Konstant inkonstant

Von Daniel Reimann
Montag, 29.06.2015 | 13:55 Uhr
Bei der U21-EM scheiterte die deutsche Mannschaft im Halbfinale gegen Portugal
© getty
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Deutschlands U21 schwankte bei der EM in Tschechien zwischen Himmel und Hölle. Echte Lichtblicke boten das Zentrum und der Kapitän, andere fielen komplett durch. Und Trainer Horst Hrubesch...? Die deutsche Mannschaft in der Turnier-Einzelkritik.

Trainer: Wie viel Vertrauen ist zu viel?

Horst Hrubesch: Hrubeschs Dogma im Umgang mit seinen Spielern lautet: Vertrauen. Auf jeder Ebene. Er vertraut seinen Spielern, indem er an sie glaubt, wenn sie mal schlechte Leistungen bringen. Indem er ihnen die Rückendeckung schenkt, die ihnen die mediale Öffentlichkeit nach schwachen Auftritten nicht bieten kann. Aber er vertraut seinen Spielern auch, indem er ihnen Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zugesteht.

"Wir haben Regeln festgelegt, manche Regeln habe ich die Spieler selbst festlegen lassen", erklärte Hrubesch nach Turnierende, als sich alle fragten, worauf Matthias Ginters Vorwurf der mangelnden Professionalität abgezielt hatte. "Eins kann ich versprechen: Ich bin nicht blind. Wenn etwas gewesen wäre, hätte ich es als Erster gewusst", wehrte sich Hrubesch. Ein Satz, der zum Nachdenken anregt.

Die eine Frage, die sich stellt, lautet: War Hrubesch in seinem vertrauensvollen, väterlichen Umgang ein wenig zu gutgläubig? Laut Bild missfiel es einzelnen Spielern, wie euphorisch im Bus die Olympia-Qualifikation nach dem Tschechien-Spiel gefeiert wurde. Auch mit der Anführer-Rolle von Emre Can, der im entscheidenden Spiel wie kein Anderer versagte, soll nicht jeder einverstanden gewesen sein.

Darüber hinaus kann man Hrubeschs Festhalten an einzelnen Spielern hinterfragen. Hat er manchen zu stark vertraut? Hätte er Meyer nicht schon nach dem schwachen Serbien-Spiel rausnehmen müssen? Wieso durfte Leitner überhaupt ran, der in der Liga kaum mehr in Erscheinung trat? Und weshalb war für die Bundesliga-Leistungsträger wie Arnold und Geis (bis auf das Portugal-Spiel) überhaupt kein Platz?

Sein Team hat gegen Dänemark gezeigt, dass es Offensivfußball zelebrieren kann. Aber die Schwankungen innerhalb der 90 Minuten und über den gesamten Turnierverlauf waren bedenklich - trotz des noch jungen Alters. Hrubesch hatte qualitativ wohl den besten Kader der EM zur Verfügung. Dass seine Spieler im Halbfinale als Kollektiv scheiterten, rückt auch ihn in ein etwas schlechteres Licht. Trotz alledem bleibt unterm Strich eines von zwei erstrebten Zielen: die erste Olympia-Qualifikation seit 28 Jahren. Note 3,5

Trainer: Wie viel Vertrauen ist zu viel?

Tor: Der Zweikampf wird weitergehen

Abwehr: Problemzone Außenverteidiger

Mittelfeld: Starkes Zentrum und verwehrte Chancen

Sturm: Kapitän als Vorbild und das Taktikopfer

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