Donnerstag, 05.04.2012

Die Three Lions in der Taktikanalyse

So will England Europameister werden

Die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine ist in diesem Sommer das große Highlight des Fußball-Jahres. SPOX befasst sich im Vorfeld der Endrunde intensiv mit den Teilnehmern und liefert zu den Top-Nationen eine umfassende Analyse. Los geht's mit England und der Erklärung, warum die Three Lions keinen Robben oder Ribery brauchen sowie der Frage, weshalb England kein Pressing spielt. Eine Analyse in fünf Teilen.

Drei Köpfe der englischen Nationalmannschaft: Steven Gerrard, Wayne Rooney und John Terry (v.l.)
© Getty
Drei Köpfe der englischen Nationalmannschaft: Steven Gerrard, Wayne Rooney und John Terry (v.l.)

Die Grundordnung

Noch ist nicht geklärt, wer bei der EM Trainer der englischen Nationalmannschaft sein wird. Klar ist allerdings, dass dem neuen Mann einige taktische Varianten zur Verfügung stehen werden, die unter Fabio Capello und Interims-Teamchef Stuart Pearce zum Repertoire der Three Lions gehörten.

Auf ein spezielles System ist England nicht festgelegt. In den letzten Länderspielen agierte die Elf von der Insel mal im 4-2-3-1 (z.B. gegen die Niederlande und Bulgarien), im 4-1-4-1 (gegen Spanien) oder in einer Mischung aus 4-1-2-2-1 und 4-3-3 wie gegen Schweden.

England: Die Grundordnung
Gegen starke Gegner (hier Spanien) lässt England den Gegner noch tiefer kommen und empfängt ihn mit zwei Abwehrlinien. Die Abstände sind extrem klein, um Passwege durchs Zentrum zu verengen. Teilweise hilft sogar ein fünfter Mann (Kreis) in der Kette aus
1/1
Gegen starke Gegner (hier Spanien) lässt England den Gegner noch tiefer kommen und empfängt ihn mit zwei Abwehrlinien. Die Abstände sind extrem klein, um Passwege durchs Zentrum zu verengen. Teilweise hilft sogar ein fünfter Mann (Kreis) in der Kette aus
/de/sport/fussball/em/em-2012/taktikanalysen/england-video-analyse-grundordnung.html
 

Vom System hängen auch das Verhalten und die Ausrichtung der einzelnen Mannschaftsteile ab. Die Viererkette steht allerdings grundsätzlich vergleichsweise tief und verzichtet meist darauf, dem Mittelfeld im gleichen Maß hinterher zu schieben, wenn sich dies nach vorne orientiert.

Der Grund: Bei Ballverlust hat die Abwehrreihe so mehr Raum und vor allem Zeit, auf die veränderte Spielsituation zu reagieren. Sicherheit statt Risiko, lautet die Vorgabe, die ein typisches Merkmal einer Capello-Mannschaft ist.

An der Ausrichtung des englischen Mittelfeldes lässt sich meist die Qualität des Gegners ablesen. Gegen starke Teams setzen die Three Lions darauf, den Gegner bei dessen Ballbesitz mit zwei eng beieinander stehenden Verteidigungslinien keinen Spielraum in der englischen Hälfte zu geben.

Vor der Viererkette wird dann im Mittelfeld eine weitere Vierer- (wie gegen Holland) bzw. gar eine Fünferreihe (gegen Spanien) etabliert, die nur wenige Meter vor der eigenen Abwehrkette steht und das Ziel hat, keinen Raum für Passfolgen durchs Zentrum zu bieten (siehe Bild).

Gegen vermeintlich schwächere Teams steht die Mittelfeldreihe dagegen etwas höher, der Abstand zur Viererkette ist größer und für die Verknappung des Raumes vor der Deckung sind in erster Linie die zwei bzw. drei Sechser zuständig, während die Flügelspieler nicht in letzter Konsequenz ins Verteidigungsverhalten einbezogen werden. Bei eigenem Ballbesitz verschiebt sich die Grundordnung dann zunächst wieder ins "eigentliche" System.

Was sich in den letzten Monaten bei den Three Lions nie änderte, war die Ausrichtung, nur mit einer zentralen Spitze zu spielen. Im Normalfall übernimmt diesen Part Wayne Rooney. Der United-Star wird allerdings die ersten beiden EM-Spiele aufgrund seiner Rot-Sperre aus der Qualifikation verpassen. Als Alternativen kommen vor allem Danny Welbeck, Darren Bent und Bobby Zamorra in Frage.

Teil 2: Die Spieleröffnung

Teil 3: Die Offensiv-Idee

Teil 4: Das Spiel gegen den Ball

Teil 5: Die Besonderheiten

Daniel Börlein

Diskutieren Drucken Startseite
Get Adobe Flash player

www.performgroup.com

Copyright © 2016 SPOX. Alle Rechte vorbehalten.