Ungarn kann gegen Island alles klar machen

Marschiert Ungarn weiter?

SID
Freitag, 17.06.2016 | 12:31 Uhr
Zoltan Stieber bejubelte seinen Treffer gegen Österreich
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Außenseiter Ungarn kann mit einem Sieg gegen Island den Sprung ins EM-Achtelfinale schaffen. Es wäre vor allem ein Verdienst von Trainer Bernd Storck, der ein wenig im Schatten seines berühmten Assistenten steht.

Andreas Möller ist noch immer ein sehr begehrter Mann. Wann immer der Co-Trainer der ungarischen Nationalmannschaft auftaucht, scharen sich die Journalisten um ihn.

Kameras schalten die Scheinwerfer ein und zoomen auf sein Profil. Möllers Chef bleibt in diesen Momenten im Schatten des deutschen Welt- und Europameisters. Aber Bernd Storck ist dabei, sich bei der EM in Frankreich auch selbst einen Namen zu machen.

Sollten "Storcks Riesen" auch ihr zweites Gruppenspiel am Samstag (18 Uhr im LIVETICKER) in Marseille gegen Island gewinnen und den Achtelfinal-Einzug perfekt machen, würde sehr viel Ruhm auf den deutschen Cheftrainer der Ungarn abstrahlen. Das ist auch höchste Zeit, findet Möller: "Er ist jemand, der 24 Stunden am Tag den Fußball lebt und liebt."

Job eines Helden

Wer der Chef von beiden ist, wird auf dem Trainingsplatz deutlich. Storck gibt die Anweisungen, laut und klar. Mit einem Sprachmix: "Play the ball! Immer inside, outside! Keep going, ja?" Wenn die Übungen komplizierter werden, übersetzt ein Ungar aus dem Trainerstab. Auch im Gespräch mit der Presse bleibt der frühere Dortmunder Bundesligaprofi lieber bei seiner Muttersprache.

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Die gestiegene Aufmerksamkeit bei der EM genießt Storck. Als sich eine UEFA-Sprecherin bei einer Pressekonferenz an den Zeitplan halten und die Gesprächsrunde abbrechen wollte, blieb er einfach sitzen und beantwortete weitere Fragen.

Der Mann mit den zurückgegelten grauen Haaren ist eloquent, sein Auftreten immer freundlich. Dabei waren die ungarischen Medien dem unbekannten Trainer zunächst mit großer Skepsis begegnet, "weil sie mit mir als Nachfolger von Pal Dardai nichts anzufangen wussten", erinnert sich der 53-Jährige: "Den Job von einem Helden im Land zu übernehmen, ist eben nicht einfach."

Personen mit "neuem Spirit"

Doch Storck, der vier Monate vor seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr als Sportdirektor beim ungarischen Fußballverband angeheuert hatte, überzeugt alle. Die erste EM-Qualifikation der früheren Fußball-Großmacht seit 44 Jahren und der überraschende 2:0-Auftaktsieg gegen den Favoriten Österreich sind auch seine Verdienste. "Man sieht ganz genau, dass wir im Spiel immer einen Plan haben", sagt Nationaltorhüter Peter Gulacsi vom Bundesliga-Aufsteiger RB Leipzig.

Mit dem deutschen Trainer-Trio, das durch Torwart-Coach Holger Gehrke komplettiert wird, kam der Erfolg nach Ungarn zurück. "Wir wissen, was zu tun ist, um erfolgreich zu sein", sagt Möller: "Und natürlich haben wir auch deutsche Tugenden." Ordnung und Struktur kennzeichnen nicht nur das ungarische Spiel, sondern auch die Tagesabläufe innerhalb des Teams.

Wer am Ende im Rampenlicht steht, ist Storck egal. Deshalb schreckte der Westfale auch nicht davor zurück, den berühmten Andreas Möller, seinen früheren BVB-Mitspieler, an seine Seite zu holen. "Ich wollte auch Personen um mich haben, die einen neuen Spirit reinbringen", sagt er.

Ungarn im Steckbrief

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