Der Balkan-Staat vor seiner ersten EM-Teilnahme

Albaner gegen Albaner

Dienstag, 07.06.2016 | 16:35 Uhr
Albanien ließ in seiner Qualifikations-Gruppe Dänemark und Serbien hinter sich
Advertisement
Bundesliga
FrJetzt
S04-M05: Jetzt die Highlights anschauen!
J1 League
Live
Kobe -
Tosu
A-League
FC Sydney -
Sydney Wanderers
Primera División
Levante -
Getafe
Premier League
Chelsea -
Watford
Premier League
Huddersfield -
Man United
Primera División
Real Betis -
Alaves
Ligue 1
Monaco -
Caen
Serie A
Sampdoria -
Crotone
Premier League
Southampton -
West Bromwich
Primera División
Valencia -
Sevilla
1. HNL
Hajduk Split -
Dinamo Zagreb
Ligue 1
Amiens -
Bordeaux
Ligue 1
Angers -
Toulouse
Ligue 1
Metz -
Dijon
Ligue 1
Nantes -
Guingamp
Ligue 1
Rennes -
Lille
Premier League
Man City -
Burnley (DELAYED)
Primera División
Barcelona -
Malaga
Serie A
Neapel -
Inter Mailand
Primeira Liga
Porto -
Pacos Ferreira
Premier League
Stoke -
Bournemouth (DELAYED)
Premier League
Swansea -
Leicester (DELAYED)
Premier League
Newcastle -
Crystal Palace (Delayed)
Primera División
Villarreal -
Las Palmas
Eredivisie
PSV – Heracles
Serie A
Chievo Verona -
Hellas Verona
Championship
Ipswich -
Norwich
CSL
Guangzhou Evergrande -
Guizhou
Eredivisie
Feyenoord -
Ajax
Premier League
Everton -
Arsenal
Ligue 1
Nizza -
Strassburg
Serie A
Atalanta -
Bologna
Serie A
Benevento -
Florenz
Serie A
AC Mailand -
Genua
Serie A
SPAL -
Sassuolo
Serie A
FC Turin -
AS Rom
Premier League
ZSKA Moskau -
Zenit
Primera División
Celta Vigo -
Atletico Madrid
Ligue 1
Troyes -
Lyon
Premier League
Tottenham -
Liverpool
First Division A
Anderlecht -
Genk
Serie A
Udinese -
Juventus
Premier League
Dynamo Kiew -
Schachtjor Donezk
Primera División
Leganes -
Bilbao
Super Liga
Roter Stern Belgrad -
Lucani
Primera División
Real Madrid -
Eibar
Serie A
Lazio -
Cagliari
Serie A
Sao Paulo -
Flamengo
Ligue 1
Marseille -
PSG
Allsvenskan
Malmö -
AIK
Primera División
Real Sociedad -
Espanyol
Primera División
La Coruna -
Girona
Copa del Rey
Saragossa -
Valencia
Serie A
Inter Mailand -
Sampdoria
League Cup
Arsenal -
Norwich
League Cup
Leicester -
Leeds
League Cup
Swansea -
Man United
League Cup
Man City -
Wolverhampton
Copa del Rey
Murcia -
Barcelona
Copa Libertadores
River Plate -
Lanus
Serie A
Atalanta -
Hellas Verona
First Division A
Genk -
Brügge
Serie A
Bologna -
Lazio
Serie A
Cagliari -
Benevento
Serie A
Chievo -
Milan
Serie A
Florenz -
FC Turin
Serie A
Genua -
Neapel
Serie A
Juventus -
SPAL
Serie A
AS Rom -
Crotone
Serie A
Sassuolo -
Udinese
Premiership
Aberdeen -
Celtic
League Cup
Chelsea -
Everton
League Cup
Tottenham -
West Ham
Coupe de la Ligue
Strasbourg -
Saint-Etienne
Copa del Rey
Elche -
Atletico Madrid
Copa Libertadores
Barcelona SC -
Gremio
Copa Sudamericana
Fluminense -
Flamengo
Copa del Rey
Fuenlabrada -
Real Madrid
Ligue 1
PSG -
Nizza
Championship
Leeds -
Sheffield Utd
A-League
Adelaide Udt – Melbourne City
Primera División
Alaves -
Valencia
Premier League
Man United -
Tottenham
Premiership
Hearts -
Rangers
1. HNL
Dinamo Zagreb -
Rijeka
Premier League
Liverpool -
Huddersfield
Championship
Cardiff -
Millwall
Primera División
Sevilla -
Leganes
Ligue 1
Bordeaux -
Monaco
Serie A
Milan -
Juventus
Premier League
Bournemouth -
Chelsea
Primera División
Atletico Madrid -
Villarreal
Championship
Hull -
Nottingham
Ligue 1
Caen -
Troyes
Ligue 1
Dijon -
Nantes
Ligue 1
Guingamp -
Amiens
Ligue 1
Montpellier -
Rennes
Ligue 1
Strasbourg -
Angers
Premier League
Arsenal -
Swansea (DELAYED)
Primera División
Bilbao -
Barcelona
Serie A
AS Rom -
Bologna
Primeira Liga
Boavista -
Porto
Premier League
Watford -
Stoke (Delayed)
Premier League
West Bromwich – Man City (DELAYED)
Premier League
Crystal Palace -
West Ham (Delayed)
Super Liga
Cacak -
Partizan
CSL
Hebei -
Guangzhou Evergrande
J1 League
Kofu -
Kobe
Primera División
Getafe -
Real Sociedad
Eredivisie
Vitesse -
PSV
Serie A
Benevento -
Lazio
Championship
Birmingham -
Aston Villa
Premier League
Zenit -
Lok Moskau
First Division A
Brügge -
Sint-Truiden
Premier League
Brighton -
Southampton
Ligue 1
Lyon -
Metz
Serie A
Crotone- Florenz
Serie A
Neapel -
Sassuolo
Serie A
Sampdoria -
Chievo Verona
Serie A
SPAL -
Genua
Serie A
Udinese -
Atalanta
Primera División
Girona -
Real Madrid
Ligue 1
Toulouse -
St. Etienne
Premier League
Leicester -
Everton
Primera División
Eibar -
Levante
Serie A
Ponte Preta -
Corinthians
Primera División
Malaga -
Celta Vigo
Serie A
FC Turin -
Cagliari
Ligue 1
Lille -
Marseille
Superliga
Boca Juniors -
Belgrano
Serie A
Hellas Verona – Inter Mailand
Premier League
Burnley -
Newcastle
Primera División
Espanyol -
Real Betis
Primera División
Las Palmas -
La Coruna
Copa Libertadores
Lanus -
River Plate
Championship
Preston -
Aston Villa
A-League
Melbourne City -
Sydney
Ligue 1
Rennes -
Bordeaux Begles
Primera División
Real Betis -
Getafe

Albanien nimmt bei der Europameisterschaft in Frankreich erstmals an einem großen Turnier teil - einigen kuriosen Begebenheiten sei Dank. Die Schweizer Fußball-Ausbildung und die serbische Hartnäckigkeit spielten dem kleinen Balkan-Land dabei in die Karten. Der steile Höhenflug könnte aber bald jäh enden. Just wegen dem eigentlichen Bruder-Staat Kosovo.

Es ist wohl eines der kuriosesten Spiele, das sich je bei einer Europameisterschaft zutragen wird. Albanien gegen die Schweiz, 11. Juni 2016, Stade Bollaert-Delelis, Lens. Lenjani und Abrashi treffen dann auf Dzemaili und Shaqiri; Basha und Gashi auf Mehmedi und Behrami. Und Xhaka trifft dann auch auf Xhaka. Das Bruderduell zwischen Granit und Taulant ist die absolute Zuspitzung dieser erstaunlichen Kuriosität.

Ein knappes Dutzend Spieler in den Kadern der beiden Mannschaften könnte auch für die jeweils andere Nation kicken. Fast 1.200 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der albanischen Hauptstadt Tirana und Bern. Eine Busfahrt zwischen den beiden Städten dauert knapp 35 Stunden. Sofern die zahlreichen Grenzkontrollen flüssig laufen, versteht sich, und auch keine Staus für Verzögerungen sorgen. Trotz dieser enormen Entfernung gibt es in Europa wohl keine zwei Nationen, deren aktuelles Fußball-Geschehen so verwoben ist.

Jetzt die EM 2016 tippen und gegen SPOX-Redakteure antreten!

Knapp 250.000 Albaner leben im Moment in der Schweiz. Besonders bemerkbar macht sich das im Vorlauf der EM. Die lokalen Sportartikel-Geschäfte verkaufen mehr albanische als Schweizer Trikots. Die größte Schweizer Boulevard-Zeitung Blick berichtet im Vorfeld der EM neben Deutsch auch auf Albanisch. Die 250.000 Albaner machen etwa drei Prozent der Schweizer Gesamtbevölkerung aus. Fußballerisches Talent scheint diesen drei Prozent im Blut zu liegen. Im EM-Kader der Schweiz hat jeder vierte Spieler albanische Wurzeln.

Heimat oder Ruhm?

Diese Spieler repräsentieren nicht nur die Schweiz sondern waren lange auch die Aushängeschilder des albanischen Fußballs. Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri - sie würden wohl in fast jeder Nationalmannschaft der Welt ihren Kader-Platz finden. Auf der Jagd nach internationalem Ruhm und Turnier-Teilnahmen entschieden sie sich für das Land, in dem sie aufgewachsen sind, und gegen die Heimat-Nation ihrer Eltern.

Auch der Deutsch-Albaner Shkodran Mustafi stand einst vor der schwierigen Entscheidung: Heimat oder Ruhm? Seine Wahl ist bekannt. "Sich gegen die Heimat der Eltern zu entscheiden, ist nicht leicht", sagte Mustafi mal dem Tagesspiegel, "aber ich wollte nicht der Held einer Nation werden, sondern ich wollte Karriere machen, viel erreichen." Jetzt ist Mustafi Weltmeister. Mission erfüllt.

All diese Spieler, die Xhakas, Shaqiris und Mustafis, wurden Anfang der 1990er Jahre geboren, in der Zeit unmittelbar nach dem Zusammenbruch des diktatorischen Regimes in Albanien. Dass sie durchstarteten, ist kein Zufall. Erfolgreichen Fußball unterbanden die Herrscher mit ihrem Kurs der totalen Isolation zuvor fast gänzlich.

Kein europäisches Land war so abgeschottet wie Albanien, sogar die Ausrichtung der Sowjetunion war den Herrschern zu liberal. Was nach dem Sturz der Diktatur folgte, war eine beispiellose Diaspora. Das Land blutete aus, die Bürger verteilten sich über den gesamten Globus. Etwas weniger als drei Millionen Albaner leben derzeit in ihrem Land - knapp doppelt so viele im Ausland.

Erfolgreiches Geschäftsmodell

Für den nationalen Fußball hätte wohl nichts Besseres passieren können. Abertausende junge Albaner leben nun in Nationen, die großen Wert auf Fußball-Ausbildung legen. Die talentiertesten werden in Nachwuchsleitungszentren geschult. "In Albanien kann man Fußballer nicht gleich fördern, die entsprechende Infrastruktur fehlt", sagte Redi Jupi, der technische Leiter des albanischen Verbands, dem SRF. Manche dieser geförderten Spieler schaffen es dann in die A-Nationalteams der jeweiligen Nationen, andere nicht.

Andere nicht. Als den Verantwortungsträgern des albanischen Verbandes dieser Umstand vor einigen Jahren bewusst wurde, begann eine Entwicklung, die die kleine Nation letztlich zur EM nach Frankreich beförderte. Gezielt wurde nach albanisch-stämmigen Spielern gesucht, die im Ausland ausgebildet wurden, den letzten Schritt aber nicht schafften. Mittlerweile wird die Methode professionell betrieben. In der Schweiz arbeitet etwa ein eigener Scout für den albanischen Verband. Über hundert Talente, die für Albanien spielberechtigt wären, beobachtet er momentan angeblich.

Gelohnt hat sich das Engagement bereits jetzt. Abrashi, Xhaka, Gashi und Co. harmonieren auf dem Platz genauso einwandfrei, wie sie abseits des Rasens auf Schwyzerdütsch kommunizieren. Albanisch sprechen nämlich nicht alle Nationalspieler; einige immerhin gebrochen. Stören tut das kaum jemanden. "Das Team ist ein Symbol des nationalen Stolzes", sagte Kapitän Lorik Cana AFP.

Dem Erzfeind sei Dank

Der albanische Fußball befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Geschichte. Einer Geschichte, die sich lange Zeit unterhalb des internationalen Beachtungs-Radars bewegte. 1946 gewann Albanien den Balkan Cup, immerhin. 1967 leistete Albanien einen Beitrag zur deutschen Fußball-Geschichte. Wolfgang Overath, Günter Netzer und die ganze DFB-Elf trafen in Tirana einfach nicht ins Tor. 0:0, Qualifikation für die EM 1968 verpasst. Besser bekannt als "die Schmach von Tirana".

Im Herbst 2015 qualifizierte sich Albanien erstmals selbst für eine EM. Und das gar nicht einmal unverdient. Als Gruppenzweiter beendete Albanien die Qualifikation, noch vor Dänemark und vor allem vor Serbien. Für ein vor Nationalstolz nur so strotzendes Volk versüßt dieser Umstand die EM-Teilnahme noch einmal exponentiell. Der Erzfeind wurde in die Schranken gewiesen.

Eigentlich müsste man diesem Erzfeind aber zu Dank verpflichtet sein. Zumindest ein wenig. So abstrus es klingen mag: Serbien ist mitverantwortlich für die positive Entwicklung der albanischen Nationalmannschaft. Lange war die Blockade-Taktik der Serben in FIFA und UEFA Grund dafür, dass der Kosovo keine offiziellen Länderspiele austragen durfte - und die besten kosovarischen Spieler (sofern sie nicht für die Schweiz spielen) für Albanien aktiv sind. Nach jahrelangen Verhandlungen wurde der Kosovo Anfang Mai diesen Jahres aber doch zum offiziellen UEFA-Mitglied gekürt, wenig später folgte auch die Aufnahme in die FIFA.

Werden Brüder zu Rivalen?

Dieser Umstand könnte die kurze Blütephase des albanischen Fußballs jäh beenden. Etliche wichtige Akteure der aktuellen Nationalmannschaft wären auch für den Kosovo spielberechtigt, einige werden diese Chance wohl wahrnehmen - und die albanische Nationalmannschaft womöglich austrocknen.

Für viele Albaner ist das unverständlich. Der Wunsch nach einer großalbanischen Nation mit einer gemeinsamen Fußball-Nationalmannschaft ist weit verbreitet. Am plakativsten wurde dies mit dem skandalösen Drohnen-Flug einer großalbanischen Flagge beim EM-Quali-Spiel gegen Serbien dargestellt. Viele Kosovaren und Albaner fühlen sich der gleichen Nation zugehörig, die Auftrennung in zwei Nationalteams wird für Spannungen sorgen. Beim Kampf um die besten Talente hört das Zusammengehörigkeitsgefühl schnell einmal auf.

Im November vergangenen Jahres trafen sich Albanien und der Kosovo zu einem inoffiziellen Freundschaftsspiel. Der harte Kern der albanischen Fans blieb der Partie jedoch fern. Sie wollen nicht Albaner gegen Albaner spielen sehen, hieß es von Seiten eines Sprechers gegenüber BIRN. Für wen soll man denn da nur sein? Das ist aber ein Post-EM-Problem und steht erst einmal hinten an, denn zuvor erlebt Albanien noch die aufregendsten Wochen seiner Fußballgeschichte.

Das wohl aufregendste Spiel dieser aufregenden Wochen steigt am 11. Juni 2016 im Stade Bollaert-Delelis von Lens. Schweiz gegen Albanien. Oder auch: Albaner gegen Albaner.

Alles zur albanischen Nationalmannschaft

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung