DFB-Gegner Italien in der Analyse

Das Herz schlägt neben dem Platz

Donnerstag, 30.06.2016 | 10:57 Uhr
Antonio Conte hört nach der EM als italienischer Nationaltrainer auf
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Nach der bitteren Halbfinalpleite 2012 gibt's für Deutschland am Samstag (21 Uhr im LIVETICKER) im EM-Viertelfinale das Wiedersehen mit Angstgegner Italien. In welchen Mannschaftsteilen ist die Squadra Azzurra besonders stark aufgestellt? Wo sind die Italiener anfällig? Und wie muss Deutschland spielen, um erfolgreich zu sein? In Zusammenarbeit mit dem Institut für Fußballmanagement macht SPOX den Check.

Spielweise und Personal

Italien hat nicht mehr den einen Star. Es gibt keinen Totti oder Pirlo mehr, 2016 liegt das Augenmerk so stark wie lange nicht mehr auf dem Kollektiv. Das tut Italien gut, alle fühlen sich gleichermaßen für Erfolg und Misserfolg verantwortlich.

Entgegen der bisherigen deutschen Gegner steht Antonio Conte in Sachen Spielweise eher für Variabilität. Vor der EM testete er viel, wobei sich bei der Endrunde in Frankreich das 3-5-2 gegenüber dem klassischen 4-4-2 durchsetzte.

Doch auch dieses System ist keinesfalls starr festgezurrt. Vielmehr nimmt Conte immer wieder kleine Anpassungen vor, je nach Gegner und Matchplan. Im Achtelfinale gegen Spanien liefen die Italiener den Titelverteidiger zum Beispiel phasenweise in einem 3-4-3 an - und schalteten auch so um.

"Im Spiel mit dem Ball rücken die Italienischen Außenverteidiger nach vorne, bleiben aber auf dem Flügel und halten die Breite. Der zentrale Mittelfeldspieler De Rossi, der gegen Deutschland auszufallen droht, blieb meistens vor der erfahrenen Juventus-Turin-Dreierkette um Boncucci, Barzagli und Chiellini. Die Halbraumspieler Giaccherini und Parolo orientieren sich fast immer nach vorne in Richtung der Stürmer Eder und Pelle. Situativ sind sie aber auch in den Halbräumen für die Verteidiger anspielbar", erklärt Alexander Schmalhofer, Leiter des Fachbereichs Spiel- und Taktikanalyse des Instituts für Fußballmanagement.

Elementar ist die vertikale Spieleröffnung der Italiener. Sie eröffnen das Spiel meistens durch flache oder hohe vertikale, gegnerüberwindende Zuspiele in die Halbräume oder direkt in die Spitze auf Pelle. Dort werden die Zuspiele festgemacht oder weitergeleitet. "Anhand der Laufwege erkennt man ein klares Muster im Spiel durchs Zentrum. Italien leitete auch alle fünf Tore des Turniers durch das Zentrum ein. Diese Spieleröffnung kennt man bereits von Juventus Turin", beschreibt Schmalhofer weiter.

Italiens Spiel gegen den Ball "ist eigentlich so gar nicht italienisch", sagt der Fachbereichsleiter. "Schließen die Italiener einen eigenen Angriff im vorderen Drittel ab, bleiben sie im Angriffspressing. Die Spanier liefen sie in diesen Situationen dann bereits an deren Strafraum an und zwangen sie so, den langen Ball zu spielen." Das hatte zur Folge, dass die Spanier sich unglaublich schwer taten, ihr geliebtes Kombinationsspiel aufzuziehen. Auf der anderen Seite konnten Barzagli, Bonucci und Chiellini die hohen Bälle in der Luft problemlos verteidigen.

Die Erwartungshaltung in Italien war vor der EM gewissermaßen niedrig, zumal mit Marco Verratti und Claudio Marchisio zwei einflussreiche Mittelfeldspieler verletzungsbedingt ausfielen. Gerade durch das Achtelfinal-Spiel gegen Spanien steht nun aber wieder das gesamte Land hinter den Azzurri.

Interessant sind auch die vielen international eher unbekannten Stars im Team: Emanuele Giaccherini, Eder, Graziano Pelle, Marco Parolo und Mattia De Sciglio sind hier zu nennen. Sie machten bisher mit starken Leistungen bei der EM auf sich aufmerksam und fallen neben den allseits bekannten Buffon, Boncucci, Barzagli und Chiellini kaum mehr ab.

Antonio Candreva (Adduktorenverletzung) und womöglich auch Daniele De Rossi (Oberschenkelprellung) werden gegen Deutschland fehlen. Thiago Motta ist gelbgesperrt ebenfalls nicht dabei.

Seite 1: Spielweise und Personal

Seite 2: Stärken und Schwächen

Seite 3: So will Deutschland Italien schlagen

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