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Team mit Herz

Donnerstag, 07.07.2016 | 10:44 Uhr
Portugal hat zum ersten Mal bei dieser EM ein Spiel nach 90 Minuten gewonnen
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Portugal zieht nach einem 2:0-Erfolg gegen Wales zum ersten Mal seit 2004 wieder ins Endspiel einer Europameisterschaft ein. Die Qualität der Mannschaft steht und fällt mit der sportlichen Weltklasse von Cristiano Ronaldo - doch in einem Bereich ist CR7 nur einer von vielen.

Unmittelbar als der Abpfiff ertönte, Portugal nach 2004 wieder ins EM-Endspiel eingezogen war und Hauptakteur Cristiano Ronaldo vor der Fankurve feierte, stellten in den sozialen Netzwerken ein paar böse Zungen die Frage, weshalb Ronaldos PR-Agentur nicht in der Lage gewesen sei, auch nach Spielende einen Selfiejäger zu ihm zu schicken.

Zwei solche hatten den Superstar nämlich schon vor Beginn der Partie aufgesucht, der eine zückte sein Handy für ein gemeinsames Bild und der andere schlich sich mit aufs Mannschaftsfoto. Ronaldo quittierte dies jeweils mit der von beiden Fans angestrebten Zusammenarbeit und einem Lächeln.

Muss nicht immer Superlative geben

Auf dieser Welt werden wir es nicht mehr erleben, dass Ronaldo vor, während und nach einem Spiel nicht permanent im Rampenlicht steht. Das Gockelhafte an ihm, das viele stört, ist mit Verweis auf seine sportliche Weltklasse jedoch zu schlucken.

Es gibt Begegnungen wie diese am Mittwochabend in Lyon zwischen Ronaldos Portugiesen und dem Underdog aus Wales, wo CR7 zwar keine kontinuierlichen Glanzlichter setzt, nach 90 Minuten aber dennoch eine überlegene Leistung abgeliefert hat. Ein Kopfballtreffer der ganz großen technischen Klasse, eine nicht wirklich beabsichtigte Torvorlage, ein, zwei ordentliche Abschlüsse - es muss nicht immer Superlative geben.

Die Qualität der portugiesischen Mannschaft steht und fällt seit Jahren mit Ronaldos Fähigkeiten. Man sollte sie allerdings einzusetzen wissen. Das gelang in der Seleccao immer mal wieder, oft aber auch nicht. Das Portugal der EM 2016 bekommt dies auf einem halbwegs ausbalancierten Niveau hin, wenn auch die eigenen Leistungen sowie die der Gegner während dieser Endrunde keine besonders hohe Fußballkunst darstellten.

Eingespielt, geschlossen, effizient

Ronaldo ist im Team von Portugal das Herz. Dieses besitzt er auch als Spieler, die restliche Truppe jedoch genauso. Und diese Art der Mentalität kommt bei ihnen im Laufe des Turniers immer positiver zum Tragen. Trainer Fernando Santos, der am Spielfeldrand wie ein trauriger Clown wirkt und bald zwei Jahre im Amt ist, hat daran ebenfalls seinen Anteil, seine Elf hat sich in Frankreich Stück für Stück stabilisiert.

Auf dem Platz springen dann keine spielerischen Finessen heraus, mit einer Über-Mannschaft haben wir es keinesfalls zu tun. Allerdings mit einer gut eingespielten, die geschlossener geworden ist und taktisch variabel wie vor allem effizient agiert.

CR7 tritt als Portugal auf

Die Ausfälle der Defensiven William Carvalho und Pepe fing man gegen Wales unabhängig vom Endergebnis ohne spürbare Verluste auf. Während man zu Beginn des Turniers noch einen klassischen Mittelfeldstrategen wie einst Deco vermisste, hat das nicht gerade erfahrene Mittelfeld nun eine ausreichende Form erreicht. Santos' Kaderzusammenstellung erscheint schlicht ausgeglichen.

Die Hingabe, mit der Portugal im Rahmen seiner Verhältnisse spielt, durchdringt das Team aber mehr als die individuelle Qualität seiner Einzelteile. Ronaldo ist nicht wegen eines disziplinierten Defensivverhaltens berühmt, doch gibt jemand wie er natürlich die Richtung vor, wenn er recht häufig Läufe gegen den Ball anzieht. CR7 tritt bei der EM nicht als Einzelmarke auf, er tritt als Portugal auf.

Wir-Gefühl zwischen Land und Mannschaft

Fast jeder befragte Spieler hat betont, wie glücklich ihn der Einzug ins Endspiel besonders für die Menschen in Portugal mache. "Ich kann nicht beschreiben, wie ich mich fühle. Es ist noch nicht zu Ende, jetzt ist ein Moment zum Feiern, es ist ein historischer Abend für unser Land", sagte etwa Torschütze Nani. Jenes Wir-Gefühl trägt die Mannschaft, sie vermittelt es aber auch den Fans auf den Rängen.

Das all dies zu einer Qualifikation für das Finale führt, ist damit natürlich nicht per se gesagt. Vor allem die Portugiesen haben den neuen Turniermodus extrem ausgereizt, fünf Remis für ein Halbfinale sollten grundsätzlich als sehr grenzwertig betrachtet werden.

Kritisiert werden muss die portugiesische Nationalmannschaft dafür aber nicht. Sie hat in den K.o.-Spielen Kroatien, Polen und Wales niedergerungen - mit Ronaldos Hilfe. Weil das einer der Gründe für ihre Qualität ist.

Portugal - Wales: Die Statistik zum Spiel

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