Fussball

"Ich habe nicht alles gegeben"

Von Aus Olmütz berichten: Christoph Köckeis und Daniel Reimann
Samstag, 27.06.2015 | 22:33 Uhr
© getty

Nach der Halbfinal-Blamage gegen Portugal brodelt es im deutschen Lager gewaltig: Matthias Ginters Vorwurf sorgt für Rätselraten. Emre Can rechnet durch knallharte Selbstkritik mit sich und der Mannschaft ab.

Ein Turnier-Aus zu beschreiben, fällt keinem Profi dieser Welt leicht. Wenn es jedoch aus einem 0:5 im EM-Halbfinale resultiert, herrscht vor allem eines: pure Fassungslosigkeit. Bei der deutschen U21 war es am Samstagabend genauso. Sie kam gegen Portugal mit 0:5 böse unter die Räder. In welcher Art und Weise Matthias Ginter das Geschehene verbal abkanzelte, kam indes überraschend.

"Es müssen sich einige hinterfragen, ob ihre Vorbereitung so professionell war, wie es erforderlich gewesen wäre", sagte er in der Mixed Zone. Ihm sei die körperliche Verfassung einiger ein Rätsel. Nach einem Tag mehr Regeneration lief man zu oft nur hinterher, wirkte gegen die portugiesischen Leichtfüße heillos überfordert. Offensiv wie defensiv fehlte Souveränität und Esprit.

Etwas kryptisch meinte Ginter: "Wir werden das intern genau besprechen. Es muss ja Gründe haben, wieso wir da vorgeführt wurden." Die Taktik, relativierte Ginter, habe dabei keinerlei Rolle gespielt.

Can tadelt sich selbst

"Wir hätten mit jeder Formation verloren. Mit der Herangehensweise kann es nicht funktionieren", so der Abwehrchef von Borussia Dortmund. Aussagen, die Zündstoff besitzen, zumal es um das Endspiel einer EM ging. Was oder wen er damit meint, konkretisierte er nicht.

Das blieb schließlich Emre Can vorbehalten. Er tadelte sich schonungslos ehrlich: "Man kann 0:5 verlieren, man kann 0:10 verlieren - wenn man danach in den Spiegel gucken kann und alles gegeben hat. Bei mir persönlich war es so, dass ich nicht alles gegeben habe."

In dem Turnier gehörte er zu den großen Stützen, erntete für seine Auftritte im Mittelfeld reichlich Lob. Seine körperliche Präsenz beeindruckte - diesmal war nichts davon übrig. Möglicherweise seien ihm die Lobeshymnen zu Kopf gestiegen und hätten den Blick getrübt: "Vielleicht dachte ich mir, ich bin der Größte. Keine Ahnung, was mit mir war. Ich muss wieder auf den Boden kommen. In diesen zwei Wochen wurde ich viel gelobt."

"Das war eine Frechheit"

Der Liverpool-Star enttäuschte gegen Portugal auf ganzer Linie, konnte nie die Dominanz vorheriger Partien entwickeln. "Das war eine Frechheit", sagte er zur Kollektivleistung. Dass die Professionalität in der Vorbereitung gefehlt habe, wollte er gleichwohl nicht bestätigen.

Vor zwei, drei Tagen war man Pizza essen. Für Can kein Problem: "Es hat nichts mit einer Pizza zu tun. Man kann sich mal was gönnen, wenn man zwei Wochen hier ist. Es ist nichts vorgefallen."

Matthias Ginter im Steckbrief

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