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Xhaka verschießt - Polen weiter

Samstag, 25.06.2016 | 17:43 Uhr
Für die Schweiz und Polen war es das erste EM-K.o.-Rundenspiel ihrer Verbandsgeschichte
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Polen steht im Viertelfinale der EM 2016 in Frankreich. Die Mannschaft gewann gegen die Schweiz mit 6:5 nach Elfmeterschießen. Zuvor ging es mit einem 1:1 in die Verlängerung.

Vor 41.130 Zuschauern im Stade Geoffroy Guichard ging Polen durch das zweite Turniertor von Jakub Blaszczykowski kurz vor der Pause in Führung (39.). Der Flügelspieler war somit an fünf der sechs EM-Tore in Polens Geschichte direkt beteiligt (drei Tore, zwei Vorlagen).

Die Schweiz kam kurz vor Ende der regulären Spielzeit durch ein sensationelles Fallrückziehertor von Xherdan Shaqiri zum Ausgleich (82.). Für Polen setzte es damit nach 370 Minuten mal wieder ein Gegentor. Für die Schweiz bleibt es damit dabei: Seit der WM 1938 hat man bei großen Turnieren kein K.o.-Rundenspiel mehr gewonnen.

Im Viertelfinale trifft Polen am Donnerstag um 21 Uhr in Marseille auf Portugal (Do., 21 Uhr im LIVETICKER).

Reaktionen:

Vladimir Pektovic (Trainer Schweiz): "Wir hatten anderes verdient. Es ist sehr schade, die Jungs haben alles gegeben. Am Ende mussten wir eigentlich ein Tor schießen. Am Anfang war die Nervosität zu groß. Meine EM-Bilanz ist sehr positiv, wir müssen lernen, jeden Tag besser zu werden."

Adam Nawalka (Trainer Polen): "Es war ein sehr schwieriges Spiel, aber darauf waren wir vorbereitet. Die Schweiz ist weltklasse, nach unserem Führungstor haben sie uns zurückgedrängt. Unsere erste Halbzeit war exzellent, wir hätten mehr Tore machen können. Meine Spieler haben über die gesamte Spielzeit hervorragend gearbeitet. Das stimmt mich zuversichtlich für das nächste Spiel. Wir haben Elfmeterschießen geübt, die Schützen hatte ich schon vorher bestimmt."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Die Schweizer nach dem 0:0 im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich mit nur einer Änderung der Startelf: Seferovic stürmt für Embolo.

Polen nach dem 1:0-Erfolg über die Ukraine dagegen mit vier Neuen: Piszczek, Maczynski, Grosicki und Blaszczykowski kommen für Cionek, Jodlowiec, Zielinski (alle Bank) und Kapustka (nicht im Kader).

1.: Welch ein Auftakt! Sommer wirft nach links zu Djourou, dessen Rückpass viel zu kurz ist. Sommer klärt im letzten Moment vor Lewandowski, dann semmelt Milik aus 16 Metern die Kugel über das so gut wie leere Tor.

10.: Mehmedi spielt Shaqiri links frei. Dessen flache Hereingabe an den kurzen Pfosten schießt Dzemaili ans linke Außennetz.

29.: Eckball Polen von links. Milik bringt den Ball an den langen Pfosten, wo Behrami schläft und Krychowiak aus sieben Metern frei köpfen lässt - daneben.

33.: Kuba flankt im Fallen von rechts. Der Ball geht zum langen Pfosten durch. Milik wird von Mehmedi nicht bewacht, doch der Pole schießt mit links knapp über den Kasten.

35.: Eckball Schweiz durch Rodriguez von links. Der Ball rutscht durch, sodass Schär frei zum Kopfball kommt. Der Hoffenheimer bekommt aber keinen Druck auf den Ball, kein Problem für Fabianski.

39., 0:1, Blaszczykowski: Grosicki geht von links in die Mitte und hat Glück, dass der Ball bei ihm bleibt. Flachpass im Strafraum rechts rüber zu Kuba, Milik springt gekonnt über den Ball. Kuba steht frei vor Sommer und trifft flach rechts unten.

46.: Shaqiri mit der Ecke von rechts. Xhaka verlängert am ersten Pfosten mit dem Kopf, Milik muss kurz vor der Torlinie mit einem Befreiungsschlag klären.

51.: Shaqiri kommt rechts vor dem Strafraum an die Kugel, legt sie sich ein Stück nach innen und zieht mit links ab. Fabianski wehrt den harten Schuss ab.

53.: Kuba zieht diagonal von rechts in die Mitte und schießt aus 16 Metern mit links. Sommer pariert die Kugel aus dem linken Toreck.

73.: Freistoß Schweiz durch Rodriguez. Der Linksschuss des Wolfsburgers aus rund 20 Metern segelt in Richtung rechter Torwinkel, doch Fabianski fliegt heran und fischt die Kugel stark aus dem Eck.

78.: Nach einer flachen Hereingabe von rechts kommt zuerst Djourou zum Abschluss, sein Schuss wird abgewehrt. Der Abpraller landet bei Seferovic, der mit links abzieht. Der Ball kracht an die Latte!

82., 1:1, Shaqiri: Eine Flanke von Rodriguez von links kommt über Umwege in Richtung Shaqiri, der halbrechts an der Strafraumlinie lauert. Anstatt den hohen Ball anzunehmen, springt er ab und zieht mit einem artistischen Fallrückzieher ab, der Ball schlägt unhaltbar für Fabianski im rechten Toreck ein.

89.: Seferovic bringt eine gute Flanke von rechts an den zweiten Pfosten. Embolo steht frei und versucht es auch mit einem Fallrückzieher, erwischt aber den Ball nicht richtig.

113.: Shaqiri schnibbelt aus der Zentrale eine Flanke in den Strafraum. Derdiyok ist Glik entwischt und köpft freistehend auf den Kasten. Fabianski klärt mit einer tollen Parade. Großchance für die Eidgenossen!

118.: Seferovics Hereingabe von links wird Richtung kurzer Pfosten abgefälscht. Derdiyok ist vor Pazdan am Ball, bekommt im Fallen aus kurzer Distanz aber keinen Druck mehr auf den Ball.

Elfmeterschießen:

2:1 Lichtsteiner

2:2 Lewandowski

Xhaka schießt links neben das Tor

2:3 Milik

3:3 Shaqiri

3:4 Glik

4:4 Schär

4:5 Blaszczykowski

5:5 Rodriguez

5:6 Krychowiak

Fazit: Die Polen gingen nicht unverdient in Führung, in den restlichen 75 Minuten wurde die Schweiz immer stärker und war in der Verlängerung nah dran am Weiterkommen. Das gelang dann aber dem Gegner glücklich im Elfmeterschießen.

Der Star des Spiels: Jakub Blaszczykowski. Bestätigte auch im Achtelfinale seine starke Form bei diesem Turnier. Gefährlichster Offensivspieler Polens, der zudem die meisten Zweikämpfe bestritt und sechs erfolgreiche Tacklings leistete. Neben seinen beiden Treffern mit zwei weiteren guten Torabschlüssen.

Der Flop des Spiels: Johan Djourou. Startete nach wenigen Sekunden mit einem zu kurzen Rückpass in die Partie, in dessen Folge Milik zu einer Großchance kam. Dazu immer wieder mit kleineren Wacklern und unnötigen Ballverlusten. Auch im Zweikampf nicht besonders stark, der Hamburger gewann lediglich 40 Prozent seiner Duelle.

Der Schiedsrichter: Mark Clattenburg. Überzeugender Auftritt des Engländers, der mit seinem Gespann vor allem bei knappen Abseitsentscheidungen häufig richtig lag. Souveräne Körpersprache gegenüber den Spielern. Das harte Einsteigen von Schär gegen Lewandowski kurz nach der Pause hätte allerdings eine Rote Karte verdient gehabt (55.).

Das fiel auf:

  • Bei hohen Temperaturen ein sehr lethargischer Beginn der Eidgenossen. Ballverteiler Xhaka - ohnehin ziemlich tief positioniert - wurde von den Polen gut gepresst, die Anbindung an die Offensive fehlte deshalb oftmals. Die Schweiz hatte den Großteil des Ballbesitzes und legte ihr Spiel sehr breit an, es mangelte jedoch vor allem in den offensiven Halbräumen an Tempo und Bewegung, um ertragreich in die Tiefe zu kommen.
  • Polen startete gegen den Ball aggressiv und verteidigte längeren Schweizer Ballbesitz auch mal mit fünf, sechs Mann in der letzten Linie. Mit Ball verlegte man sich letztlich aufs Konterspiel, streute jedoch bei anhaltenden Ballpassagen auch gute Verlagerungen auf die linke Seite ein, die Außenverteidiger standen relativ hoch. Insgesamt agierten die Polen lange Zeit mit einer variableren Spielanlage als die Schweizer.
  • Aufgrund des Spielstands passten beide Teams ihre Herangehensweise im zweiten Abschnitt an. Die Schweiz stellte nach der Hereinnahme von Embolo auf ein 4-4-2. Die erhöhte Risikobereitschaft führte zu einem besseren Kombinationsspiel über die Flügel, auch ins Gegenpressing kam man nun schneller. Polen dagegen zog sich weiter zurück, kam aber zu einigen guten Schnellangriffen, da die Schweizer in ihrer letzten Verteidigungslinie durchgehend Probleme beim Einrücken und Übergeben der Gegenspieler offenbarten.
  • Polen wurde mit zunehmender Spieldauer allerdings immer passiver und stand sehr tief. Das Herausrücken war zu schwach, um sich dem Druck der Schweizer längere Zeit zu entziehen. Gerade auf den Flügeln waren zudem die Abstände zu den Gegenspielern zu groß.
  • Das Schweizer Übergewicht hielt sich auch in der Verlängerung, wenn auch Dynamik und Tempo auf beiden Seiten ausblieben. Polen hatte körperlich auch immer mehr zu kämpfen, sie hatten vor der Partie immerhin zwei Tage weniger Pause als der Gegner.

Schweiz - Polen: Die Statistik zum Spiel

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