Fussball

"Ich kann es mir nicht erklären"

Von Daniel Reimann
Milos Jojic wechselte im Winter 2013/2014 zu Borussia Dortmund
© getty

Vom Traumdebüt zum Bankdrücker: Milos Jojic durchlebte eine schwere Zeit bei Borussia Dortmund. Mit Serbien droht ihm bei der U21-Europameisterschaft das Aus in der Vorrunde. Im Interview spricht er über Enttäuschung, verwehrte Chancen und Forderungen an den Verein. Außerdem: Seine Final-Absprache mit Teamkollege Matthias Ginter.

SPOX: Herr Jojic, Serbien hatte einen guten Start in die U21-EM gegen Deutschland. Weshalb ging die anschließende Partie gegen Tschechien derart klar verloren?

Milos Jojic: Wir haben gegen Deutschland ein richtig gutes Spiel gezeigt. Aber Tschechien war uns in vielerlei Hinsicht in jedem Moment überlegen. Sie haben verdient gewonnen.

SPOX: Deutschland schien im ersten Spiel sehr überrascht von der entschlossenen Gangart der Serben gewesen zu sein. Waren Sie denn überrascht über die Probleme, die die deutsche Mannschaft in ihrem Spiel hatte?

Jojic: Die gegnerische Mannschaft kann nur so oft ihr eigenes Spiel aufziehen, wie man ihr Möglichkeiten dafür gibt. Wir haben die Deutschen gut unter Druck gesetzt. Wir waren aggressiver, schneller und vieles mehr. Es schien, als hätten wir die drei Punkte dringender gewollt als sie. Gegen Tschechien war es schließlich andersrum.

SPOX: Noch ist nichts verloren. Wenn Serbien das letzte Gruppenspiel gegen Dänemark gewinnt und gleichzeitig von Deutschland Schützenhilfe bekommt, wäre das Weiterkommen möglich. Haben Sie schon mit Ihrem Dortmunder Teamkollegen Matthias Ginter gesprochen?

Jojic: Ich habe noch nach dem Dänemark-Spiel mit ihm gesprochen. Ich habe ihm zu seinem fantastischen Tor gratuliert. Am Ende des Gesprächs hat er gesagt: "Wir sehen uns im Finale." Das reicht als Aussage (lacht). Aber erst einmal müssen wir die Dänen schlagen.

SPOX: Wie gut tut ihnen die Spielpraxis hier bei der U21 nach einer Saison mit nur ganz wenigen Einsätzen?

Jojic: Meinen Sie psychologisch oder physisch?

SPOX: Sagen wir: beides.

Jojic: Aus psychologischer Hinsicht ist es klar: Ich fühle mich bestens hier. Das ist ein ganz besonderes Gefühl, für die Nationalmannschaft auflaufen zu dürfen. Ich bin stolz und gebe alles für den Erfolg der Mannschaft. Was das Physische anbetrifft: Ich war selbst positiv überrascht, wie gut es auf dem Platz läuft. Ich habe in den letzten Monaten nur wenige Minuten gespielt, aber ich habe dennoch keine Probleme.

SPOX: Ist es vielleicht sogar ein Vorteil für Sie im teaminternen Konkurrenzkampf, dass sie zuletzt nicht so stark belastet wurden?

Jojic: Das ist alles Kopfsache. Wenn man sich einredet, dass man ausgelaugt ist, wird man automatisch müde. Unabhängig davon wie viel man gespielt hat oder nicht..

SPOX: Haben Sie schon mit Ihrem neuen Trainer Thomas Tuchel gesprochen?

Jojic: Nein, bisher nicht. Er kam ja erst eine Woche nach dem Pokalfinale nach Dortmund. Ich hatte noch keine Gelegenheit, ihn zu sehen und mit ihm zu sprechen.

SPOX: Als Sie einst von Partizan Belgrad zur Borussia wechselten, fiel Ihnen da die Umgewöhnung vom Publikumshelden - seit dem entscheidenden Tor im Derby gegen Roter Stern - zu einem "normalen" Spieler unter vielen schwer?

Jojic: Als ich bei Partizan unterschrieben habe, war ich in derselben Situation. Ich habe hart dafür gearbeitet, jeden Tag. In Dortmund war ich dann wieder in dieser Lage. Ich musste mich jedem gut präsentieren: dem Coach, den Spielern, den Fans.

SPOX: Eigentlich lief Ihr Einstand bei Dortmund ordentlich. Sie trafen beim Debüt nach Ihrer Einwechslung, sie spielten ein großartiges Rückspiel gegen Real Madrid in der Champions League. Wie kam es so weit, dass sie beim BVB derart ins Abseits geraten sind?

Jojic: Ehrlich gesagt: Ich kann es mir nicht erklären. Ich habe meinen Job gemacht, aber plötzlich flog ich aus der Startelf. Ich habe genauso hart weitergearbeitet, womöglich noch härter als zuvor. Aber in der Rückrunde war die einzige Chance, das zu beweisen, im letzten Liga-Spiel gegen Bremen. Das kann man keine Chance nennen, denn ich spielte nur ein paar Minuten.

SPOX: Fühlen Sie sich als Mensch enttäuscht?

Jojic: Ich wäre kein Mensch, wenn ich nicht enttäuscht wäre. Natürlich tut das weh. Aber ich muss es akzeptieren. Das wird meine Pläne und meine Fußballerkarriere nicht zerstören. Ich denke positiv und hoffe, dass es nächste Saison besser wird. Das ist so im Fußball: Mal bist du ganz oben, dann wieder ganz unten.

SPOX: Es gab im Winter Gerüchte über ein mögliches Leih-Geschäft nach Köln. Wie nah war ein solcher Deal?

Jojic: Damals hatte ich keinerlei konkrete Information vom Verein. Wir waren im Trainingslager in Spanien, als ich in der Zeitung davon las, ich könnte ausgeliehen werden. Aber, ganz ehrlich: Niemand im Verein hat mich darauf angesprochen. Deshalb hat sich das wieder gelegt und ich bin geblieben.

SPOX: Wäre es denn eine Option gewesen?

Jojic: Ich möchte jetzt nicht zu viel über meine Vereinskarriere sprechen. Ich muss mich auf die Nationalmannschaft konzentrieren. Danach werde ich einzig und allein mit Borussia Dortmund sprechen und gemeinsam werden wir Entscheidungen treffen. Das Wichtigste für mich ist, dass ich nächste Saison deutlich mehr Einsatzzeit bekomme.

SPOX: Wie fühlt sich für Sie der Abschied von Jürgen Klopp an? Der Trainerwechsel könnte für Sie auch eine neue Chance sein, oder?

Jojic: Ich habe riesigen Respekt vor Jürgen Klopp. Ich bin stolz, dass ich mit ihm zusammenarbeiten durfte. Jeder weiß, was er Borussia Dortmund gegeben hat. Aber jetzt hat er die Entscheidung getroffen zu gehen. Die gilt es zu respektieren. Und ja, prinzipiell bedeutet ein neuer Trainer auch immer eine neue Chance.

Milos Jojic im Steckbrief

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