Die Schlächter sind Geschichte

Sonntag, 03.07.2016 | 19:33 Uhr
Oh Mann! Aaron Ramsey sieht die zweite Gelbe Karte bei der EURO 2016
© getty
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Der Anstoß darf nach hinten gespielt werden, die sogenannte Dreifachbestrafung ist Geschichte, aber die Gelbsperre gibt es noch. Wieso eigentlich? Sie ist ein Relikt vergangener Zeiten und gehört abgeschafft. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Andreas Lehner.

Michael Ballack hat bei dieser EM als TV-Experte für Aufregung gesorgt, als der der deutschen Mannschaft fehlende Führungsqualitäten attestierte. Eine sehr streitbare These. An dieser Stelle soll es aber nicht um den Experten, sondern um den Spieler Michael Ballack gehen. Der hat in einer dunklen Phase des deutschen Fußballs seine Qualitäten bewiesen und Deutschland gemeinsam mit Oliver Kahn durch die WM 2002 geführt.

Irgendwie sogar bis ins Finale gegen Brasilien, an dem Ballack nicht teilnehmen durfte, weil er im Halbfinale gegen Südkorea eine Gelbe Karte zu viel gesehen hatte und gesperrt war. Carsten Ramelow hatte den Fuß zurückgezogen und Ballack zu diesem taktischen Foul zum Wohle der Mannschaft gezwungen.

Die Verbände haben mittlerweile auf diesen Umstand reagiert. Gelb gesperrte Spieler wird es in einem Finale nicht mehr geben, die Verwarnungen werden vor den Halbfinalspielen gelöscht. Die Mannschaften sollen mit ihren besten Spielern ins Endspiel gehen.

Aber die Maßnahme greift zu kurz. Gelbsperren sollten generell abgeschafft werden oder zumindest so gestaltet werden wie im DFB-Pokal, wo man fünf Gelbe in fünf Spielen sammeln müsste, so dass eine Sperre quasi unmöglich ist.

Wo ist der Sinn dahinter?

Grundsätzlich stellt sich die Frage: Welchen Sinn ergibt eine Sperre durch die Summe spielbezogener Verwarnungen? Diesen Mechanismus gibt es in keiner anderen vergleichbaren Teamsportart. Weder im Basketball, noch im Handball, noch im Eishockey. Überall gibt es Verwarnungen oder Zeitstrafen, aber die sind mit dem Ende des Spiels abgegolten, nur im Fußball ist das anders. Die Möglichkeit zum Ausschluss mit anschließender Sperre gibt es in den anderen Sportarten, aber dafür hat der Fußball auch die Rote Karte.

Gelbsperren sind nicht mehr zeitgemäß. Früher als noch wahre Schlächter wie Goikoetxea oder Gentile ihr Unwesen auf den Fußballplätzen dieser Welt trieben und man für eine gelbe Karte noch Knochen krachen lassen konnte, da war die Gelbsperre ein Mittel, um notorische Treter aus dem Verkehr zu ziehen.

Doch damit ist Gott sei Dank heutzutage Schluss. Die Schiedsrichter greifen viel härter durch und bestrafen brutale Attacken konsequenter mit Rot. Dafür sitzt aber auch die Gelbe Karte lockerer als noch in den 80ern.

Verhältnismäßigkeit passt nicht

Man muss sich nur die Verwarnungen von Aaron Ramsey und Mats Hummels ansehen, um zu erkennen, dass die Verhältnismäßigkeit nicht passt. Ramsey wurde ein kurzer Zupfer in der vierten Minute der Nachspielzeit gegen Nordirland und ein Handspiel gegen Belgien zum Verhängnis.

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Hummels wurde zumindest bei seiner ersten Gelben Opfer einer klaren Fehlentscheidung, auch die zweite gegen Italien war sehr strittig. Die Summe der Aktionen rechtfertigt die Härte der Konsequenz in keiner Weise.

Das Turnier ist in den Halbfinals damit zwei seiner bisher besten Spieler beraubt. Das ist nicht im Sinne des Sports und des Fair Plays. Und das kann nicht im Sinne der UEFA sein.

Die Kartenstatistik der EM 2016

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