Fussball

Gefahr kommt von rechts

Von Für SPOX in Marseille: Benedikt Treuer
Toni Kroos könnte gegen Frankreich wieder größere Chancen zur Spieldominanz erlangen

Wie schon bei der WM 2014 in Brasilien bekommt es Deutschland im Halbfinale mit dem Gastgeber zu tun (Do., 21 Uhr im LIVETICKER). In welchen Mannschaftsteilen ist Frankreich besonders stark aufgestellt? Wo ist die Grande Nation anfällig? Und wie muss Deutschland spielen, um erfolgreich zu sein? In Zusammenarbeit mit dem Institut für Fußballmanagement macht SPOX den Check.

Spielweise und Personal

Monatelang vor der EM gab es in Frankreich, was die Nationalmannschaft betraf, fast nur ein Thema: Karim Benzema. Schlussendlich entschied sich Trainer Didier Deschamps wie erwartet dazu, den Real-Stürmer nicht zu nominieren - im Zuge der Erpressungsaffäre um Teamkollege Mathieu Valbuena.

Auch wenn Benzema sportlich unverzichtbar schien, dankten die Fans Deschamps diese Entscheidung. Denn es war auch ein klares Signal in Richtung der vielversprechenden französischen Nachwuchsspieler, dass sie die Zukunft im Land sind. Gerade in der Offensive.

Anthony Martial, Antoine Griezmann und Kingsley Coman durften entsprechend schon alle ran bei dieser EM. Ihre individuelle Klasse überragt, vor allem Griezmann hat seinen Status als Hoffnungsträger bislang bei dieser Endrunde noch einmal untermauert. Mit bereits vier Treffern führt er die Torschützenliste an. Es macht Spaß, ihm zuzuschauen.

Ansonsten ist der ganz große Name natürlich Paul Pogba. Juves Mittelfeld-Juwel hat schon in einigen Aktionen klar gemacht, warum er so begehrt ist. Er ist auf der Sechs neben Blaise Matuidi gesetzt. Das sind auch Hugo Lloris im Tor, Patrice Evra und Bacary Sagna auf den Außenverteidiger-Positionen und Laurent Koscielny im defensiven Zentrum. Schwer wiegen die verletzungsbedingten Ausfälle von Kurt Zouma, Raphael Varane and Jeremy Mathieu.

Die größte Überraschung des Turniers war Dimitri Payet. Der 29-Jährige von West Ham United hat bei der EM schon dreimal getroffen, unter anderem mit seinem Knaller im Eröffnungsspiel gegen Rumänien. Im Sturmzentrum ist Olivier Giroud gesetzt, Andre-Pierre Gignac durfte allenfalls ran, um Arsenals Angreifer Pausen zu verschaffen.

Frankreich hat bei der Heim-EM bislang in zwei verschiedenen Spielsystemen agiert: Im 4-2-3-1 beziehungsweise in einem 4-3-3, das in den letzten anderthalb Jahren eigentlich das bevorzugte System darstellte. Gegen Island wählte Deschamps mit dem 4-2-3-1 aber wieder die Grundformation aus, die die Wende im Achtelfinale gegen Irland herbeiführte.

Die Franzosen griffen im Angriff auf zwei Methoden zurück: Den langen Ball von Pogba oder Matuidi über die beiden Viererketten der Isländer auf Giroud oder - sobald das eher zurückhaltende Pressing der beiden isländischen Stürmer überspielt war - mit kurzen Direktpässen, wobei Griezmann und Sissoko auf rechts immer wieder zwischen die beiden Ketten kamen.

"Deutschland muss sich darauf einstellen, dass Frankreich im Ballbesitz ebenfalls mit zwei sehr offensiven Außenverteidigern agieren wird. Evra und Sagna schieben sehr hoch. Zeitgleich rücken dann die Flügelspieler nach innen. Im Wechsel mit dem Zehner Griezmann verändern sie dann im Zentrum immer wieder die Positionen", erklärt Alexander Schmalhofer, Leiter des Fachbereichs Spiel- und Taktikanalyse des Instituts für Fußballmanagement.

Es ist aber nicht davon auszugehen, dass der EM-Gastgeber Deutschland sehr weit vorne schon zustellen wird: "Frankreich läuft den Gegner meistens aus einem kompakten 4-3-3-Mittelfeldpressing an. Stürmer Giroud verschiebt kurz nach der Mittellinie mit der Ballzirkulation des Gegners. Lediglich situativ attackiert Frankreich höher. Dann sind es in der Regel die Flügelspieler, die ein kurzzeitiges Forechecking auf die Außenverteidiger einleiten", so Schmalhofer.

Die Achter Matuidi und Pogba agierten im bisherigen Turnierverlauf oft mannorientiert und grenzen den Aktionsradius des gegnerischen Sechsers ein. Kroos muss sich also darauf einstellen, dass er verfolgt und unter Druck gesetzt wird, sobald er sich im Spielaufbau fallen lässt.

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Seite 2: Stärken und Schwächen

Seite 3: So will Deutschland Frankreich schlagen

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