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Berezutskiy schockt Three Lions

Samstag, 11.06.2016 | 22:58 Uhr
Englands Raheem Sterling im Zweikampf mit Igor Smolnikov
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England hat zum Auftakt der EURO 2016 den Sieg verpasst. In der Gruppe B kassierten die Three Lions gegen Russland in der Nachspielzeit den 1:1 (0:0)-Ausgleich.

Vor 67.394 Zuschauern im Velodrome in Marseille spielte England über weite Strecken des Spiels groß auf. Es dauerte allerdings bis zur 73. Minute, bis Eric Dier mit einem direkten Freistoß sein Team in Front brachte. Als jeder bereits mit einem englischen Sieg rechnete, markierte Vasiliy Berezutskiy in der Nachspielzeit den 1:1-Endstand.

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Die Three Lions, die mit zehn Siegen durch die Quali marschierten, verpassten es somit erneut, einen Europameisterschaftsauftakt zu gewinnen.

Reaktionen:

Roy Hodgson (Teammanager England): "Wenn man bedenkt, dass wir das Tor in letzter Minute kassiert haben, ist das eine tiefe Enttäuschung. Wir hatten weitgehend die Spielkontrolle. Leider fehlen uns jetzt die beiden Punkte. Es fühlt sich für uns wie eine Niederlage an."

Leonid Sluzki (Trainer Russland): "Ich danke meinen Spielern. Sie waren so gut wie K.o. - aber trotz des Drucks haben sie noch einen Treffer erzielt. Es war schwierig heute. England hat das Spiel dominiert, aber wir haben eine Antwort gefunden."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Englands Coach Hodgson lässt viele seiner jungen Spieler von der Leine. Im Dreiermittelfeld starten Alli, Dier und der zurückgezogene Rooney. Für Henderson, Wilshere und Milner bleibt nur die Bank. Das Durchschnittsalter der Engländer beträgt somit lediglich 25 Jahre und 293 Tage. Nur die Schweden schickten bei einem großen Turnier je eine jüngere Startelf ins Rennen (25 Jahre und 206 Tage).

Bei Russland feiert der erst kürzlich eingebürgerte Schalker Neustädter direkt sein Pflichtspieldebüt und ersetzt den verletzten Denisov. Er beginnt auf der Doppelsechs an der Seite von Golovin. Smolov und Kokorin starten auf den Flügeln und sollen Sturmbrecher Dzyuba mit Bällen füttern.

7.: Walker geht Außen schön durch und legt den Ball nach einem Angriff über die rechte Seite ins Strafraumzentrum zu Lallana. Dessen wuchtigen Schuss lenkt Akinfeev mit beiden Fäusten über die Latte.

22.: Lallana wird erneut über die rechte Seite freigespielt. Zehn Meter vor dem Tor fehlt dem Engländer aber die Ruhe und Übersicht beim Abschluss: Aus der Drehung schießt er flach links am Tor vorbei.

35.: Nach einem Solo von Alli auf der rechten Seite kommt der Ball genau an die Strafraumgrenze zu Rooney. Der Spielführer verzögert und drischt die Kugel mit rechts wuchtig in Richtung Tor. Akinfeev reißt die Fäuste hoch, verhindert so erneut das 1:0.

63.: Cahill greift vor dem eigenen Strafraum Smolov nicht an. Der Flügelspieler nutzt das für einen Schlenzer mit rechts aus etwa 18 Metern. Hart fliegt ins rechte Eck, muss aber schlussendlich nicht eingreifen - knappes Ding!

70.: Nach einem Pass von Rose von der linken Seite kommt der Ball zum völlig freistehenden Rooney. Dessen Flachschuss fischt Akinfeev mit einer Monsterparade aus der Ecke.

73., 1:0, Dier! Dier zimmert einen Freistoß mit rechts aus knapp 20 Metern ins linke Eck. Keine Chance für Akinfeev!

90., 1:1, Berezutskiy! Nach einer hohen Flanke in den Strafraum köpft Berezutskiy den Ball aus dem Strafraumzentrum in Richtung linkes oberes Eck. Englands Keeper Hart wird auf dem falschen Fuß erwischt.

Fazit: England kombinierte über weite Strecken stark, verzweifelte jedoch an gut organisierten Russen.

Der Star des Spiels: Wayne Rooney. Passte in das blutjunge englische Team aufgrund seines Alters eigentlich nicht wirklich rein. Doch der alte Mann zeigte es allen. Er agierte in ungewohnter Position im Dreiermittelfeld als Bindeglied zwischen dem Angriff und der Defensive. Bekam vom Gegner im Spielaufbau extreme Freiheiten und nutzte diese stark aus. War Dreh- und Angelpunkt im Aufbauspiel der Engländer und verlagerte das Spiel der Three Lions mit Zauberpässen ein ums andere Mal perfekt. Belohnte sich in der 70. Minute fast selbst mit einem Tor.

Der Flop des Spiels: Harry Kane. Bekam im Sturm den Vorzug vor Jamie Vardy. War in das Offensivspiel seiner Mannschaft jedoch nicht wirklich eingebunden und bekam kaum Bälle. Die Pässe, die ihn erreichten, vertändelte er zu leichtsinnig. Auch seine Standards blieben völlig ineffektiv.

Der Schiedsrichter: Nicola Rizzoli (Italien). Hatte die eine oder andere knifflige Abseitsentscheidung zu fällen. Lag mit seinem Gespann jedoch stets richtig. Hatte die durchweg faire Partie zu jeder Zeit im Griff und blieb nahezu fehlerlos.

Das fiel auf:

  • England präsentierte sich mit einer extrem flexiblen Formation. Bei eigenem Ballbesitz entwickelte sich aus dem 4-3-3 ein 3-5-2, da sich Dier zentral zwischen die Innenverteidiger fallen ließ. Meist lief im Anschluss ein Spieler aus der defensiven Dreierkette schräg in Richtung Auslinie, um dann den Ball zentral in die Mitte zu spielen. So wurde mit einfachen Mitteln die erste Angriffsreihe der Russe überwunden. Kam die Kugel in der Mitte an, wurde sie meist direkt zu den schnellen Außenspielern gepasst.
  • Vor allem das Zusammenspiel der beiden Flügelduos Walker/Lallana und Rose/Sterling funktionierte bei den Engländern extrem gut. Zwar wurde fast jeder gefährliche Angriff zunächst in der Zentrale initiiert, 30 Meter vor dem gegnerischen Tor wurde der Ball jedoch fast immer auf die agilen Außen gespielt. Die Präzision bei den Flanken fehlte jedoch recht lange.
  • Auch in der Defensive zeigten die Three Lions ihr variables Gesicht. Während sie in den ersten rund 20 Minuten ganz vorne attackierten, zogen sie sich im Anschluss in einem 4-5-1 hin und wieder bis hinter die Mittellinie zurück. Nur vereinzelt brach ein Spieler überfallartig aus dem Gebilde heraus.
  • Russland hatte mit dem englischen Defensivblock enorme Probleme. Vor allem in den ersten 45 Minuten bekamen die Russen trotz der defensiveren Engländer keinen kontrollierten Angriff zustande. Meist wurde die Kugel hoch und weit auf Dzyuba geprügelt. Die zweiten Bälle landeten jedoch zu häufig bei den Three Lions. Nach gut einer halben Stunde fanden gerade einmal 57 Prozent der Pässe den Mitspieler - eine fürchterliche Quote.
  • England brach nach der Pause in zwei Teile. Speziell die Umschaltbewegung nach Ballverlust funktionierte lange nicht mehr so gut wie noch im ersten Durchgang. Oft entstanden hinter der ersten Offensivreihe der Three Lions große Löcher. Russland stand weiterhin tief, stieß in diese leeren Räume vor und konterte gut.

England - Russland: Die Statistik zum Spiel

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