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Der Schwächste fliegt

Von Daniel Reimann
Sonntag, 21.06.2015 | 18:00 Uhr
Max Meyer (l.) konnte auch gegen Dänemark sein Potenzial nicht abrufen
© getty
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Der starke Auftritt der deutschen Mannschaft beim 3:0 gegen Dänemark beweist: Trainer Hrost Hrubesch hat nach dem Serbien-Spiel an den richtigen Stellschrauben gedreht und auf das richtige Personal gesetzt. Doch bleibt er in seiner Gangart konsequent, muss nun wohl der Nächste dran glauben.

Mit Eigenlob wollte sich keiner schmücken. Alle Spieler betonten die starke Mannschaftsleistung, feierten ihre Mitspieler und priesen das Kollektiv. "Letztlich ist egal, wer von Beginn an spielt", sagte Leonardo Bittencourt in der Mixed Zone. "Wer da im Endeffekt spielt, ist völlig egal, weil die Qualität so hoch ist", ergänzte Kevin Volland.

So sehr man ihr Bemühen, keinen Spieler herauszuheben oder Einzelne zu diskreditieren, nachvollziehen kann, so offensichtlich ist auch: Beide Sätze sind Quatsch. Und wenn es eines Beweises bedurfte, so lieferte ihn das Spiel gegen Dänemark.

Trainer Horst Hrubesch hat aus der Analyse des Auftaktspiels gegen Serbien Konsequenzen gezogen. Er hat an mehreren Stellschrauben gedreht - und sie entpuppten sich als die richtigen. Die Wechsel in der Startelf waren ein zentraler Faktor für den Spielausgang.

Kimmich als Problemlösung

Da war zum Beispiel Moritz Leitner, der gegen Serbien einen enorm schlechten Start erwischte. Ihm fehlte die Bindung zum Spiel und überhaupt die Präsenz. Er verlor viele Bälle im Spielaufbau, verlagerte zu behäbig und setzte seine Flügelspieler zu selten in Szene. Auch die Abstimmung mit der Innenverteidigung war mangelhaft und ermöglichte den Serben zahlreiche Wege über die Halbräume ins Zentrum. Die fehlende Spielpraxis beim VfB Stuttgart war ihm deutlich anzumerken.

Nach 45 Minuten brachte Hrubesch Joshua Kimmich, der ihm in der Folgezeit keine andere Wahl ließ, als ihn gegen Dänemark von Beginn an aufzustellen. Kimmich agierte einerseits als Staubsauger, laut Opta kam er auf neun Ballsicherungen. Eine seiner Balleroberungen leitete den Spielzug zum 1:0 ein, eine weitere den vor dem Freistoß zum 2:0.

Andererseits spielte Kimmich die Bälle, die Leitner vermissen ließ. Schnelle Verlagerungen, die Flügelspieler stärker einbeziehend. Damit war ein zentrales Problem der Partie gegen Serbien gelöst.

Umstellung im Sturm greift

Als ähnlich erfolgreich stellte sich Hrubeschs zweiter Wechsel heraus. Leonardo Bittencourt begann an Stelle von Philipp Hofmann und Volland rückte damit ins Sturmzentrum. Auf Rechtsaußen stand Bittencourt dem Hoffenheimer in puncto Dynamik und Spielfreude in nichts nach, er entwickelte sogar noch ein wenig mehr Power im Angriffsdrittel.

Dafür wurde der Unterschied im Sturmzentrum deutlich. "Gegen die Dänen machen hohe Bälle keinen Sinn, sie sind in der Mitte sehr stabil. Deshalb haben wir beschlossen untenrum zu spielen", erklärte Hrubesch seinen Beweggrund. Der Plan ging auf.

Hofmann, der deutlich klassischere Mittelstürmer, ist weniger der Typ für Doppelpässe auf engem Raum. Im Gegensatz zu Hofmann kann Volland flache Anspiele schneller verarbeiten und seine technisch versierten Offensivkollegen besser und direkter in Szene setzen. Die dadurch ermöglichte Fluidität im Angriffsspiel bereitete Dänemarks Defensive gewaltige Probleme.

Younes nutzt 2. Chance - Meyer nicht

Darüber erwies es sich als richtig, dass Hrubesch von einer Stellschraube die Finger lies, obwohl ein Wechsel nachvollziehbar gewesen wäre. Amin Younes blieb gegen Serbien über weite Strecken unauffällig - auch weil zu wenig über die Außenpositionen lief. Sein Trainer gab ihm eine zweite Chance, die Lieblingsschüler Younes zu nutzen wusste.

Seine Dribblings waren eine Augenweide, sein Zug zum Tor für die Gegenspieler oft überfordernd. "Es muss einfach Spaß machen", schwärmte er hinterher. "Wir wussten, dass wir mehr über die Außen kommen müssen. Das hätten wir schon gegen Serbien so machen müssen", so seine Analyse.

Mit dem Vertrauen des Trainers und dem Rückenwind der Führung drehte Younes gegen Dänemark richtig auf. Im Gegensatz zu einem seiner Nebenmänner, der wie schon gegen Serbien über weite Strecken abtauchte. Die Rede ist von Max Meyer. Auch er erhielt eine zweite Chance - doch er nutzte sie nicht.

Reichlich Alternativen

Sollte Hrubesch auch nach dieser Partie ähnlich konsequent auf die Mängel des deutschen Spiels reagieren, wäre Meyer wohl die erste Stellschraube. Er wirkte vor allem in der ersten Halbzeit verloren im Zentrum und nahm zu selten am Spiel teil.

Über 90 Minuten führte er nur vier Zweikämpfe (von denen er einen gewann). Wie schon im Auftaktspiel forderte er zu wenige Bälle und wählte bisweilen unverständliche Laufwege. Erst als sich Dänemark nach dem 0:3 aufgegeben hatte und die Garbage Time ihre Schatten vorauswarf, konnte sich Meyer ein paar Mal gut in Szene setzen.

Nichtsdestotrotz wäre ein Wechsel auf seiner Position die naheliegendste Konsequenz vor dem Spiel gegen Tschechien. Alternativen hat Hrubesch reichlich. Da wäre einerseits Yunus Malli, der bei Mainz als Zehner seine beste Saison hinter sich hat und ebenfalls ein feiner Techniker mit reichlich Spielwitz ist.

Eine andere Möglichkeit bestünde darin, Younes auf die Meyer-Position im Zentrum zu ziehen und ihn dafür auf Linksaußen zu ersetzen. Felix Klaus und Serge Gnabry könnte Hrubesch hierfür bringen. Oder aber: Maximilian Arnold, ein frischgebackener Pokalsieger, der bei Wolfsburg lange Zeit auf der linken Außenbahn verbrachte, bevor er immer öfter auf die Sechs beordert wurde.

4-3-3 mit Geis als Schlüssel?

Die womöglich interessanteste Variante bestünde allerdings in einem Systemwechsel. Die Serben hatten ihr Defensivzentrum über weite Strecken abgeriegelt, auch die Dänen waren leichter über Außen zu knacken. Hrubesch könnte also auf ein 4-3-3 umstellen, um das Flügelspiel noch stärker zu forcieren. Und nebenbei könnte er einen Mann bringen, der dem DFB-Team neue Möglichkeiten verleihen könnte.

Die Rede ist von Johannes Geis. Der Mainzer ist einer der heißesten Transferkandidaten des Sommers, von Dortmund über Gelsenkirchen bis nach Rom. Geis genießt seit knapp zwei Jahren einen immer weiter anwachsenden Hype, dessen Berechtigung er mit einer konstant starken Saison beim FSV unterstrich.

Unter Hrubesch war er bei dieser EM jedoch bisher keine Option. Zu gut hat das Duo Kimmich/Can in der zweiten Halbzeit gegen Serbien und vor allem gegen Dänemark harmoniert. "Es passt im Moment mit Can und Kimmich", betonte Hrubesch nach dem Spiel auf der Pressekonferenz.

Mit Geis als Absicherung auf der Sechs könnten die beiden auf den Halbpositionen jedoch ihre offensiven Stärken noch mehr ausleben. Das gilt vor allem für Can, der mit seinen energischen Umschaltaktionen das deutsche Konterspiel immer wieder vorantreibt. "Ich weiß, dass ich mich auf ihn verlassen kann", sagt Hrubesch, als er auf Geis angesprochen wird. "Der Weg ist lang, der ein oder andere wird sicher reinkommen." Es wäre nur konsequent.

Deutschland - Dänemark: Die Daten zum Spiel

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