt am zweiten Spieltag der Gruppe B ein überlebenswichtiger Erfolg: Schweden wird mit 1:0 (0:0) in die Knie gezwungen - ein Geniestreich sorgt für die Erlösung.

Im Olmützer Ander Stadium sahen die 15.000 Fans über weite Strecken dasselbe Bild: Der Favorit von der Insel dominierte, Schweden verteidigte beherzt. Als es nach der nächsten Überraschung aussah, traf der eingewechselte Jesse Lingard sehenswert zum Endstand (84.).

England meldet sich nach der Auftaktpleite gegen Portugal zurück und rangiert nun punktgleich (3) vor Schweden. Tabellenführer Portugal (3) kann im Duell mit Italien (0) bereits das Halbfinale fixieren und den U21-Rekordtitelträger aus dem Turnier kicken.

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Southgate stellt nach dem 0:1 gegen Portugal um: Pritchard ersetzt Lingard, soll auf dem linken Flügel mehr Gefahrenmoment kreieren und Harry Kane mit Hereingaben füttern. Auf der Doppelsechs, Englands Problemzone, erhält Hughes den Vorzug gegenüber Ward-Prowse.

Bei Schweden rückt Lindelöf für den gesperrten Abwehrchef Milosevic (Rot) nach. Während er rechts verteidigt, zieht Trainer Ericson Baffo nach innen neben Helander. Links im Mittelfeld darf anstelle von Larsson, der beim überraschenden 2:1 über Italien erste Wahl war, Tibbling ran.

28.: Was für eine Chance! Zum ersten Mal kommen die Three Lions gefährlich vor das Tor. Jenkinson wird auf der rechten Seite nicht energisch angegriffen und findet mit seiner Flanke in der Mitte Kane. Er muss ihn eigentlich machen, macht er aber nicht. Der Kopfball aus kurzer Distanz landet denkbar knapp daneben.

29.: Und gleich nochmal, dieses Mal wird Pritchard auf der linken Strafraumseite nicht attackiert. Er legt ab auf Hughes, der im Zentrum zu viel Platz hat. Eine starke Parade von Carlgren verhindert den Einschlag. Wieder nichts.

43.: Guidetti legt einen Pass nahe des Sechzehners ab. Kiese Thelin nimmt volles Risiko und den Ball direkt. Butland ist auf seinem Posten und kann den Schuss, der einen Tick zu zentral ausfällt, um für echte Gefahr zu sorgen.

65.: Nach langer Zeit ein Lebenszeichen der Engländer. Kane behauptet sich im Strafraum, dreht sich um die eigene Achse und zieht ab. Der Schuss wird geblockt, landet aber erneut vor seinen Füßen. Er passt zurück zu Jenkinson. Dessen Schuss landet am Außennetz.

84., 0:1, Lingard: Fünf Minuten vor dem Ende gelingt England der Lucky Punch. Eine Ecke von der rechten Seite kommt gefährlich in den Fünfer, wird dort von Carlgren weggefaustet, allerdings direkt zu Lingard. Der nimmt ihn mit der Brust an und zieht vom linken Eck des Sechzehners ab. Traumtor!

Fazit: England erarbeitete sich diesen Dreier! Über 90 Minuten machten die Schweden zu wenig und wurden in der Schlussphase bestraft.

Der Star des Spiels: Jesse Lingard. Er kam, sah und knipste. Nachdem ihn Southgate aus dem Lineup rotierte, zeigte er die einzig wahre Reaktion. Sein Treffer war nicht nur hübsch anzusehen, jener hielt sein Team auch im Turnier.

Der Flop des Spiels: Will Hughes. Er sollte mehr Ordnung ins zentrale Mittelfeld bringen. Das Talent von Derby County fand jedoch nie ins Spiel. Mal versuchte er es defensiver, mal offensiver, bloß sein Einfluss hielt sich in Grenzen. Von der gewünschten Dominanz war keine Spur - in der Pause wurde er ausgewechselt. Nebenmann Chalobah machte es kaum besser, mit seiner physischen Präsenz wusste er dennoch Eindruck zu hinterlassen.

Der Schiedsrichter: Javier Estrada (Spanien). Wenn ein Unparteiischer nicht groß in Erscheinung tritt, ist es meist ein gutes Zeichen. Estrada bestätigte diese These. Eine grundsolide Vorstellung. Knifflige Szenen bot dieses Duell kaum. Einerseits strahlte er Ruhe aus, andererseits machten es ihm die 22 Mann auf dem Rasen nicht allzu schwer.

Das fiel auf:

  • Wie gegen Italien glänzte Schweden mit Grundtugenden wie Kampfgeist oder Laufbereitschaft. Das oberste Ziel blieb stets dasselbe: Ordnung wahren und auf Konter lauern. Ersteres gelang über weite Strecken, offensiv klappte wenig bis gar nichts.

  • England zeigte durchaus ansprechende Ballstafetten, ohne jedoch wirklich Räume zu gewinnen. Gegen ein dicht gestaffeltes 4-4-2, welches das Zentrum dominierte, ließ man die Struktur vermissen. Kane hing so oft in der Luft.

  • Wenn es gefährlich wurde, dann nach Flanken, oder wenn Kane mal die Möglichkeit hatte, mit dem Rücken zum Kasten prallen zu lassen. Aufmerksame Schweden ließen das selten zu und hatten im Strafraum meist Überzahlsituationen.

  • Southgate brachte in der Halbzeit Danny Ings für Hughes, um Druck zu erzeugen. Er hatte aber das gleiche Problem wie Kane davor alleine: Die Unterstützung von hinten fehlte. Man war zu berechenbar, zu statisch.
  • Schweden konnte sich darauf einstellen. Selbst in höchster Bedrängnis brachte man immer ein Bein dazwischen. Einzig beim Treffer von Lingard nicht.

Schweden - England: Die Daten zum Spiel

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