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Gruppe E - 1. Spieltag: Belgien - Italien

Belgien verzweifelt an Italiens Bollwerk

Montag, 13.06.2016 | 22:55 Uhr
Radja Nianggolan (r.) blockt einen Schuss des Italieners Martins Eder
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Die hoch gehandelten Belgier sind mit einer Niederlage in die EURO 2016 in Frankreich gestartet. Im zweiten Spiel der Gruppe E setzte es für die Roten Teufel gegen Italien ein 0:2 (0:1).

Vor 58.000 Zuschauern im ausverkauften Stade de Lyon erzielte Emanuele Giaccherini in der 31. Minute die Führung für die Italiener. Die Squadra Azzurra zog sich im Anschluss weit zurück und mauerte sich zum Sieg. Sekunden vor Schluss stellte Graziano Pelle (90.+3) den 2:0-Endstand her.

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Italien setzt die starke Serie bei Europameisterschaften somit fort. Lediglich zwei der 22 EM-Gruppenspiele gingen verloren (elf Siege, neun Remis). Belgien hingegen verlor sechs der letzten acht Spiele bei EM-Endrunden.

Im Parallelspiel der Gruppe E trennten sich Irland und Schweden 1:1-Unentschieden.

Reaktionen:

Marc Wilmots (Trainer Belgien): "Das ist ein enttäuschendes Ergebnis. Die Italiener hatten eine gute Defensive und haben auf Konter gelauert. Sie haben keinen richtigen Fußball gespielt. Wir haben es nicht geschafft, durchzukommen. Aber noch haben wir zwei Spiele, um Punkte zu holen."

Antonio Conte (Trainer Italien): "Es war ein gutes Spiel, wir haben richtig gut gespielt. Die Jungs haben gelitten, aber gezeigt, dass sie eine starke Mannschaft sind. Die Mannschaft ist geschlossen und kompakt. Das ist eine Mannschaft aus 23 guten Jungs, die Chemie im Team stimmt. Wir sind jedoch erst am Anfang dieses EM-Weges. Wir müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben. Der Weg ist steil, doch der Teamgeist ist da."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Italiens Coach Antonio Conte schickt eine ganze Ladung Erfahrung ins Rennen. Mit durchschnittlich 31 Jahren und 169 Tagen ist es die älteste Startelf der EM-Geschichte. Hinten verteidigen wie gewohnt Barzagli, Bonucci und Chiellini. Vorne stürmen etwas überraschend Eder und Pelle.

Belgiens Elf ist wie erwartet gespickt mit zahlreichen Superstars. De Bruyne, Fellaini und Hazard bilden die offensive Dreierreihe hinter Lukaku. Hinten drückt allerdings der Schuh. Kompany und Lombaerts fehlen verletzt, sodass Alderweireld in die Innenverteidigung rückt und rechts Platz macht für Ciman.

10.: Eine Kopfballablage von Lukaku an der Strafraumgrenze kommt zu Fellaini, der wiederum für Nainggolan ablegt. Der Römer zieht sofort per Vollspann ab und prüft Buffon. Ein ordentlicher Strich!

31., 0:1, Giaccherini! Schlimmer Stellungsfehler von Alderweireld bei einem Traumpass von Bonucci für den gestarteten Giaccherini. Dieser nimmt das Leder perfekt runter und schiebt aus halblinker Position locker ins lange Eck.

36.: Im Anschluss an eine Ecke von rechts segelt der Ball in hohem Bogen durch den belgischen Strafraum und Parolo serviert Pelle den Ball per Kopf an den Fünfer. Der Stürmer muss die Kugel nur noch ins Tor nicken, setzt das Leder aber Zentimeter am linken Pfosten vorbei.

53.: Bei einem schnellen Gegenangriff über die rechte Seite ist Belgien in Überzahl. De Bruyne legt den Ball in den Lauf von Lukaku, der in halblinker Position frei auf Buffon zugeht. Der italienische Keeper verlässt sein Tor und verkürzt den Winkel, Lukakus Abschluss aus 16 Metern zischt einen Meter übers rechte Kreuzeck!

54.: Auf der Gegenseite überspringt Pelle nach einer Flanke vom rechten Flügel zentral im Sechzehner locker Alderweireld und schließt sehenswert per Kopf ab - Courtois fischt den Ball mit einer überragenden Parade aus dem linken Eck!

82.: De Bruyne zieht die Kugel von links mit viel Effet in den Strafraum, wo Origi den Ball mit dem Hinterkopf aus vier Metern aufs Tornetz setzt!

84.: Italien kontert nach Ballgewinn über Immobile, der das Leder von der Mittellinie bis an den Strafraum treibt und fulminant mit rechts abschließt. Courtois reißt den rechten Arm hoch und lenkt die Kugel über die Latte!

90.+3, 0:2, Pelle: Immobile ist der Ausgangspunkt und legt die Kugel aus zentraler Position vor dem Sechzehner nach rechts in den Lauf von Candreva. Der behält die Übersicht und chippt das Leder in die Mitte, wo Pelle die Kugel aus acht Metern volley in die Maschen drischt!

Fazit: Italien trifft verhältnismäßig früh und stellt sich in der Folge tief hinten rein. Belgien verzweifelt am italienischen Bollwerk und scheitert letztlich an abgezockten Italienern.

Der Star des Spiels: Leonardo Bonucci. Was wäre Italien nur ohne seine Defensive? Über 90 Minuten rannten die Belgier an, doch immer wieder prallten sie an der blau-weißen Wand um Chef Bonucci ab. Organisierte seine Mannen stark und überragte mit gutem Stellungsspiel. Leitete zudem mit einem Zauberball das 1:0 ein. Mehr kann man von einem Abwehrspieler nicht erwarten.

Der Flop des Spiels: Romelu Lukaku. Ihm gelang an vorderster Front fast gar nichts. Zahlreiche Bälle versprangen dem Sturmtank, sobald er seinen Körper einsetzte, wurde er meist zurückgepfiffen. Kam insgesamt lediglich auf 21 Ballaktionen und gewann keinen einzigen seiner Zweikämpfe. Vergab zudem die Großchance zum Ausgleich in der 53. Minute. Wurde in der 73. Minute unter Pfiffen ausgewechselt.

Der Schiedsrichter: Mark Clattenburg (England). Hatte mit einer ruppigen Partie zu kämpfen, ließ die Spieler aber an der langen Leine. Als ihm das Spiel aus der Hand zu gleiten drohte, wurden die Spieler zunächst ruhiger. Kam deshalb bis weit in die zweite Halbzeit ohne Gelbe Karte aus. Souveräne Partie des Briten.

Das fiel auf:

  • Bei Italien war die Abwesenheit der verletzten Marchisio, Montolivo und Verratti deutlich zu spüren. Der Squadra Azzurra fehlte im Spielaufbau die führende Hand. Meist schlug die defensive Dreierkette den Ball hoch auf die gestarteten Außenspieler Darmian und Candreva. Da in der Mitte jedoch oft ein riesiges Loch klaffte, mussten die Außen ihr Angriffe oft abbrechen. Die scheinbar harmlosen Attacken, die stets nach dem gleichen Muster abliefen, führten dann dank eines Stellungsfehlers jedoch zum 1:0.
  • Belgien agierte sowohl bei Ballbesitz als auch in der Defensive klassisch in einem 4-2-3-1. Im Spielaufbau vertraute man jedoch zu sehr auf die individuelle Klasse einzelner Offensivspieler. Statt im Kollektiv aufzubauen, stand die defensive Viererkette stets auf einer Linie und ließ den Ball zirkulieren. Da keiner in der defensiven Linie die Lücke im dicht gestaffelten italienischen Mittelfeld fand, mussten die Außen Hazard und De Bruyne die Kugel tief in der eigenen Hälfte abholen. Oft folgten Einzelaktionen oder Distanzschüsse der Superstars.
  • Viel wurde im Vorfeld über die Achillesferse der belgischen Mannschaft diskutiert. Über 90 Minuten wurde klar, dass die Belgier handfeste Probleme in der Defensive haben. Die Abwesenheit von Chef Kompany und Vertreter Lombaerts konnten die Roten Teufel nicht abfangen. Immer wieder war zu merken, dass die Abstimmung zwischen den einzelnen Teilen nicht stimmte. Speziell Vermaelen, der bei Barca in der Liga nur vier Mal über 90 Minuten zum Einsatz kam, war die fehlende Spielpraxis anzumerken. Auch Ersatz-Außenverteidiger Ciman von Montreal Impact spielte zahlreiche überhastete Pässe nach vorne.
  • Das Spiel nahm im zweiten Durchgang mächtig an Fahrt auf. Vor allem Italien stand zu Beginn der zweiten Halbzeit überraschend offensiv, sodass Belgien viel Platz zum Kontern hatte. Coach Conte reagierte lautstark und schickte seine Mannen tief in die eigene Hälfte. Spätestens ab der 55. Minute fand Italien in der Offensive nur noch vereinzelt statt. Die Squadra Azzurra verteidigte in einem 5-3-2 mit Mann und Maus. Die Taktik ging auf.

Belgien - Italien: Die Statistik zum Spiel

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